Mut zum Leben: Trotz schwerer Krankheit lässt sich Paul nicht unterkriegen

Paul Wechselberger (24) lebt mit einer unheilbaren Muskelkrankheit, die seine Bewegungsfähigkeit stark einschränkt. Inzwischen kann er nur noch seine Finger bewegen.
Bregenz Paul Wechselberger (24) lernte als Kind spät laufen. Seine Mutter Doris suchte deswegen einen Arzt auf. Die Untersuchungen ergaben, dass ihr Sohn an fortschreitendem Muskelschwund leidet. Doch damit nicht genug. Es stellte sich heraus, dass Max, ihr Erstgeborener, ebenfalls an der vererbbaren Krankheit Muskeldystrophie Duchenne leidet. “Die Diagnose war ein Schock für mich. Ich selbst habe nicht gewusst, dass ich das Gen habe. Die Chancen stehen 50:50, dass dein Kind krank ist, wenn du Trägerin bist.” Für die Mutter brach eine Welt zusammen. “Ich musste mich von der Vorstellung, zwei gesunde Kinder zu haben, verabschieden. Das setzte einen Trauerprozess in Gang.”
Die Krankheit der Söhne machte sich schon in deren Kindheit bemerkbar. “Ich bin öfters hingefallen. Auch das Stiegenlaufen fiel mir schwer”, erzählt Paul. Mit elf Jahren brach sich der Bub bei einem Sturz ein Bein. “Von da weg war ich auf einen Rollstuhl angewiesen.” Fünf Wochen glühte er vor Wut. “Ich konnte es zunächst nicht akzeptieren, dass ich einen Rollstuhl brauche.” Aber Paul kam dann zu der Einsicht, dass es ihm schadete, dagegen anzukämpfen. “Ich merkte, dass es mir besser ging, wenn ich mich nicht ärgerte.”

Je älter er wurde, desto mehr schritt die Krankheit voran. “Ich hatte jetzt auch in den Armen keine Kraft mehr.” Sein Rücken krümmte sich. “Ich konnte nicht mehr gerade sitzen.” Heute kann der junge Bregenzer nur noch seine Finger bewegen. Mit diesen steuert er den Joystick für den Rollstuhl. Die PC-Maus und die Tastatur kann er auch noch selbst bedienen.
Der 24-Jährige ist rund um die Uhr auf Hilfe angewiesen. “In der Nacht muss man mich umlagern. Da werde ich auch beatmet.” Auch das Essen muss ihm eingegeben werden. Obwohl ihn sein Körper zunehmend im Stich lässt, ist Paul in guter psychischer Verfassung. “Eigentlich geht es mir recht gut.” Sein Alltag ist keineswegs freudlos. Die Spiele des FC Barcelona zum Beispiel sind für den Barcelona-Fan ein Highlight. “Kürzlich haben wir gegen Real Madrid gewonnen.” Für dieses Jahr hat Paul sich ein Ziel gesetzt. “Ich möchte mit meinem Vater zu einem Match nach Barcelona fahren.” Auch die Musik versüßt ihm das Leben. Besonders angetan hat es ihm Bon Iver, eine amerikanische Indie-Folk-Band.

Fad wird Paul nicht. Denn seit zwei Jahren belegt er ein Fernstudium in “Journalismus und digitale Kommunikation”. Seit drei Jahren betreibt er auch mit Enthusiasmus einen Blog. “Ich schreibe über mein Leben und möchte zeigen, dass man auch mit dieser Muskelerkrankung ein gutes Leben haben kann.” Unbeirrbar geht Paul, der im Gymnasium immer ein sehr guter Schüler war und die Matura bravourös bestand, seinen Weg. Ein Vorbild für ihn ist sein großer Bruder Max, der ebenfalls entschlossen seinen Weg geht – trotz invasiver Beatmung und nötiger Intensivpflege. “Max macht bald seinen Master in Informatik. Außerdem betreibt er einen Rezepte-Blog. Er denkt sich Rezepte aus und lässt diese von seinen Assistentinnen nachkochen”, verrät seine Mutter nicht ohne Stolz.

Wenn es Not tut, ist Doris eine richtige Löwenmama. Als ihr Sohn Paul vor sieben Jahren wegen eines Infektes auf die Intensivstation verlegt werden musste, blieb sie auch nachts an seiner Seite. 12 Tage stand nicht fest, ob Paul überlebt.
Link zum Blog von Paul Wechselberger:
Hier der Link zu Pauls Blog: https://www.erwartenichts-abermachdasbestedaraus.at/
Sozial engagierte Menschen, die sich vorstellen können, Paul als Persönliche AssistentInnen bei alltäglichen Dingen zur Seite zu stehen, bitte gerne melden. Auch Personen, die nur hin und wieder aushelfen können, sind willkommen. Kontakt: Doris Bock-Wechselberger, Tel. 0650/5974793.