“Mr. Privat-TV” Breitenecker will einen “souveränen ORF”

Er ist einer der bekanntesten Medienmanager des Landes und galt lange Zeit als einer der eifrigsten Kämpfer für die Interessen des Privatsektors in der Medienbranche. Jetzt will Markus Breitenecker öffentlich-rechtliche Medienluft schnuppern – und zwar von der Spitze des Küniglbergs aus als ORF-Generaldirektor. Den ORF sieht er als “zentralen Hebel”, um die mediale Souveränität Österreichs in Zeiten von Big-Tech-Giganten zu behaupten.
Früher habe es ein Konkurrenzverhältnis zum ORF gegeben, räumte Breitenecker ein. Aber er sei vor rund zehn Jahren einer der Ersten gewesen, der aufgrund des massiven Drohpotenzials durch internationale Giganten auf Kooperation statt Konkurrenz gepocht habe. So steht auch in seinem Bewerbungskonzept, dass die “duale Medienordnung” in eine neue “kooperative Medienordnung” überführt werden müsse. Als langjähriger Geschäftsführer der Privatsendergruppe ProSiebenSat.1Puls4 trug er auch viel dazu bei, dass sich der Kooperationsgedanke am heimischen Medienstandort verbreitete – etwa durch Etablierung der Streamingplattform Joyn, auf der auch der ORF und ServusTV vertreten sind.
Ein echter Wiener
Breitenecker, geboren am 28. November 1968 in Wien, kann auf ein abgeschlossenes Studium der Rechtswissenschaften verweisen. Schon in den 90er-Jahren war er erstmals mit der Führung eines Fernsehsenders betraut: dem in Düsseldorf ansässigen Weather Channel. Dort hielt es ihn aber nicht lange, dockte er doch 1997 als Leiter für Vertrieb und Medienpolitik bei Kabel 1 in München an. Mit der Gründung von ProSieben Austria 1998 startete der heute 57-Jährige dort als Geschäftsführer durch. Unter ihm gesellten sich die Österreichsender Puls 4 (früher: Puls TV), ATV, ATV2 und Puls 24 zur ProSiebenSat.1 Group hinzu, die seit vielen Jahren nun schon ProSiebenSat.1Puls4 heißt. 2017 bewegte er sich ins Streaminggeschäft und gründete die Plattform Zappn, die mittlerweile in Joyn überführt wurde und von der Privatsendergruppe als Sammelbecken für mittlerweile 150 Live-Sender und 70 Mediatheken geführt wird.
2024 beendete Breitenecker seine Tätigkeit als ProSiebenSat.1Puls4-Geschäftsführer und wechselte nach Deutschland zum Mutterkonzern ProSiebenSat.1Media SE, wo er im Konzernvorstand als Chief Operating Officer (COO) u.a. für Streaming und die Digitalstrategie wie auch Österreich und die Schweiz zuständig war. 2025 ging er dort nach der Übernahme durch den italienischen Medienkonzern MFE der Familie Berlusconi, der das Topmanagement austauschte, wieder von Bord – in “bestem gegenseitigem Einvernehmen”, wie es hieß. In seiner Karriere wurde er zweimal vom Branchenmagazin “Österreichs Journalist:in” zum Medienmanager des Jahres gekürt: 2017 und 2013.
ORF als Motor des Medienmarktes
Nun will er das größte Medienhaus des Landes als “souveränen ORF” mit klarem Fokus auf den Public-Value-Auftrag, einer wirtschaftlich soliden Basis, einer guten Unternehmenskultur und einer technologischen Vorreiterrolle führen. Den ORF sieht er als Motor und Ermöglicher eines funktionierenden Medienmarkts, wobei Kooperation nicht Schwächung bedeute. Als größte Bedrohung bezeichnet er die Tatsache, dass der demokratische Diskurs zu Social Media abwandere. “Die Herzen und Hirne unserer Kinder werden dort abgesaugt und manipuliert”, meinte er im Rahmen einer Diskussion.
Einen Fokus will er auf die Streamingplattform ORF ON legen, die als Dreh- und Angelpunkt der Transformation des ORF hin zu einer Public-Service-Streamingplattform – inkl. Kommentar- und Interaktionsfunktion – fungieren soll. Auch eine organisatorisch bei der European Broadcasting Union (EBU) angesiedelte pan-europäische Streamingplattform will er vorantreiben.
Angesichts des auf dem ORF lastenden Spardrucks betonte er wiederholt, dass er es aus der Privatwirtschaft gewohnt sei, mit begrenzten Mitteln umzugehen. Dabei dürfe man nicht immer nur über das Sparen reden, sondern auch über neue Erlösquellen. Solche will er auch jenseits des heimischen Marktes verstärkt erschließen – mit aktiver Werbevermarktung, dem Ausbau der internationalen Distribution österreichischer Formate oder auch einer offensiveren Streamingpräsenz im Ausland.
Programmsäulen schützen
Im Programmbudget will Breitenecker keine größeren Kürzungen vornehmen (“Je näher beim Zuschauer, desto weniger sparen”) und bewährte Programmsäulen schützen. Als zusätzliche Säule soll “Wirtschaft und Bildung” aufgebaut werden. Die regionale Verankerung erachtet er als Alleinstellungsmerkmal, das es nicht zu missen gelte.
Auf eine Direktionsstruktur legt sich der Medienmanager in seinem Konzept nicht fest, sondern bietet mehrere Varianten an. Eine davon sieht die gegebene Struktur – Programm, Radio, Technik, Finanzen – vor. Eine andere weist eine Informationsdirektion statt der Radiodirektion auf und eine dritte eine COO/Digital-Direktion statt der Radiodirektion.