“Viele unterschätzen die Langsamkeit” – Sicher und unfallfrei mit dem E-Bike unterwegs

Mobilität / 22.04.2026 • 10:01 Uhr
"Viele unterschätzen die Langsamkeit" - Sicher und unfallfrei mit dem E-Bike unterwegs
Experten empfehlen den Besuch eines E-Bike-Parcours für mehr Sicherheit. Sicheres Vorarlberg

E-Bikes verzeihen weniger Fehler als klassische Fahrräder. Warum gerade langsames Fahren zur Gefahr wird und worauf Einsteiger unbedingt achten sollten, weiß der Experte.

Darum geht’s:

  • E-Bikes erfordern mehr Können und Aufmerksamkeit.
  • Anfahren birgt hohe Risiken durch zusätzliche Kraft.
  • Richtige Bremstechnik vermeidet Überhitzung und Unfälle.

Hohenems Für viele Vorarlberger gehört das E-Bike längst zum Alltag. Pendeln im Rheintal, Feierabendrunde im Bregenzerwald, schnelle Fahrt zum Supermarkt. Doch genau diese alltäglichen Situationen bergen die größten Risiken.

"Viele unterschätzen die Langsamkeit" - Sicher und unfallfrei mit dem E-Bike unterwegs
Mario Amann von Sicheres Vorarlberg rät zur Vorsicht. VN/DJSHOM

E-Bikes boomen, doch mit der zusätzlichen Kraft steigt auch die Fehleranfälligkeit. Was auf den ersten Blick nach komfortabler Unterstützung klingt, verlangt in der Praxis mehr Können, mehr Aufmerksamkeit und oft auch mehr Übung. Geschäftsführer Mario Amann von Sicheres Vorarlberg erklärt, wo die größten Risiken liegen – und wie man sie vermeidet.

E-Bikes starten oft schneller als Autos

“Viele unterschätzen, wie viel Power so ein E-Bike hat”, sagt Amann. Bis zu 300 Prozent mehr Kraft stehen beim Anfahren zur Verfügung. Gerade an Kreuzungen oder beim Wegfahren kann das überraschen: “Man ist plötzlich schneller unterwegs, als man es gewohnt ist – zum Teil schneller als ein Auto auf kurzen Strecken.” Dazu kommt das deutlich höhere Gewicht durch Motor und Akku. Das verändert das Fahrverhalten spürbar – besonders bei langsamen Geschwindigkeiten.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Sonstige angezeigt.

Langsamfahren muss geübt werden

Nicht das Tempo ist das größte Problem, sondern das Langsamfahren. “Ein schweres E-Bike in Balance zu halten, ist deutlich schwieriger als ein klassisches Fahrrad”, erklärt Amann. Enge Situationen im Straßenverkehr, etwa neben Autos oder bei schmalen Radstreifen, können schnell zur Herausforderung werden. Viele Unfälle passieren genau hier: beim Abbremsen, beim Anfahren oder beim einfachen Umkippen.

Alleinunfälle dominieren das Geschehen. “In den meisten Fällen ist kein anderer Verkehrsteilnehmer beteiligt”, so Amann. Besonders auffällig: Mit dem Boom der E-Mountainbikes sind die Unfallzahlen deutlich gestiegen – um rund 50 Prozent. Die Ursachen liegen meist bei Fahrfehlern oder Selbstüberschätzung, weniger bei äußeren Einflüssen.

"Viele unterschätzen die Langsamkeit" - Sicher und unfallfrei mit dem E-Bike unterwegs
Langsamfahren muss geübt werden. Sicheres Vorarlberg

Auf die Technik kommt es an

Ein zentrales Thema ist auch die richtige Bremstechnik. Viele Fahrer bremsen dauerhaft – vor allem bergab. “Das führt dazu, dass die Bremsen überhitzen”, sagt Amann. Besser sei es, gezielt zu bremsen und die Bremsen zwischendurch wieder “laufen zu lassen”, damit sie abkühlen können. Generell gilt: beide Bremsen verwenden – die Vorderbremse für die Verzögerung, die Hinterbremse zur Stabilisierung.

"Viele unterschätzen die Langsamkeit" - Sicher und unfallfrei mit dem E-Bike unterwegs
Ein Helm gehört immer dazu. Sicheres Vorarlberg

Auch in Kurven zeigt sich, wie wichtig Technik ist. Außenpedal nach unten, Gewicht verlagern, Blick in die Kurve . Diese einfachen Grundregeln werden oft vernachlässigt. Dazu kommt ein weiterer unterschätzter Faktor: der Reifendruck. “Zu viel Luft bedeutet weniger Grip, vor allem auf Schotter”, erklärt Amann.

Apropos Schotter: Gerade dort passieren viele Stürze. Während ein leichtes Fahrrad Unebenheiten eher verzeiht, wird das schwere E-Bike schnell instabil. “Man muss sich trauen, drüberzufahren – zu langsam wird es schwieriger als zu schnell”, sagt der Experte.

Wer neu aufs E-Bike steigt, sollte sich Zeit nehmen. Idealerweise in einem Fahrtechniktraining – oder zumindest auf einem sicheren Platz fernab vom Verkehr. “Achter fahren, bremsen, Kurven üben – das gibt Sicherheit”, sagt Amann. Auch ein kurzer Technik-Check vor der Fahrt gehört dazu: Bremsen testen, Reifendruck prüfen, Licht einschalten.

Sein wichtigster Rat zum Schluss: “Nicht das E-Bike gibt den Takt vor, sondern der Fahrer.” Wer sich daran hält, ist nicht nur sicherer unterwegs – sondern hat auch länger Freude am Fahren.