Oft werden die falschen Wohnungen gebaut

Politik / 10.06.2026 • 16:46 Uhr
Vogewosi
Gemeinnützige bauen oft zu klein für große Familien. Vogewosi

Bedarf nach großen Wohnungen im gemeinnützigen Bereich ist hoch – die Anzahl allerdings gering.

Bregenz Dornbirn wartet auf den Herbst – und blickt auf den Weidenweg. Dort werden 16 neue gemeinnützige Wohnungen fertiggestellt. Sie sind die einzigen, die heuer fertig werden; bei 1000 Menschen auf der Warteliste, viele davon mit dringendem Wohnbedarf. Es sind zudem die falschen Wohnungen, sagt Wohnbaustadtrat und FPÖ-Landtagsabgeordnete Christoph Waibel. “Da sind viele Dreizimmerwohnungen dabei. Wir bräuchten aber kleine Einheiten und große Einheiten.” Auch das Punktesystem steht wieder in der Kritik.

Oft werden die falschen Wohnungen gebaut
Christoph Waibel fordert, dass auch Arbeit ins Punktesystem aufgenommen wird. VN/Hartinger

Landtagsdiskussionen über das Thema Wohnen gleichen einer Netflix-Serie: Man kann eine Folge fünfmal ansehen, sie ändert sich nicht. Dieser Vergleich stammt von Neos-Mandatarin Fabienne Lackner, als sie am Podium steht und über Wohnen spricht. Sie selbst untermalt ihre Feststellung mit dem Spruch, den sie stets wiederholt: “Schaffa, schaffa, hohe Miete zahlen.” Die Debatte dreht sich um die immer selben Themen: Wird genug gebaut, wie viel muss gebaut werden, wie können die Kosten gedämpft werden, Bürokratieabbau – und so weiter. Die Regierung lobt sich, die Opposition kritisiert sie, lautet das ewig junge Match. Auch an diesem Mittwoch in der Aktuellen Stunde. Die SPÖ hat das Thema auf die Agenda gesetzt.

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Oft werden die falschen Wohnungen gebaut
Fabienne Lackner fühlt sich wie in einer Netflix-Serie. VN/Hartinger

Währenddessen nehmen sich jene, die die Pläne der Landespolitik umsetzen, gegenseitig in die Pflicht. Wie die VN berichteten, fordert etwa Thomas Schöpf, Geschäftsführer der Wohnbauselbsthilfe, dass die Gemeinden ihre Vorgaben zurückschrauben. Wer große Fahrradräume und Tiefgaragen vorgibt, treibt die Baukosten in die Höhe. Etwas, was auch ÖVP-Abgeordneter Hanno Lecher im Landtag festhält. In Italien gebe es auch weniger Vorgaben. FPÖ-Stadtrat Waibel entgegnet: “Wir müssen uns mit den Wohnbauträgern zusammensetzen. Wenn man einen Block ohne große Wohnungen baut, ist das eine Katastrophe.” Waibels Hohenemser Amtskollege Bernhard Amann bestätigt: “Es gibt viele Familien, die vier Zimmer und mehr benötigen. Gestern war eine Mutter mit sechs Kindern bei mir.” Gerade diese Familien müssen sehr lange auf Wohnungen warten. Insgesamt werden in den kommenden zwei Jahren rund 770 gemeinnützige Wohnungen fertiggestellt. 21 sind mindestens 100 Quadratmeter groß.

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Was Vorgaben an Bauträger betrifft, blickt ÖVP-Abgeordneter Hanno Lecher auch nach Italien. VN/Hartinger

Amann und Waibel sehen auch beim Punktesystem für die Wohnungsvergabe Handlungsbedarf. Besonders hoch wird bewertet, wie lange man in einer Gemeinde wohnt. “Wenn jemand dringend eine Wohnung braucht, aber erst seit Kurzem in Hohenems wohnt oder arbeitet, ist das hinderlich”, kritisiert Amann. Waibel plädiert dafür, den Faktor Arbeit in das Punktesystem aufzunehmen – allerdings mit Ausnahmen, etwa für Alleinerzieherinnen. Für besondere Fälle benötige es sowieso Änderungen, fährt Waibel fort. “Es gibt Mütter mit Kindern, die frisch geschieden sind, aber nicht ausziehen können, weil sie in der Liste relativ weit unten sind.”

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Grünen-Mandatar Bernhard Weber kritisiert die ÖVP in allen Verantwortungspositionen: das zuständige Regierungsmitglied, den Gemeindeverband und die vielen Bürgermeister. VN/Hartinger

Laut Waibel ist die Wohnungsvergabe noch mit ganz anderen Herausforderungen verknüpft. Die Vorgabe, höchstens 75 Prozent der Wohnungen einer Anlage an Menschen mit Migrationshintergrund zu vergeben, könne längst nicht mehr eingehalten werden. Wird eine Wohnung frei, könne man sie nicht einfach leer stehen lassen, bis ein Österreicher kommt. “Da ist der Druck zu groß.”

Natürlich müsse mehr gebaut werden, ergänzt Bernhard Amann. In Hohenems seien zwar viele Wohnungen auf Schiene. “Aber in den vergangenen drei Jahren ist gar nichts passiert. Wir haben einen riesigen Stau.” Auch SPÖ-Klubobmann Mario Leiter und der grüne Wohnbausprecher Bernhard Weber fordern im Landtag eine Wohnbauoffensive. Schon sicher zum fünften Mal. Die Sendung wiederholt sich. Das Problem bleibt.

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SPÖ-Chef Mario Leiter fordert 2000 neue Wohnungen pro Jahr – 1000 davon gemeinnützig. VN/Hartinger
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