Kleine Cabrios vom Aussterben bedroht

Cooper S Cabrio: Mini trotzt dem Trend und lässt sein kleines Cabrio weiter leben.
Schwarzach Das Straßenbild ist eintönig geworden. Mit dem SUV-Trend sind viele Karosserieformen verschwunden. Limousinen sieht man kaum noch, Cabrios auch nur noch selten. Kleine Cabrios: praktisch Fehlanzeige. Dabei gab es – und das ist noch gar nicht einmal so lange her – viele Hersteller, die auch in kleinen Segmenten auf Frischluft-Zufuhr setzten. Das war einmal. Die kleinen offenen Spaßmacher sind vom Aussterben bedroht.

Mini ist einer der letzten Hersteller, der mit dem Mini Cabrio noch ein echtes Stoffdach-Modell als Voll-Cabrio im Angebot hat. Im Vorjahr haben die Briten aus dem BMW-Konzern den 3,88 Meter kurzen Zweitürer noch einmal neu aufgelegt. Wobei die Plattform eher aufgemöbelt als neu erfunden wurde.
Mini nutzt die technische Basis der Verbrennermodelle. Damit ist auch das Antriebsangebot beschrieben. Einen reinen Stromer gibt es nicht. Wir haben für unseren Test den Cooper S ausgefasst. In Sachen Leistung ist er mit 204 PS zwischen dem Standard-Cooper und dem John Cooper Works angesiedelt. Die sportlichen Ambitionen sind auch schon optisch gut erkennbar.
Beim Design geht Mini keine Experimente ein. Vorne stechen die runden Scheinwerfer ins Auge, am Heck die Rückleuchten in Union-Jack-Optik. Sie sind vertikal ausgeführt und unterscheiden sich damit von den neuen Modellen ohne Stoffdach. Vielen Mini-Fans hat die alte Rückansicht ohnedies viel besser gefallen. Nachteil ist das also keiner.

Das Muster der britischen Fahne schmückt auch das schwarze Stoffdach, das sich in 18 Sekunden elektrisch öffnen lässt. Es verschwindet dann nur teils im Kofferraum, ein bisschen was bleibt. Optisch erinnert das ein wenig an einen Kinderwagen.

Sehr erwachsen sind unterdessen die Fahrleistungen. Der 2-Liter-Benziner mit über 200 PS und 300 Nm Drehmoment sorgt für zünftigen Vortrieb. 0 auf 100 in 6,9 Sekunden und eine Spitze von 237 km/h sind ins Datenheft geschrieben. In der Praxis bedeutet das vor allem eines: Fahrspaß pur. Das hat weniger mit der Leistung alleine zu tun als vielmehr mit der wunderbar sportlichen Fahrwerksabstimmung. Go-Kart-Feeling heißt das bei Mini im Marketing-Sprech. Man muss zwar nicht immer glauben, was die Verkaufsabteilungen versprechen: In diesem Fall ist es aber definitiv zutreffend.

Im Innenraum verspricht der Hersteller Premium, hält dieses Versprechen aber nicht in allen Details. Einzelne Materialien überzeugen nicht ganz. Andere schon, etwa die textilen Oberflächen am Armaturenbrett. Ein Hingucker ist das runde OLED-Display, das in der Bedienung allerdings Schwächen zeigt. Einzelne Symbole sind so klein geraten, dass man sie während der Fahrt mit dem Finger kaum trifft. Praktisch indes ist die Bedienleiste mit den fünf Kippschaltern für die wichtigsten Funktionen. Wäre schade gewesen, wenn Mini nicht gegen den Trend an seinem Cabrio festgehalten hätte.
Mini Cooper S Cabrio
Motor/Antrieb 2-Liter-Benziner, 4 Zylinder, 204 PS, 300 Nm, Automatik, Frontantrieb
Fahrleistung/Verbrauch 0 auf 100 in 6,9 Sek.; 237 km/H Spitze; 6,5 l Verbrauch (7,3 l im Test)
Preis ab 38.550 Euro; Testwagen: 49.571 Euro

