Einfach lächerlich
Herr Van der Bellen missachtet die Sperrstunde. Frau Bierlein wird mit 0,9 Promille hinterm Steuer erwischt. Hätten das „gewöhnliche“ Frauen und Männer getan, wären die Sätze die Farbe auf dem bedruckten Papier nicht wert. Aber Präsident und Ex-Kanzlerin machen solcherart Schlagzeilen. Als rätselte die ganze Republik in einem fort: „Jo derfens denn des?“
Die Online-Nachrichtendienste sind dankbar. Kaum eine Geschichte provoziert mehr Einträge ins Diskussionsforum als „die da oben“, die gegen die eigenen Regeln verstoßen. Wenn der Kanzler Urlaub in Österreich anmahnt, wird selbst die Koalitionspartnerin mit Urlaubsplänen in Slowenien zum Skandal.
Das alles unterstreicht eine merkwürdige Untertanenperspektive, die gewählte Mandatare beim geringsten Fehlverhalten der lustvollen Kreuzigung in den sozialen Medien anheimgibt. Aber wir diskutieren ja auch das Logo einer Brauerei in epischer Breite und zucken gleichzeitig nicht mit der Wimper, wenn Flüchtlingskinder in Griechenland vor die Hunde gehen. Wen wundert’s, wenn sich immer weniger fähige Zeitgenossen in den Dienst einer so selbstverliebten und grausamen Öffentlichkeit stellen.
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