820 Tote bei Beben in Marokko – Keine Österreicher verletzt

Marrakesch Bei einem schweren Erdbeben in Marokko sind am späten Freitagabend (Ortszeit) 820 Menschen ums Leben gekommen. Das marokkanische Innenministerium sprach Samstagmittag von mindestens 672 Verletzten. Die größten Schäden entstanden außerhalb der Städte. Österreicherinnen und Österreicher seien bisher nicht verletzt worden, teilte das Außenministerium auf APA-Anfrage mit. Aktuell seien jedoch rund 30 Personen reiseregistriert, hieß es.
Ein Mitarbeiter der österreichischen Botschaft in Rabat sei bereits auf dem Weg in das besonders betroffene Krisengebiet Marrakesch, hieß es. Laut Ministerium befinden sich aktuell rund 215 Auslandsösterreicherinnen und Auslandsösterreicher in Marokko. “Sie wurden noch in der Nacht per SMS und Email kontaktiert und werden aktuell von der Botschaft durchgerufen”, sagte eine Sprecherin. In diesem Zusammenhang verwies das Ministerium auch auf den Bereitschaftsdienst (+43 90115 4411), der rund um die Uhr erreichbar sei.
Das österreichische Rote Kreuz rief am Samstag zu Spenden für die Erdbebenregion auf. “Verletzte und Menschen, die alles verloren haben, brauchen jetzt rasch Hilfe”, appellierte Präsident Gerald Schöpfer. Der Marokkanische Roter Halbmond unterstütze bereits mit Erster Hilfe, Psychosozialer Unterstützung und mit Evakuierungs- und Transportunterstützung, hieß es in einer Aussendung.
Bilder und Videos aus sozialen Netzwerken zeigten zerstörte Gebäude in Städten und auf den Straßen sitzende Menschen. Medienberichten zufolge wurden auch historische Wahrzeichen beschädigt. Die US-Erdbebenwarte USGS teilte mit, das Beben habe eine Stärke von 6,8 gehabt und sich in einer Tiefe von 18,5 Kilometern gut 70 Kilometer südwestlich von Marrakesch und 60 Kilometer nordöstlich der Stadt Taroudant ereignet. Das Epizentrum habe im Atlasgebirge gelegen. Das Geofon des Helmholtz-Zentrums Potsdam gab die Stärke des Bebens mit 6,9 an. Kurze Zeit später meldete die US-Behörde ein Nachbeben der Stärke 4,9.
Laut Augenzeugenberichten löste das Erdbeben in Marrakesch, Agadir und anderen Städten bei Bewohnern Panik aus. Wie die Zeitung “Le Matin” berichtete, war das Beben auch in Rabat und Casablanca zu spüren. Marokkaner posteten Videos, auf denen zu Schutt zerfallene Gebäude und beschädigte Teile der berühmten roten Mauern zu sehen sind, die die Altstadt von Marrakesch umgeben, ein Unesco-Weltkulturerbe. Andere Videos zeigen schreiende Menschen, die Restaurants in der Stadt verließen.
Nasser Jabour, Leiter einer Abteilung des Nationalen Instituts für Geophysik, bestätigte, dass die Nachbeben weniger stark seien. Das Beben sei in einem Umkreis von 400 Kilometern zu spüren gewesen, sagte er der marokkanischen Nachrichtenagentur MAP. Es sei das erste Mal seit einem Jahrhundert, dass ein derart starkes Erdbeben in Marokko registriert worden sei. Erdbeben in Nordafrika sind relativ selten. 1960 hatte sich laut dem Sender Al Arabiya in der Nähe von Agadir ein Beben der Stärke 5,8 ereignet, bei dem Tausende Menschen ums Leben kamen.
