Beschäftigte streiken im Chemiepark Linz

Ticker / 04.06.2026 • 15:38 Uhr

Im Streit um den Kollektivvertrag für die rund 50.000 Beschäftigten der Chemiebranche wird weiter gestreikt. In der Nacht auf Donnerstag sei der zentrale Leitstand im Chemiepark Linz heruntergefahren worden, teilte die Gewerkschaft GPA mit. Damit sei die Erdgas-Zuleitung unterbrochen, der “Anfang der Produktionskette” sei stillgelegt. Das Hochfahren der Anlage werde einige Tage dauern. Aus Sicht der Arbeitgeber sind die aktuellen Streiks rechtswidrig.

Betroffen seien mehrere Unternehmen im Chemiepark Linz, so die Gewerkschaft. Der Leitstand sei die Kontrollzentrale für die ersten chemischen Produktionsabläufe. Erdgas sei ein Hauptbestandteil in der Düngemittelerzeugung im Chemiepark, die nun stillstehe. Gestreikt werde eine Schicht lang. Ohne Mitarbeiter könne die Produktion nicht wieder hochgefahren werden. Nach dem Streik würden Wartungsarbeiten durchgeführt, die einige Tage dauern sollen, erklärte die Gewerkschaft. Die Aktion führe zu einer Störung der Produktionsabläufe und einer Verknappung der Grundstoffe.

Weitere Streiks kommende Woche

“Unser Vorgehen ist die Reaktion auf das unverschämte Angebot der Arbeitgeber. In sieben Runden kein einziges annehmbares Angebot vorzulegen, führt zu entsprechenden Reaktionen bei den Beschäftigten”, so der Geschäftsführer der GPA Oberösterreich, Wolfgang Gerstmayer gegenüber der APA. Kommende Woche sollen Streikmaßnahmen in anderen Betrieben fortgesetzt werden, je nach Verlauf der Verhandlungen sei auch ein unbefristeter Streik möglich.

Der Fachverband der Chemischen Industrie (FCIO) sieht die Streiks rechtlich nicht gedeckt. “Für gewerkschaftliche Streikmaßnahmen während eines aufrechten Kollektivvertrages gibt es keine rechtliche Legitimation. Sowohl die Gewerkschaften wie auch die Betriebsräte unterliegen bei einem ungekündigten Kollektivvertrag der Friedenspflicht. Sollten unseren Mitgliedsunternehmen durch diese Aktionen wirtschaftliche Schäden entstehen, werden wir selbstverständlich rechtliche Schritte setzen und die betroffenen Unternehmen umfassend unterstützen”, sagte FCIO-Obmann Ulrich Wieltsch laut Aussendung am Donnerstag.

Bisher sieben ergebnislose Verhandlungsrunden

Die siebente Runde der Kollektivvertragsverhandlungen für die Chemiebranche wurde am gestrigen Mittwoch nach 14 Stunden ohne Ergebnis unterbrochen. Die nächste Verhandlungsrunde soll am 11. Juni um 14 Uhr starten, bis dahin hat die Gewerkschaft befristete Streiks in den Betrieben angekündigt. Die Arbeitnehmerseite fordert ein Lohn- und Gehaltsplus von 3 Prozent.

Die rund 230 Unternehmen der Chemischen Industrie mit mehr als 50.000 Beschäftigten sind in unterschiedlichen Bereichen aktiv, unter anderem in der Produktion von Pharmazeutika, Kunststoffen und Kunststoffwaren, Fasern, Lacken, Düngemitteln oder auch organischen und anorganischen Chemikalien.