Sachlich, vernünftig, elektrisch

Motor / 17.01.2020 • 09:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
El Born, Seats erster Batteriestromer: ab Ende 2020.
El Born, Seats erster Batteriestromer: ab Ende 2020.

Zum Auftakt des Jahres präsentierten weniger Hersteller als zuvor mit verhaltenem Glamour ihre Modellnovitäten.

VIENNA AUTOSHOW Dass früher alles besser war, ist verklärende Nostalgie. Dass früher mehr Lametta war, ist eine Tatsache, schaut man sich auf der Messe Wien um. Fast durchwegs sachlich präsentiert eine reduzierte Zahl an Herstellern ihre Neuheiten. Die VW-Gruppe füllt mit den Marken Audi, Porsche, Seat, Cupra, Škoda und Volkswagen die gesamte Halle D.

Das Show-Programm wirkt vernünftig: Traumwagen von Ferrari, Lamborghini, Bentley und Rolls Royce sucht man vergeblich, der erste SUV von Aston Martin, der DBX, ist fast verschämt versteckt.

Hintergrund ist ein rückläufiger Markt, der immer noch über der 300.000er-Marke liegt, mit 329.363 neu zugelassenen Pkw (2018: 341.068). Hintergrund ist auch eine gewisse Sättigung, der österreichische Pkw-Bestand hat die Fünf-Millionen-Grenze überschritten.

Geprägt ist die aktuelle Situation von einem Wandel. Auf die Einführung der WLTP-Prüfnorm folgt das von der EU vorgegebene Flottenziel von 95 Gramm CO2 pro Kilometer (derzeitiger Stand: 126 g CO2/km). Für die NoVA werden neue – komplizierte – Berechnungsmodelle schlagend. In Diskussion stehen CO2-Abgabe und höhere Diesel-besteuerung, wobei der Anteil an Selbstzündern auf vierzig Prozent zurückgegangen ist.

Dominant ist das Thema Antriebs­elektrifizierung, nicht zuletzt, um CO2-Strafzahlungen zu entgehen. Die Bilanz des Jahres 2019 weist einen Zuwachs an reinen Elektroautos um mehr als ein Drittel aus, in Zahlen sind das 9242 Fahrzeuge (2018: 6757). Das sollte sich 2020 signifikant ändern.

Strommodelle am Start

Die Volkswagen-Gruppe stellt sich elektrisch breit auf. Audi zum Beispiel mit einer Sportback-Version des e-Tron. Porsche ergänzt die Taycan-Baureihe um eine leistungsreduzierte Variante. VW, Seat und Škoda stehen mit dem Kleinstwagen-Trio e-Up, Mii electric und Citigo e iV am Marktstart. Im Laufe des Jahres sollen VW ID.3 und Seat el Born kommen. Škoda stellt die Serienversion des Crossover-Concepts Vision iV in Aussicht. Vorerst feiert bei den Tschechen der neue Octavia samt Combi und Antriebselektrifizierung – Plug-In-Hybride – Premiere, ebenso wie der neue VW Golf VIII. Dominant ist, ungeachtet der nach wie vor polemischen Diskussion, nach wie vor das Thema SUV. Der Anteil an den Pkw-Neuzulassungen lag 2019 bei fast 32 Prozent. Mercedes füllt die Baureihen mit dem bis zu siebensitzigen GLB auf. Unter dem Sub-Label EQ wird ein Batterieelektriker folgen. Die Tochtermarke Smart ist komplett unter Strom gesetzt.

Beim dreifachen Antriebsoffert bleibt die PSA-Gruppe, präsent mit elektrischen und elektrifizierten Modelle: DS3 und DS7 Crossback, Peugeot 508 und 508 SW, Opel Grandland X Hybrid.

Neue Verbrenner und Stromer stehen bei BMW (X1 Plug-In-Hybrid), Ford (siehe F3), Honda (e), Hyundai (i10), Mini (E-Version), Mitsubishi (Space Star), Renault (Captur), SSangYong (Korando), Subaru (Forester und XV e-Boxer) und Suzuki (Vitara).

Was die Markenpräsenz betrifft, scheint die Liste der Abwesenden länger als die der Anwesenden. Aus unterschiedlichen Gründen abgesagt haben Alfa Romeo, Fiat und Jeep, Citroën, Jaguar und Land Rover, Kia, Nissan, Toyota und Lexus. Mazda und Volvo sind bereits traditionell absent.

Für 2020 schätzen die österreichischen Automobilimporteure, dass der Markt weiter rückläufig sein und mit einem Ergebnis von etwa 310.000 Neuzulassungen abschließen wird.

VW ID.3, Volleektriker aus Wolfsburg: ab Mitte 2020.
VW ID.3, Volleektriker aus Wolfsburg: ab Mitte 2020.
Mercedes füllt das SUV-Portfolio um den GLB auf.
Mercedes füllt das SUV-Portfolio um den GLB auf.
Weiterhin auf Erfolgskurs: der neue Škoda Octavia.
Weiterhin auf Erfolgskurs: der neue Škoda Octavia.
Audi ergänzt die e-tron-Baureihe um eine Sportback-Variante in zwei Leistungsabstufungen.Herstller, Beatrix Keckeis-Hiller
Audi ergänzt die e-tron-Baureihe um eine Sportback-Variante in zwei Leistungsabstufungen.Herstller, Beatrix Keckeis-Hiller