Kathrin Zierhut-Kunz will von ORF III an die Spitze des ORF

Ticker / 09.06.2026 • 11:01 Uhr
Kathrin Zierhut-Kunz will von ORF III an die Spitze des ORF

Kathrin Zierhut-Kunz will von der Tochtergesellschaft ins Mutterhaus. Die kaufmännische Geschäftsführerin von ORF III betätigt sich seit über 15 Jahren im öffentlich-rechtlichen Rundfunk, wobei sie primär mit Finanzen und Personal zu tun hatte. “Der ORF kann mehr, als er derzeit nach außen zeigt – und ich möchte dazu beitragen, dieses Potenzial sichtbar zu machen und erfolgreich weiterzuentwickeln”, hielt sie zu ihrer Bewerbung fest.

Die 57-jährige Wienerin studierte an der Wirtschaftsuniversität in Wien und arbeitete als Steuerberaterin in Wirtschaftsprüfungsunternehmen. Vor mehreren Jahrzehnten war sie auch als Bezirksrätin für die FPÖ im Einsatz. 2009 dockte sie dann beim ORF an, wo sie in der Kaufmännischen Direktion tätig war – insbesondere im Beteiligungsmanagement für die Tochtergesellschaften. Später arbeitete sie als Leiterin “Finanzen und Personal” in der ORF-Tochtergesellschaft “ORF-Marketing und Creation GmbH” und führte die ORF-Abteilung für Personalentwicklung (“Human Resources”). 2019 übernahm Zierhut-Kunz die Leitung der ORF-Hauptabteilung “Strategische Planung und Administration” und schaffte 2022 schließlich den Sprung an die Spitze von ORF III als kaufmännische Geschäftsführerin.

“Journalistische Qualität nachhaltig stärken”

Der ORF schaffe Orientierung, stifte Zusammenhalt. Er dürfe kein Selbstzweck und auch kein “politischer Verschiebebahnhof” sein, betonte sie. “Mein Ziel ist ein moderner, effizienter und glaubwürdiger ORF, der seinen öffentlich-rechtlichen Auftrag mit Qualität, Relevanz und Verantwortung erfüllt”, teilte Zierhut-Kunz zu ihrer Bewerbung für die ORF-Generaldirektion mit. Als Geschäftsführerin von ORF III kenne sie die Herausforderungen des Hauses. Mit ihrer Kandidatur verbinde sie den Anspruch, den ORF “strukturell weiterzuentwickeln und die journalistische Qualität nachhaltig zu stärken”.

Ihre Bewerbung kommt zu einer Zeit, in der ORF III mit Vorwürfen rund um fragliche Finanzierung mehrerer Dokus konfrontiert ist. Danach gefragt, ob sie dennoch glaube, die richtige Person für die ORF-Spitze zu sein, betonte sie, dass alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Sie räumte aber ein, dass man natürlich überlegen könne, bei Sendungskäufen künftig genauer hinzuschauen und besser offenzulegen, wie die Sendungen zustande kamen.

Sollte Zierhut-Kunz die Wahl am 11. Juni für sich entscheiden, dann würde sie das Publikum über das Programm zurückgewinnen wollen. “Dort entscheidet sich, ob wir relevant sind.” Sie merkte an, dass der ORF verschiedene Haltungen in der Bevölkerung zu kontroversiellen Themen wie der “Flüchtlingskrise oder Corona” besser abbilden hätte sollen.

Fokus auf Info und Kultur

Die von der Regierung gewälzten Sparpläne in Höhe von fast 100 Mio. Euro pro Jahr – zusätzlich zu einem bestehenden Sparpaket – werden auch einen “massiven Eingriff ins Programm” bedeuten, machte sie sich keine Illusionen. Es müsse daher künftig stärker fokussiert werden, etwa auf Kultur und Information, meinte sie. Dass der ORF weiterhin über eine Haushaltsabgabe finanziert werden sollte – und nicht aus dem Bundesbudget -, verneinte sie.

Die Compliance-Ordnung im ORF sei “mehr als renovierungsbedürftig”, befindet Zierhut-Kunz. Und auch bei der Gehaltsstruktur im ORF – Zierhut-Kunz ist wie ihr ORF-III-Co-Geschäftsführer Peter Schöber in der ORF-Gehaltstabelle in den Top Ten zu finden – ortet sie Handlungsbedarf. So müsse für mehr Leistungsanreiz und damit mehr variable Gehaltsbestandteile gesorgt werden. In Führungspositionen dürfe “nur noch Leistung zählen”, sagte sie.

Die Frage, ob es zwei hoch bezahlte Geschäftsführer bei ORF III brauche, beantwortete sie im Rahmen einer Diskussion mit “Nein”. Der ORF-Spartenkanal für Info und Kultur sei aber “wichtig für die Erfüllung des öffentlich-rechtlichen Auftrags”. Dort müsste ein Kulturcluster aufgebaut werden – nicht zuletzt aufgrund der “effizienten Produktionsmethoden” im ORF-Tochterunternehmen.