Gemeinde in Italien will Kinder-Beitrag von Hundebesitzern
Mit einem ungewöhnlichen Vorschlag im Kampf gegen den Geburtenrückgang hat der Bürgermeister der norditalienischen Gemeinde San Giorgio su Legnano eine landesweite Debatte ausgelöst. Hundehalter sollen freiwillig 20 Euro pro Tier zahlen, um Angebote für Kinder und Familien zu finanzieren. Der Bürgermeister betonte, es handle sich nicht um eine Steuer, sondern um einen freiwilligen Solidaritätsbeitrag. Ziel sei es, Familien mit Kindern zu unterstützen.
Anlass für die Initiative seien die finanziellen Schwierigkeiten vieler Eltern, die sich zuletzt bei einer Erhöhung der Schulkantine-Gebühren gezeigt hätten. Die Gemeinde hatte den Preis pro Mittagessen von sechs auf sieben Euro angehoben. In der Gemeinde nahe Mailand leben nach Angaben der Stadtverwaltung rund 6.800 Einwohner, darunter 280 Kinder und etwa 850 Hunde. Diese Zahlen spiegelten die demografische Entwicklung Italiens wider, sagte Bürgermeister Claudio Ruggeri.
Unterschiedliche Reaktionen
“Wir haben unmittelbar erlebt, mit welchen Problemen Familien mit Kindern konfrontiert sind”, sagte Ruggeri. Mit den zusätzlichen Einnahmen könnten Sozialleistungen verbessert oder die Kosten für die Schulverpflegung gesenkt werden. Sollten alle Hundebesitzer den Beitrag leisten, kämen nach seinen Berechnungen rund 17.000 Euro zusammen.
Der 58-jährige Bürgermeister, selbst Vater von drei Kindern, verteidigte seine Initiative. Es gehe nicht darum, Haustiere gegen Kinder auszuspielen, sondern auf die Folgen des demografischen Wandels aufmerksam zu machen. Die Reaktionen seien unterschiedlich ausgefallen. Einige Bürger hätten den Vorschlag kritisiert, andere den dahinterstehenden Gedanken unterstützt.
Italien zählt seit Jahren zu den Ländern mit den niedrigsten Geburtenraten Europas. Das Land hat 2025 ein neues Rekordtief an Geburten erreicht, nachdem bereits 2024 so wenige Kinder geboren wurden wie seit dem Ersten Weltkrieg nicht mehr. Die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau in Italien ist weiter gesunken und lag nach Daten des italienischen Statikamts Istat bei 1,14 nach 1,18 im Jahr 2024. Politik und Kommunen suchen deshalb verstärkt nach Wegen, Familien zu entlasten und mehr Anreize für Kinder zu schaffen.