Warum nicht gleich so?

Mobilität / 11.09.2026 • 10:30 Uhr
Die Mankos der früheren ID-Modelle sind Geschichte: Der ID.Polo setzt im Design auf vertraute Proportionen und gefällige Linienführung, bietet reichweitenzuverlässige Technik und legt noch Fahrspaß drauf
Die Mankos der früheren ID-Modelle sind Geschichte: Der ID.Polo setzt im Design auf vertraute Proportionen und gefällige Linienführung, bietet reichweitenzuverlässige Technik und legt noch Fahrspaß drauf. VW

Mit dem ID.Polo startet nun auch der kleinste gemeinsame Elektro-Nenner von VW.

VW Und er bewegt sich doch. Gemeint ist hier noch nicht der ID.Polo, sondern der bisher eher mit dem Reaktionsvermögen eines Hochsee-Frachters beleumundete VW-Konzern. Mit der neuen Kleinwagen-Palette von VW-, Skoda- und Cupra-Modellen wird nun aber tatsächlich ein gänzlich neues Kapitel im Elektro-Segment aufgeschlagen. Die gemeinsame Basis dafür liefert die modifizierte MEB-Plattform mit Vorderrad-Antrieb und moderner Akku-Technik, dazu kommt eine grundlegend neue Ausrichtung von Design, Innenraum-Gestaltung und Bedien-Konzept. Der ID.Polo, passend zur neuen Namensgebung, setzt auf klares, typisch VW-massentaugliches Design und verbindet vertraute Linienführung mit frischen Elementen.

Fahreindruck: “Der ID.Polo vermittelt auch ohne Leistungs-Eskalation viel Fahrfreude und gibt in allen Details ein Qualitäts-Statement ab, das allerdings auch bezahlt werden muss.”

Im Innenraum fällt der Umbau gleich umfangreich aus: Das bisher eingesetzte Mini-Instrumenten-Display ist einem Bildschirm mit 10 Zoll Durchmesser gewichen. Unter den wählbaren Darstellungsmöglichkeiten dürfte die der Instrumente des Golf I rasch zur bevorzugten Variante avancieren. Passend dazu gibt es auch eine Retro-Grafik für den zentralen Touchscreen mit dem Infotainment-System. Das Cockpit-Layout und die Materialauswahl mit optional auch zweifarbigen Textil-Oberflächen und hochwertigen Dekor-Elementen wirken sympathisch und wohnlich, beim Raumgefühl kann sich der aktuell kleinste Stromer im VW-Programm ohne Weiteres mit dem eines Golf messen. Apropos – beim Kofferraumvolumen schlägt der Elektro-Polo den größeren Benzin-Bruder mit 441 Litern sogar recht deutlich.

Ansprechender Materialmix, wohnliche Atmosphäre, praktisches Bedienkonzept ohne übertriebene Digitalisie-rungs-Wut. Auch Neueinsteiger in die E-Mobilität werden sich im ID.Polo ohne Handbuch zurechtfinden
Ansprechender Materialmix, wohnliche Atmosphäre, praktisches Bedienkonzept ohne übertriebene Digitalisierungswut. Auch Neueinsteiger in die E-Mobilität werden sich im ID.Polo ohne Handbuch zurechtfinden. VW

Auch auf die Kritik an den bisherigen Bedien-Mängeln seiner E-Modelle hat VW bei der neuen Generation reagiert: Die Klimaanlage ist analog steuerbar, am Lenkrad finden sich ebenfalls “echte” Tasten statt der schisteligen Kapazitiv-Varianten. Es gibt auch keine unpraktischen Slider-Felder mehr und für jeden elektrischen Fensterheber einen eigenen Schalter.

Der ID.Polo ist wieder ein VW wie früher – nicht, weil er retro wäre, sondern weil er sich auf Anhieb ohne Handbuch bedienen lässt. Die stärkere der beiden Leistungsstufen von 116 und 135 PS mit dem 37 kWh-Lithium-Eisenphosphat-Akku und 329 Kilometern WLTP-Reichweite stand für die ersten Testfahrten zur Verfügung. In der Abstimmung blieb der ID.Polo dabei klar auf der dynamischen Seite, ohne deswegen übertrieben straff oder gar holprig zu sein. Das auf unter 1,6 Tonnen gedrückte Kampfgewicht sorgt für adäquate Trägheits- und Fliehkräfte, auch die Fahrzeugbalance wirkte durchwegs ausgeglichen. Trotz forscherer Gangart auf der Testroute, die fast ausschließlich über Bundesstraßen mit nur kurzen Autobahn-Passagen führte, gab es keine nennenswerten Abweichungen zwischen real zurückgelegter Distanz und dem jeweils angezeigten Reichweiten-Verlust – der ID.Polo dürfte sein WLTP-Versprechen im echten Leben also problemlos einlösen.

Wer mehr Fahrstrecke ohne Ladestopp benötigt, muss zum vorläufigen Spitzenmodell mit 211 PS Leistung und 52 kWh-Batterie auf Nickel-Mangan-Kobalt-Basis greifen, das bis zu 455 Kilometer schaffen soll. Als Schnellladezeiten nennt VW für die ID.Polo-Modelle 23 bis 24 Minuten von 10 auf 80 Prozent.

Der ID-Polo ist endlich wieder ein Auto mit guter Sicht nach hinten statt einer Heckscheibe wie ein Panzer-Spähwagen. Das Kofferraumvolumen von 441 Litern bietet selbst der größere Bruder Golf nicht
Der ID.Polo ist endlich wieder ein Auto mit guter Sicht nach hinten statt einer Heckscheibe wie ein Panzer-Spähwagen. Das Kofferraumvolumen von 441 Litern bietet selbst der größere Bruder Golf nicht. VW

Ein Wermutstropfen bleibt bei allem Lob: Die Ankündigung, der ID.Polo würde auch preislich mit seinem Benzin-Pendant mithalten können, hält leider nicht. Dieses startet nämlich ab 19.490 Euro, wogegen für den Stromer mindestens 25.490 Euro und damit gut 30 Prozent mehr fällig werden. Bis er in mittlerer Leistungsstufe und Ausstattung mit dasteht, fallen bereits 33.790 Euro an, für Extras wie Metallic-Lack, Navigation oder Matrix-Licht kommen rasch ein paar weitere Tausender zusammen. Mit der größeren Batterie knackt er so auch leicht die 40-Tausender-Marke.

Fakten und Daten

VW ID.Polo

Motor/Antrieb: ein Elektromotor mit 116 und 135 PS, LFP-Akku mit 37 kWh brutto; 211 PS, NMC-Akku mit 52 kWh, Vorderradantrieb; 1-Gang-Direktübersetzung; L/B/H 4053/1816/1530 mm; 1568–1576 kg

Fahrleistungen/Verbrauch: 0–100 km/h 7,1–11,0 sek., Höchstgeschwindigkeit 160 km/h, Verbrauch 13,3–14,8 kWh/100 km; Reichweite 329–454 km, Ladedauer 90/105 kW DC 10 auf 80 Prozent ca. 23–24 min

Preis: ab 25.490 Euro