Als die Handschellen klickten: “Hilfe, die bringen mich um!”

27.06.2024 • 11:23 Uhr
Verhandlung 27.06.2024
Der Erstangeklagte und auch die Zweitbeschuldigte zeigten sich vor Gericht sehr reumütig. Swozilek

Ein Mann und eine Frau wurden während eines Beziehungsstreites von der Polizei verhaftet – und kehrten ihre Aggression gegen die Beamten.

von Hannah Swozilek

Feldkirch Es war im April dieses Jahres, als ein Beziehungsstreit zwischen einem Mann und seiner Lebensgefährtin eskalieren sollte. Und das blutig.

Es geschah in der Wohnung des Paares, das mittlerweile getrennt lebt. Einmal noch aber sollten die Beiden wieder vereint sein: Als Beschuldigte am Landesgericht Feldkirch, angeklagt wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt. Im Verhandlungssaal wird das Geschehen von damals resümiert.

“Blut im ganzen Mund”

Erstangeklagter ist der 28-jährige Mann, der bereits ein Anti-Aggressionstraining absolviert hat. Er war damals gerade von der Arbeit nach Hause gekommen. Wieder einmal hatte er sich mit seiner 21-jährigen Lebensgefährtin verkracht und begann, die Frau während der Auseinandersetzung zu filmen. Seine Ex-Freundin gibt als Zweitangeklagte vor Gericht an, dass er das öfters gemacht habe, um sie zu provozieren. Sie riss ihm daraufhin das Handy aus der Hand und schlug es ihm ins Gesicht. Er sagt, er habe danach “Blut im ganzen Mund” gehabt.

In schlechter psychischer Verfassung

Der 28-Jährige rief daraufhin die Polizei an. Die Beamten versuchten nach ihrem Eintreffen in der Wohnung, die Beiden festzunehmen. Die 21-Jährige war zu diesem Zeitpunkt offenbar in schlechter psychischer Verfassung, wie auch ein entsprechendes Gutachten bestätigt. Sie habe “Hilfe, die bringen mich um!” geschrien. Der Erstangeklagte habe ihr gegen die Polizei beigestanden. Weil er sie eben gerne mochte und ihr helfen wollte.

Die Frau krallte damals ihre Fingernägel in den Arm eines Polizisten und schlug in Richtung der Beamten. Auch ihr Lebensgefährte begann, gegen einen der Gesetzeshüter zu stoßen.

Die Beamten blieben bei dem Vorfall unverletzt. Die Zweitangeklagte hatte sich bereits persönlich auf der Wache bei den Polizisten entschuldigt. Auch dem Hauptangeklagten tun beide Vorfälle vor Gericht sichtlich leid. Während er über sein bereits bewältigtes Anti-Aggressionstraining spricht, bricht er in Tränen aus.

Eine letzte Chance

Richterin Lisa Pfeifer verurteilt beide im Sinne der Anklage (Widerstand gegen die Staatsgewalt und Körperverletzung) zu unbedingten Geldstrafen. Er zu 6000 Euro, sie zu 2400. Der Erstangeklagte wird auch zu einer zwölfmonatigen Haftstrafe verurteilt, allerdings bedingt auf eine Bewährungszeit von drei Jahren. Der Zweitangeklagten kommt ihre damals stark vermindert gewesene Zurechnungsfähigkeit als wesentlicher Milderungsgrund zugute. Sie muss auf Geheiß des Gerichtes 50 Euro Schmerzensgeld an ihren Expartner zahlen (er selbst wollte eigentlich 200 Euro). Für den Mann wird zudem weiterhin Bewährungshilfe und ein zweites Anti-Aggressionstraining angeordnet.