Die Zuverlässigkeit auf vier Rädern

Diese Art von Abschied hatte er sich nicht verdient, unser treuer, zuverlässiger Begleiter.
audi. Die Zuverlässigkeit auf Rädern. Schön und sparsam noch dazu. Und dann so was. Aber bevor wir von dem reden, was sich der Audi A4 Avant nicht verdient hatte, kommen wir lieber auf die letzten Phasen unserer Partnerschaft zurück.
Wenn man nämlich in diesem verrückten, teils sogar gefährlichen Sommer 2014 mit dem treuen Gefährten Tausende von Kilometern unterwegs war und ihm nach so mancher Fahrt am liebsten dankbar die Hand geschüttelt hätte oder wenigstens das edle ibisweiße Blech gestreichelt, da geht einem so manches durch den Sinn. Gerade auf der letzten Fahrt, die ja als solche nicht gedacht war.
Da kämpften wir uns im an sich freundlichen Salzkammergut, etwa zwischen Mond- und Wolfgangsee, durch einen mit Hagel, Blitz und Donner garnierten Weltuntergangs-Starkregen. Die trübe Bergwelt hatte sich verfinstert. Am Rand des Waldes, aus dem schon Sturzbäche herabrauschten, Zuflucht zu suchen, wie viele Autofahrerkollegen? Für manche die einzige Lösung, nicht ohne Risiko.
In der Gefahrenzone
Nichts dergleichen, wenn man quattro hat. Und ein den Weltuntergang durchdringendes Licht. Wo andere den Betrieb einstellen, zieht der Audi unbeirrt seine Bahn. Langsamer natürlich, aber sicher heraus aus der ärgsten Gefahrenzone. Später folgen dann noch ein paar ganz normale Wolkenbrüche Marke Sommer 2014. Und während man heimwärts navigiert und pilotiert und konzentriert dem „schnellsten Verkehrsservice“ lauscht, folgt die Erkenntnis: Wenn das so weitergeht mit den Regenfluten, wird der Allradantrieb im Sommer zumindest so nützlich sein wie zur Winterszeit.
Es folgt jetzt nicht ein weiteres Mal das Loblied auf den quattro-Antrieb und eine Hightech-Beschreibung wie der Traktions-Chef funktioniert. Dass Audi nämlich im A4 der jüngsten Generation das selbstsperrende Mittendifferenzial clever mit der ,,radselektiven Momentensteuerung“ kombiniert und dass das System auf diese Weise das Handling noch flüssiger und die Traktion noch stärker macht.
Das hat Qualität, vermittelt Sicherheit für höhere Ansprüche, wie überhaupt der A4 Avant ein Zeitgeist-Kombi für hohe Anforderungen an Qualität, Technik und Zuverlässigkeit ist. Das macht sich im Preisniveau deutlich bemerkbar.
Optimale Getriebeabstufung
Dafür nervt nichts an dem schlanken Lastenträger, sofern man seine Ladekapazität nicht überschätzt. Alles ist fein aufbereitet im Innenleben. Die Sechsgangschaltung bietet fugenlose Präzision und optimale Abstufung. Das Audi-MMI-GPS stellt keine besonderen Anforderungen an die Geduld des Navigators. Den Mix aus Laufruhe, hohem Fahrkomfort und sportiver Straffheit empfanden wir als nahezu ideal, die 150 PS des Vierzylinder-TDI als einen hervorragenden Kompromiss zwischen Vernunft und Leistungsbereitschaft.
Ein Muster an Feinfühligkeit ist die im A4 neue elektromechanische Servolenkung. Präzis und schnell. Gegen das Reh, das von links dahergeschossen kam aus der verregneten Finsternis, nützten allerdings weder die beste Lenkung noch die besten Absichten des Lenkers.
Unser Freund quattro hat den Aufprall weggesteckt, spurtreu, die Insassen vor Schaden bewahrend, dezent beschädigt, erhobenen Hauptes. Er hätte sich einen unverletzten Abgang aus dem Dauertest verdient.



Fakten
» Motor/Antrieb: Vierzylinder-Turbodiesel, 1968 ccm, 150 PS, 320 Nm; Sechsgang-Schaltgetriebe
» Fahrleistung/Verbrauch: 0 auf 100 km/h in 8,6 Sekunden, Spitze 206 km/h; 5,3 l (138 g CO2/km)
» Preis: 42.050 Euro, Testfahrzeug 44.886 Euro
Dauertest, 4. Teil
» Gefahrene Testkilometer: 14.525
» Aktueller Testverbrauch: 6,8 l
» Defekte: keine/Wildschaden