Zu spüren war das Beben auch im südlichen Spanien, in Portugal sowie in Algerien. Bei der Notrufzentrale in der spanischen Region Andalusien gingen kurz nach Mitternacht mehr als 20 Anrufe besorgter Bürger aus den Regionen um Huelva, Sevilla, Jaén, Málaga, Marbella und Córdoba ein, wie die Organisation auf Twitter (X) schrieb. Über Schäden oder gar Opfer sei jedoch nichts bekannt geworden. Auch die Behörden im südportugiesischen Faro, im Raum Lissabon und Setúbal hätten ähnlich berichtet, schrieb die staatliche portugiesischen Nachrichtenagentur Lusa.
Hilfsbekundungen kamen indessen auch von der Europäischen Union (EU). “Die EU ist bereit, Marokko in diesen schwierigen Momenten zu unterstützen”, schrieb EU-Ratspräsident Charles Michel am Samstagmorgen via Twitter (X). EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen äußerte ebenso ihr Mitgefühl. Sie sei angesichts des schrecklichen Erdbebens mit ganzem Herzen beim marokkanischen Volk, teilte die deutsche Spitzenpolitikerin mit. Auch UNO-Generalsekretär António Guterres zeigte sich bestürzt. Der Generalsekretär sei “tief traurig”, teilte ein Sprecher am Samstag mit. Er spreche der Regierung und dem Volk Marokkos seine Solidarität in diesen schweren Zeiten und den Familien der Opfer sein Beileid aus. Den Verletzten wünsche Guterres eine rasche Genesung. Die Vereinten Nationen stünden bereit, die Regierung Marokkos in ihren Bemühungen zu unterstützen, der betroffenen Bevölkerung zu helfen.
Mehrere Länder sicherten Marokko am Samstag Unterstützung zu – darunter auch Österreich. Das Außenministerium drückte am Samstag in einem Statement seine Betroffenheit über das Beben aus. “In diesen schweren Stunden sind unsere Gedanken bei den Betroffenen, ihren Familien und den Rettungskräften.” Ähnlich äußerte sich Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) auf Twitter (X). Es seien “schreckliche Bilder aus Marokko”, die nun durch die Welt gingen, schrieb Nehammer auf dem Kurznachrichtendienst. Die Bundesregierung sei “selbstverständlich bereit, Marokko bestmöglich zu unterstützen”, wurde mitgeteilt. Hilfsersuchen sei jedoch noch keines eingelangt. Man sei diesbezüglich in Abstimmung mit den Partnernationen in der EU. Die für Sonntag bis Dienstag geplante Reise von Wirtschaftsminister Martin Kocher (ÖVP) wird zudem verschoben.
Die italienische Premierministerin Giorgia Meloni brachte am Samstag”ihre Verbundenheit und Solidarität mit Marokkos Premierminister Aziz Akhannouch, den Familien der Opfer und dem marokkanischen Volk zum Ausdruck und bekundete die volle Bereitschaft Italiens, Marokko in dieser Notlage zu unterstützen”. Das deutsche Technische Hilfswerk (THW) bereitete sich am Samstag ebenfalls darauf vor, möglicherweise in dem Katastrophengebiet Hilfe zu leisten. Die Lage werde beobachtet, sagte ein Sprecher. Auch die für Entwicklungsarbeit und äußere Angelegenheiten zuständigen deutschen Ministerinnen Svenja Schulze (SPD) sowie Annalena Baerbock (Grüne) zeigten sich betroffen.
Auch die Schweiz reagierte bereits. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) aktivierte in der Nacht auf Samstag den Krisenstab. Ein Hilfsangebot an das Land werde geprüft, hieß es. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan drückte nach dem schweren Erdbeben in Marokko ebenfalls sein Mitgefühl aus. “Wir stehen unseren marokkanischen Geschwistern an diesem schweren Tag mit allen Mitteln zur Seite”, schrieb Erdogan am Samstag auf Twitter (X). Die Türkei war erst Anfang Februar von schweren Erdbeben im Süden des Landes getroffen worden – mehr als 50. 000 Menschen kamen dabei ums Leben.