Wo Freiheit mehr als nur ein Wort ist

04.05.2018 • 06:47 Uhr / 8 Minuten Lesezeit

Mit dem VW California im Jubiläumsjahr dort unterwegs, wo er seinen Namen herhat und vom Lebensgefühl bestens hinpasst.

Surferboy Martin gerät ins Schwärmen. Der Mittfünfziger hat vor zehn Jahren seine Zelte an einem Parkplatz am Venice Beach in Los Angeles aufgeschlagen. Ein alter VW T2, auf dessen Dach sich Surfbretter türmen, dient als Büro.

Der Wind weht durch die blondgrauen Haare, das Meer spiegelt sich in seiner Brille. Mit dem Verleih der Boards verdient er sein Geld. Die Geschäfte laufen gut. Martin ist wohl so etwas wie der Prototyp des kalifornischen Surfers und sein alter VW-Bus der Inbegriff für ein Lebensgefühl, das die Freiheit im Fokus hat. Zur Vermarktung seines Surfer-Idylls leistet der T2 einen wertvollen Beitrag.

Vor 30 Jahren gab es fürs Marketing noch andere Bezeichnungen. Damals, zur Markteinführung des VW California, sprachen sie noch von Reklame. „Hotel California. Ruhige Lage, komfortable Ausstattung, Panorama garantiert.“ Der erdachte Werbeslogan war als Anspielung auf einen Eagles-Hit zu verstehen. Das war 1988. Heute, vier California-Generationen später, hat sich im Grunde nichts daran geändert. Der VW-Bus mit seinen vier Schlafplätzen ist geblieben, was er immer war. Ein Statement für eine automobile Lebenseinstellung, in der Freiheit und unabhängiges Reisen im Mittelpunkt stehen.

Kultstatus

An seinem sonnigen Arbeitsplatz kommt bei Martin Wehmut auf. Seine VW-Bus-Sammlung umfasst zwar sechs Fahrzeuge der frühen Modellreihen T1 und T2. Ein aktueller California ist aber nicht dabei. Den hätte der Surfer freilich gerne, nur ist er in den USA nicht erhältlich. Dass der Exot aus „Good old Germany“, den der Hersteller zu dessen 30-Jahr-Jubiläum eigens über den großen Teich bringen ließ, Begehrlichkeiten wecken würde, war vorhersehbar. Die Menschentrauben, die der T6 mit Hochstelldach dann aber bei jedem Stopp anzog, übertrafen die Vorstellungen. Im Land der Freiheit und unbegrenzten Möglichkeiten genießt der California Kultstatus. Weil er genau dafür steht, was der US-Bundesstaat für sich reklamiert. Jenes unbeschwerte Lebensgefühl, das auch Surfer Martin verkörpert.

Am Highway Number 1 dem Sonnenuntergang entgegen: Zum unabhängigen Reisen zählt, jederzeit haltmachen zu können. Auf den XXL-Parkplätzen der amerikanischen Supermärkte, die Platz für massenweise Riesen-Pick-ups bieten müssen, wirkt der Bus beinahe zierlich. Dabei hat er alles mit an Bord, was für spontane Ausflüge und ausgiebige Expeditionen notwendig ist – Küchenzeile inklusive.

Geräumige Kühlbox

Zu den Megatrends des amerikanischen Sonnenstaates zählt gesunde Nahrung. Wer es sich leisten kann, kauft im Bio-Supermarkt Organic Food. Der Preise wegen sind die Nahrungsmittel der besseren Gesellschaft vorbehalten. In Malibu werden etwa im Vintage Grocers Supermarket Köstlichkeiten feilgeboten, die sich für ein ausgiebiges Picknick anbieten. Alles reich an Vitaminen und frisch. Gut, dass der VW California über eine großzügig bemessene Kühlbox verfügt.

Mit jeder gefahrenen Meile erklärt sich mehr, warum so viele Handykameras auf den VW California gerichtet sind. Auf den Küstenparkplätzen stehen Reisemobile Rad an Rad. Neben dem kompakten Bus aus Deutschland wirken sie groß und behäbig. Die Freiheit, mit einem Reisemobil auch kleinste Wege, Gassen, Stellplätze und Städte erreichen zu können, macht den Unterschied aus und ist wohl auch wesentlich für den Erfolg der letzten 30 Jahre verantwortlich.

Vieles hat sich seit der Markteinführung geändert. Der Motor ist von hinten nach vorne gewandert. Komfortable Automatikgetriebe und Allrad haben Einzug gehalten. Das Grundkonzept ist allerdings bis heute unverändert. „Home is where we park our camper“, gilt auch noch für nächste California-Generationen. Jederzeit und praktisch überall sprichwörtlich seine Zelte aufschlagen zu können, lässt sich das Erfolgsrezept auf den Punkt bringen. 157.500 California hat VW Nutzfahrzeuge seit 1988 an Kunden ausgeliefert. 2017 war das erfolgreichste Jahr in der Geschichte.

