Sechs Lawinen-Tote in Vorarlberg und Tirol

05.02.2022 • 07:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Sechs Lawinen-Tote in Vorarlberg und Tirol
APA/BARBARA GINDL

Lawinenabgänge im Westen Österreichs haben am Freitag sechs Menschen das Leben gekostet. An der tirolerisch-schweizerischen Grenze in Spiss (Bezirk Landeck) starben fünf Menschen, laut Medienberichten handelte es sich um eine Gruppe schwedischer Skitourengeher und einen einheimischen Bergführer. Im Vorarlberger Skigebiet Albona wurde ein Freerider von einem mächtigen Schneebrett verschüttet und starb.

Er gehörte zu einer vierköpfigen Gruppe – darunter auch ein staatlich geprüfter Snowboardführer -, die am Berg Knödelkopf vom Gipfel aus über freies Gelände in Richtung Albonabahn-Talstation abfuhr. Beim Start des zweiten Skifahrers löste sich ein Schneebrett und riss ihn mit. Es gelang ihm noch den Airbag seines Rucksackes auszulösen, ehe er komplett verschüttet wurde.

Alle vier Tourenfahrer waren mit Lawinenausrüstungen ausgestattet und versierte Freerider, berichtete die Polizei. So konnten sie den Verschütteten auch schon nach wenigen Minuten mittels Sonde in zwei Meter Tiefe orten und ihn ausgraben, bald darauf unter Mithilfe der mit dem Hubschrauber angeflogenen Rettungskräfte. Obwohl rund 20 Minuten nach dem Lawinenabgang mit Reanimationsmaßnahmen begonnen werden konnte, musste der Notarzt den Tod des 43-jährigen Skifahrers feststellen.

Beim dem Tiroler Lawinenabgang am frühen Nachmittag überlebte nur ein Mitglied einer sechsköpfigen Skitourengehergruppe. Er wurde ins Krankenhaus in die Schweiz geflogen, hieß es von der Polizei zur APA. Wie der ORF Tirol am Abend berichtete, dürften die Sportler die Lawine selbst ausgelöst haben. Der überlebende Schwede soll über eine schwedische WhatsApp-Gruppe Alarm geschlagen haben. Über diese Gruppe soll wiederum ein weiterer Schwede in Spiss kontaktiert worden sein, der wegen einer leichten Verletzung nicht mitgegangen war. Eine offizielle Bestätigung der Polizei gegenüber der APA war noch ausständig.

Zum Einsatzort in Spiss auf über 2.000 Metern Seehöhe flogen zwei Schweizer Hubschrauber, ein österreichischer Notarzthubschrauber sowie ein Polizeihubschrauber. Das Schneebrett ging bei der Fließer Stieralpe ab und damit im freien Gelände. Die Suche durch die Einsatzkräfte war am Abend abgeschlossen.

Ein weiteres größeres Lawinenunglück ereignete sich am Freitag am Rettenbachferner in Sölden im Tiroler Ötztal. Insgesamt sieben Wintersportler, die zwischen 23 und 33 Jahre alt und aus Dänemark, Deutschland und Schweden stammen, fuhren am Gaislachkogel vom sogenannten Roten-Karle in Richtung Rettenbachtal ab und lösten die Schneebrettlawine aus. Fünf Personen gerieten unter die Schneemassen – zum Teil konnten sie noch ihre Lawinenairbags auslösen und wurden nicht zur Gänze verschüttet. Eine Person wurde aber komplett vom Schnee begraben. Alle konnten jedoch ausgegraben werden und wurden anschließend in die Klinik nach Murnau in Bayern, in das Krankenhaus Zams, in die Sportklinik in Sölden sowie zu einem Arzt gebracht.

Das Schneebrett verschüttete aber auch eine darunter liegende Piste des Skigebietes auf einer Breite von rund 100 Metern sowie mehrere Meter hoch. Der gesamte Lawinenkegel wurde mehrmals von den Einsatzkräften nach weiteren Skifahrern abgesucht, es gab aber keinen Hinweis für weitere Verletzte.

In Tirol war es seit Donnerstag zu ungewöhnlich vielen Lawinenabgängen gekommen. In den vergangenen 48 Stunden zählte die Leitstelle über 50 Lawinenunfälle, bei denen größtenteils keine Personen zu Schaden gekommen waren. Nach den heftigen Niederschlägen der vergangenen Tage herrschte am Freitag im Bundesland Stufe 3 der fünfteiligen Lawinengefahren-Skala. Bei dieser Stufe passieren gewöhnlich die meisten Lawinenunfälle.

Der Leiter des Tiroler Lawinenwarndienstes, Rudi Mair, zeigte sich angesichts der zahlreichen Lawinenunfälle im Bundesland am Freitag, von denen jener in Spiss besonders tragisch endete, “wütend und enttäuscht”. Man könne nicht mehr tun, als ständig zu appellieren, bei solchen Verhältnissen und bei wenig Erfahrung auf Skitouren zu verzichten. Im APA-Gespräch mahnte Mair die Wintersportler vor allem, sich nicht nur die Gefahrenstufe anzuschauen. Sie müssten stattdessen auch das “Kleingedruckte” komplett lesen, also den gesamten Text des Lawinenwarndienstes, der eine “Informationspyramide” darstelle.

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