Fein gezeichnete Leidenschaft

06.06.2025 • 15:04 Uhr
Die Pforte
Die Pforte verführte mit ihrem vierten Konzert das Publikum musikalisch nach Frankreich. andreas marte

Konzert N°4 der „Pforte“ mit Werken von Mélanie Bonis und César Franck.

Feldkirch Mit dem Programm „Es ward die Flamm uns in die Hände gegeben: Wie Leidenschaft erwacht“ setzte die Konzertreihe „Pforte“ im Feldkircher Pförtnerhaus erneut einen durchdachten kammermusikalischen Akzent. Drei Werke französischer Provenienz standen im Zentrum des Abends, ausgeführt vom Ensemble Louise Farrenc – Marina Grauman und Raul Campos an den Violinen, Klaus Christa an der Viola, Mathias Johansen am Violoncello sowie Katya Apekisheva am Klavier. Das Zusammenspiel war geschlossen, das Musizieren aufmerksam, sensibel und klanglich ausgewogen.

Die Pforte
Der Höhepunkt des Abends war César Francks monumentales Klavierquintett in f-Moll. andreas marte

Zum Auftakt erklang Mélanie Bonis’ Nocturne op. 16 – ein kurzes Nachtstück von zarter Farbigkeit, das in seinem zurückgenommenen Gestus und der melodischen Schlichtheit unmittelbar überzeugte. Die Musikerinnen und Musiker fanden rasch zu einer intimen Klangsprache, die das Stück nicht überhöhte, sondern dessen feine Linien und ruhige Atembögen klar zur Geltung brachte. Es war ein stiller, aber stimmungsvoller Beginn.

Die Pforte


Mit Bonis’ Klavierquartett Nr. 2 in D-Dur, op. 124 folgte ein deutlich umfangreicheres Werk. Die Komponistin zeigt sich hier als Formbewusste mit Sinn für motivische Arbeit und klangliche Dichte. Das Ensemble gestaltete den ersten Satz mit Ruhe und Struktur, das Klavier eröffnete weit, die Streicher antworteten mit gestaffeltem Einsatz. Im zweiten Satz wurde der Ton leichter, das Allegretto wirkte tänzerisch, ohne dabei an Tiefe zu verlieren. Besonders eindrucksvoll geriet der langsame dritte Satz: Die weit gespannte Melodie entfaltete sich mit feiner Zurückhaltung, ohne in Sentimentalität abzugleiten. Im abschließenden Allegro schließlich überzeugte das Ensemble mit rhythmischer Präzision und klarer formaler Orientierung. Bonis’ Musik, die lange zu Unrecht im Hintergrund blieb, erhielt an diesem Abend eine klanglich würdige und engagierte Ausführung.

Die Pforte

Nach der Pause betrat man klanglich dramatisch anderes Terrain: César Francks monumentales Klavierquintett in f-Moll ließ die Glut der Romantik in voller Heftigkeit auflodern. Schon der erste Satz schlug mit Wucht ein: pochende Klavierakkorde, dramatisch aufgeladene Themen, eine dichte, fast symphonische Klangarchitektur. Katya Apekisheva führte mit rhythmischer Energie und nuancierter Klangmacht durch das Werk – stets präsent, aber nie dominierend. Marina Grauman fügte sich nahtlos in den Klangkörper ein, das gesamte Ensemble agierte als atmender Organismus, der die dramatische Struktur des Werks mit fesselnder Klarheit freilegte. Der zweite Satz war ein Nachtstück von fast schmerzhafter Innigkeit, das letzte Allegro dann ein fiebriger Ritt durch leidenschaftliche Themen, Wiederaufnahmen und klangliche Eskalationen.
Wie heftig die Reaktionen auf das Werk einst ausfielen, zeigte niemand deutlicher als Camille Saint-Saëns, dem die Komposition gewidmet war und der sie bei ihrer Uraufführung selbst am Klavier präsentierte. Noch während der letzte Ton nachhallte, verließ er die Bühne – ohne Verbeugung, ohne ein Wort, ließ seine Noten, das persönliche Widmungsexemplar, einfach auf dem Pult zurück: ein beredtes, unmissverständliches Zeichen der Ablehnung.

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Ganz anders an diesem Abend. Klaus Christa versicherte dem Publikum bereits vor dem Konzert augenzwinkernd, dass sich die heutige Pianistin wohl kaum zu einem derart drastischen Abgang hinreißen lassen werde – im Gegenteil: „Ich bin überzeugt, auch Sie werden dieses außergewöhnliche Werk nicht so schnell vergessen.“ Und tatsächlich riss es das Publikum förmlich von den Sitzen und sprang für Standing Ovations auf. Wer diesen konzentrierten und in jeder Hinsicht sorgfältig musizierten Abend erleben möchte, hat dazu am Samstag um 17 Uhr im Frauenmuseum Hittisau Gelegenheit.