Clevere Raumnutzung

Zeit anzuhalten und sich das Konzept in der Praxis genauer anzuschauen. Es bietet auf kleinster Grundfläche eine höchst clevere Raumnutzung. Vorkenntnisse bei der Anwendung sind von Vorteil. Wer in die Geheimnisse eingeweiht ist, wird die perfekt durchdachten Detaillösungen lieben. So wird aus dem drehbaren Mobiliar der ersten Reihe, der verschiebbaren Mittelsitzbank und dem Klapptisch im Handumdrehen eine gemütliche Sitzgruppe. Mit etwas Geschick lässt sich das alles wieder zurück- und zu einem zwei Meter langen und fast 1,2 Meter breiten Bett umbauen. Elektrisch fährt auf Wunsch ein Zelt in zwei Metern Höhe mit Lattenrost und bequemer Auflage aus dem Dach. Kinderleicht, wenn man weiß wie. Dann wird man auch mit den in der Heckklappe integrierten Campingstühlen und dem dazugehörenden Tisch aus der Schiebetüre seine Freude haben.

Dass der Fahrkomfort heute Pkw-Niveau erreicht, macht den California auf seiner ausgiebigen Tour durch jenen Bundesstaat, der einst Namensgeber war, zum entspannten Erlebnis. Dort, wo Freiheit mehr als nur ein Wort ist, verkörpert der kompakte Reisebus von Volkswagen diese Werte wie kaum ein anderes Automobil. Lohnende Möglichkeiten für einen kurzen Halt gibt es unzählige. Auch an jenem Parkplatz, der von Surfer Martin für seinen Board-Verleih ausgewählt wurde. Am Strand von Venice Beach zieht der VW California alle Blicke auf sich. Dabei ist die Konkurrenz groß: Bentleys, Ferraris, Lamborghinis parken in der ersten Reihe. Die Herzen fliegen dennoch dem Reisemobil zu – vielleicht auch aus Patriotismus. Schließlich heißt er ja nicht umsonst California.

Surferboy und vw-Bus-fan
            Der Mittfünfziger Martin betreibt am Strand von Venice Beach einen Surfverleih. Sein Büro hat er in einem VW T2.

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Der Mittfünfziger Martin betreibt am Strand von Venice Beach einen Surfverleih. Sein Büro hat er in einem VW T2.

Der Freiheit auf der Spur
            VN-Motorchef Michael Gasser hat sich auf den Weg gemacht, um vor Ort herauszufinden, weshalb der VW California als eine Art Inbegriff für automobilie Freiheit steht.

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Bio als Megatrend in Kalifornien
            Ein Abstecher nach Ojai zur Poco Farm. Gesunde Lebensmittel stehen bei den Kaliforniern hoch im Kurs.

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Grundkonzept unverändert
            Das Grundkonzept des VW California hat sich in vier Generationen nicht verändert. Clevere Raumnutzung steht im Fokus.

Grundkonzept unverändert

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Chronologie

30 Jahre Volkswagen
California

1988–1990 Die Geschichte des California beginnt 1988. Mit einem Reisemobil-Sondermodell auf der Basis der dritten Transporter-Generation (T3). Bereits im ersten Jahr verkauft VW 5000 Exemplare. Bis zum Produktionsende entschieden sich rund 22.000 Kunden für einen bis zu 112 PS starken California T3, dessen Motor noch im Heck untergebracht war.
1990–2003 Der Wechsel vom T3 zum T4 gleicht einer technischen Revolution. Denn nach vier Jahrzehnten heckgetriebener Transporter mit Vierzylinder-Boxermotoren drehen die Ingenieure den Spieß um: Sie setzen den Motor nach vorne und treiben die Vorderachse an. Damit ändert sich praktisch alles: Design, Fahrwerk und das Innenraumlayout.
2004–2015 2004 kommt der California T5 mit optionalem Allradantrieb auf den Markt. Angeboten wird er zunächst in zwei Ausstattungsversionen „Trendline“ und „Comfortline“. Beide Ausstattungs­linien konnten mit elektrohydraulisch betätigtem Aufstelldach bestellt werden.

2015 VW Nutzfahrzeuge bringt den T6 und damit die vierte California-Generation auf den Markt. Angeboten wird das Reisemobil in drei Ausstattungsversionen. Eine neue Design-DNA transferiert den California in die Neuzeit.