Hoffnung durch Stammzellenspende: “Das Leben ist schön!”

Weltblutkrebstag am 28. Mai. Appell zu mehr Typisierungen für Leukämiekranke.
Hard „Das Leben ist schön““ Sandra (48) sagt es mit Tränen in den Augen. Noch immer kochen die Emotionen bei der zweifachen Mutter aus Bregenz hoch, wenn sie ihre Geschichte erzählt, die dank eines Stammzellspenders aus Köln ein glückliches Ende fand. Sandra erkrankte im Oktober 2021 an einer akuten myeloischen Leukämie (AML), also Blutkrebs. Trotz der dramatischen Diagnose verlor sie nie die Hoffnung. „Du musst es schaffen“, wurde zu ihrem Daseinsmotto. Auf der anderen Seite steht Tiaré Brauchle (35) aus Wolfurt. Sie ließ sich typisieren und spendete ihre gesunden Stammzellen unlängst einem Mann in Nordamerika. „Ich bin glücklich und stolz, dass ich die Person sein darf, die ihm das Weiterleben ermöglichen konnte“, sagt Tiaré.
25.000 Typisierungen als Ziel
Derlei ermunternde Worte hört Susanne Marosch (50) gerne, sind sie doch dazu angetan, andere Menschen zur Typisierung zu motivieren. Sie werden gebraucht, denn aufgrund der Altersbeschränkung von 45 Jahren fallen stetig Spender aus der Datei. Den Weltblutkrebstag am 28. Mai nimmt die Obfrau des Vereins „Geben für Leben – Leukämiehilfe Österreich“ deshalb zum Anlass, die Typisierung in Erinnerung zu rufen. Das hehre Ziel sind 25.000 Typisierungen jährlich. „Wir sind auf gutem Weg, aber es gibt noch Luft nach oben“, bemerkt Marosch. In Österreich sind aktuell etwa 3,2 Prozent der Gesamtbevölkerung typisiert, wenig etwa im Vergleich zu Deutschland, wo die Rate 12,2 Prozent beträgt. Dafür ist die Spenderdatei ergiebig. 2024 konnten immerhin 178 Personen aus Österreich als genetische Zwillinge einem Leukämiekranken helfen. In den 25 Jahren seines Bestehens führte der Verein über 175.000 Typisierungen durch, und mehr als 530 Stammzellspenderinnen und –spender schenkten Hoffnung auf Überleben.
Ein Geburtstagsgeschenk
Im Schnitt erkranken pro Tag drei Menschen an Leukämie. „Oft kann nur die Transplantation gesunder Stammzellen ihnen das Leben retten“, erklärt Susanne Marosch. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Gene zweier Personen kompatibel sind, liegt bei 1:500.000. Sandra fand ihren genetischen Zwilling. „Es waren sogar mehrere Spender, die infrage kamen“, erzählt sie. Genommen wurden die Stammzellen, die am besten passten. Einen Tag vor ihrem Geburtstag erfolgte die Transplantation in Innsbruck. „Ich konnte es kaum glauben“, resümiert Sandra. Dankbar ist nicht nur ihrem Spender, sondern allen, die zu ihrer Rettung beigetragen haben: „Es waren immer alle für mich da.“ Nach ihrer Genesung engagierte sie sich bei „Geben für Leben“. Das half ihr, doch irgendwann fühlte sie sich zu nahe dran am Thema. „Die Beschäftigung damit wühlte mich immer wieder auf“, offenbart Sandra ihre Gefühle. Inzwischen arbeitet sie in einem Büro. Sie hat sich vorgenommen, positiv zu bleiben, das Ziel auf dem schweren Weg der Genesung zu sehen: die Heilung.

Tiaré Brauchle bestellte sich ein Typisierungsset nach Hause. „Bei den Aktionen waren mir immer zu viele Leute“, erklärt sie lächelnd. Zudem schwappte gerade Corona über das Land. Ihr Fazit: „Ich kann nur jedem empfehlen, sich typisieren zu lassen. Gibt es etwas Schöneres, als das Wissen, einem anderen Menschen die Chance zu geben, weiterzuleben?“ Tiaré hat von diesem großen Glück gekostet. Beide Frauen möchten Empfänger und Spender kennenlernen, sobald die Sperrfristen ausgelaufen sind. Sandra: „Das wäre mir sehr wichtig, denn irgendwann möchte man Danke sagen.“

Typisierungsaktion beim Kinderlauf
Vielen kann mit einer Blutspende geholfen werden, es bleiben aber 10 Prozent, bei denen das nicht gelingt. Umso wichtiger ist für Susanne Marosch, dass sich mehr Leute typisieren lassen. „Österreich braucht dringend mehr Stammzellspenderinnen und –spender“, lautet ihr Appell. Die nächste Möglichkeit dazu gibt es bereits am, Samstag, 25. Mai, beim 1. Schwarzacher Kinderlauf von 14 bis 17 Uhr auf dem Sportplatz. Kinder bis 10 Jahren drehen ihre Runden, die von Sponsoren bezahlt werden. Mit dem Kinderlauf wird Geld gesammelt, um leukämiekranken Kindern zu helfen, einen Stammzellenspender zu finden. Die Sponsorenliste ist schon ganz schön lang.
Geben für Leben Spendenkonto: Sparkasse Bludenz Bank AG; IBAN: AT39 2060 7001 0006 4898