“Das sind unsere Sommerpraktikanten” – die Ziegen von Matthias zeigen dem Bauhof, wie man richtig mäht

Altach setzt bei der Landschaftspflege auf Vierbeiner. Götzis möchte dieses Modell nun auch übernehmen.
Darum geht’s:
- Ziegen pflegen steile, unzugängliche Böschungen effektiv.
- Götzis plant ein ähnliches ökologisches Weideprojekt.
- Interesse von Tierhaltern wird ausdrücklich begrüßt.
Altach, Götzis Am Prühlgraben in Altach bleibt Matthias Marte kurz stehen und zählt. Zwölf Mutterziegen, ein Bock, Jungtiere. Alle da. Die Tiere grasen dort, wo früher der Bauhof mühsam mit der Motorsense unterwegs war. “Das sind unsere Sommerpraktikanten”, sagt Marte und lacht. Seit 2019 pflegt er mit seinen Ziegen den renaturierten Graben. Steile Böschungen, nasser Untergrund, schwer zugänglich – für Maschinen ein Problem, für Ziegen Alltag. Was in Altach funktioniert, will nun auch die Marktgemeinde Götzis ausprobieren.
“Es geht um eine schonende, ökologische Pflege”, heißt es aus dem Gemeindeamt. Geplant ist, ausgewählte Flächen zu definieren, die sich für eine zeitlich begrenzte Beweidung eignen. Dort sollen Schafe und Ziegen das übernehmen, was maschinell oft schwer ist: Böschungen offenhalten, unerwünschten Aufwuchs zurückdrängen und gleichzeitig Lebensräume erhalten. Gerade Ziegen gelten als trittsicher, genügsam – und wenig wählerisch beim Futter.

Begonnen hat alles mit einer Anfrage der Gemeinde. “Ob wir das nicht einmal probieren wollen”, erinnert sich Marte. Der Prühlgraben war frisch renaturiert, die Pflege aufwendig. Sechs Ziegen zogen ein. Heute sind es deutlich mehr. Ganz ohne Arbeit geht es nicht, sagt der Landwirt.” Aber der Aufwand ist viel geringer als früher.”
Ziegen seien trittsicher, neugierig – und eigenwillig. Sie gehen ins Wasser, holen sich Pflanzen, die sonst niemand erreicht. “Man darf sie nicht unterschätzen”, sagt Marte. “Wenn der Zaun nicht passt, sind sie weg.” Kontrolle gehört zum Alltag und zwar jeden Tag. Trotzdem überwiegen für ihn die Vorteile. Die Tiere haben Futter, Abwechslung, Platz. Die Gemeinde spart Arbeit. Und der Graben bleibt offen, ohne schwere Maschinen. “Für die Ziegen ist das kein Job, das ist Hobby”, sagt Matthias Marte.

Gemeinde Götzis sucht nun auch Ziegen und Schafe
Genau dieses Modell will Götzis nun aufgreifen. Entlang von Bächen und Gräben sollen Schafe und Ziegen künftig dort grasen, wo Maschinen an ihre Grenzen stoßen. Gesucht werden Tierhalterinnen und Tierhalter, die ihre Tiere zeitweise zur Verfügung stellen. Die Gemeinde stellt Flächen bereit, eine Entschädigung für die Pflege ist vorgesehen. Betreuung und Verantwortung bleiben bei den Haltern.
Marte rät zu genauer Planung. Vor allem der Standort sei entscheidend. “Zwischen Häusern kann das schnell schwierig werden.” Gleichzeitig erlebe er viel positives Echo. Kinder bleiben stehen, Menschen kommen ins Gespräch. “Das macht etwas mit der Landschaft – und mit den Leuten.”
Ein guter Charakter und wenig Romantik
Eigensinnig seien sie, verspielt und nicht immer berechenbar. “Sie machen schon oft, was sie wollen”, sagt Marte. Genau das sei auch Teil ihres Wesens.
Romantik allein sei das Ganze aber nicht. Ein Tier bedeute Verantwortung. Unterstände, Zäune, Transport, tägliche Kontrolle – all das brauche Zeit. Die Gemeinde habe ihn beim Start unterstützt, vieles liege aber beim Landwirt selbst. “Das muss man wissen, bevor man anfängt.”

Für Götzis könnte genau das Teil des Konzepts werden: ökologische Pflege, regionale Zusammenarbeit – und Landschaftspflege, die sichtbar lebt.
Interessierte Tierhalterinnen und Tierhalter können sich im Gemeindeamt Götzis bei Ramona Burtscher melden. Email an: ramona.burtscher@goetzis.at, Tel. 05 523 5986 253). Ob einzelne Tiere oder größere Herden, jede Rückmeldung ist willkommen.