“Neuer Kollektivvertrag ist Erfolg aller Beschäftigten”

Markt / 15.06.2026 • 14:12 Uhr
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Die Arbeitnehmer in der chemischen Industrie streikten für einen entsprechenden KV-Abschluss auch in Vorarlberg (re. GPA-GF Marcel Gilly). Am nächsten Tag gab es einen KV. FA/GW

Es brauchte acht Verhandlungsrunden, bis der Kollektivvertrag der Chemieindustrie zustande kam. Die Bau-Holz-Wirtschaft hat ebenfalls neuen Kollektivvertrag.

Wien, Bregenz Am Donnerstag ging nichts mehr am Vorarlberger Standort des Herstellers von technischen Gasen, Air Liquide, in Lustenau, gar nichts mehr. Nach sieben Gesprächsrunden zum Kollektivvertrag der chemischen Industrie haben die Mitarbeiter zu härteren Bandagen gegriffen. Österreichweit streikten die Mitarbeiter für ein Lohnplus. Auch in Vorarlberg, wo die chemische Industrie allerdings nicht sehr zahlreich vertreten ist.

Historische Verhandlungen

Nach dem Streik kamen die Dinge in Bewegung, freut sich der Geschäftsführer der Gewerkschaft der Privatangestellten, Marcel Gilly, im Gespräch mit den VN. Nach einem intensiven Verhandlungsmarathon wurde der neue Kollektivvertrag fixiert. “Diese KV-Verhandlungen gehen in die Geschichte ein”, schildert Gilly die Gespräche. Dass die Unternehmerseite über Wochen nicht einmal ein Angebot legte, sei ein Zeichen der Ignoranz gegenüber den Mitarbeitenden, so Gilly weiter. Und das ist das Ergebnis: Die Löhne und Gehälter steigen um 1,8 Prozent, maximal um 100 Euro, das bedeutet eine nachhaltige Erhöhung von 1,62 Prozent. Zusätzlich wird eine steuerbefreite Einmalzahlung in der Höhe von 300 Euro zur Kaufkraftsicherung gewährt.

“Steiniger Weg”

Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber, Ernst Gruber, kommentiert das Ergebnis natürlich anders als die Arbeitnehmervertreter: “Der Einigungsprozess über acht Verhandlungsrunden war ein extrem steiniger Weg. Vor allem die Streiks haben den Prozess zusätzlich erschwert und verlängert.” Dass die Arbeitgeber zurückhaltend in den Verhandlungen waren, liegt laut Gruber an der angespannten wirtschaftlichen Lage: 600 verlorene Arbeitsplätze allein im vierten Quartal 2025, ein Produktionsrückgang von 18 Prozent in drei Jahren und ein Verlust an Wettbewerbsfähigkeit gegenüber den Konkurrenzmärkten. Vor diesem Hintergrund habe man eine Einigung erzielt, die für beide Seiten gerade noch vertretbar sei, heißt es seitens der Verhandler beider Seiten.

Auch die Bauwirtschaft kämpft seit Jahren mit herausfordernden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Dennoch konnte die Gewerkschaft Bau Holz (GBH) ein Plus von durchschnittlich 3,5 Prozent mehr Lohn ausverhandeln. “Möglich wurden die Abschlüsse durch intensive, aber konstruktive Verhandlungen”, betont GBH-Landesgeschäftsführer Andreas Ammann.