Angst wächst sich nicht aus

29.01.2026 • 13:09 Uhr
Vortrag
Der Vortragssaal bei Russmedia war bis auf den letzten Platz besetzt. VN

Bei Kindern kann sie Schrittmacher für weitere psychische Erkrankungen sein.

Schwarzach Da wächst sich nichts aus, im Gegenteil. Ängste im Kindes- und Jugendalter können Schrittmacher für weitere psychische Erkrankungen sein. Darauf machte Professorin Tina In-Albon von der Universität Mannheim bei ihrem Vortrag aus der Reihe „Wertvolle Kinder“ des Vorarlberger Kinderdorfs aufmerksam. Rund 130 Besucher füllten den Veranstaltungsraum bei Russmedia in Schwarzach bis auf den letzten Platz. Die Direktorin des Instituts für Kinder- und Jugendpsychotherapie betonte aber auch, dass es wichtig sei, keine Angst vor der Angst zu haben, sondern sich ihr zu stellen. Eine Therapie erfordere jedoch Zeit und stetiges Üben.

Gesund und krankhaft

Mit einer Prävalenz von rund 10 Prozent zählen Ängste im Kindes- und Jugendalter zu den häufigsten psychischen Störungen. „Ängste sind stille Störungen“, verdeutlichte Tina In-Albon. Betroffene fallen nicht auf, sind angepasst, leiden für sich allein und kommen deshalb oft spät in eine Behandlung. Doch Angst ist nicht gleich Angst. „In verschiedenen Entwicklungsphasen treten verschiedene Ängste auf“, erklärte die Expertin und nannte als Beispiele das Fremdeln im Babyalter und die Angst vor dem Monster unter dem Bett im Kleinkindalter. Meistens sind diese Ängste zeitlich begrenzt und nicht allzu ausgeprägt. In-Albon stellte ebenfalls klar: „Angst ist nicht nur schlecht, sie hilft auch, Risiken zu erkennen und darauf zu reagieren.“ Allerdings müsse zwischen gesunder und krankhafter Angst unterschieden werden. Eine gesunde Angst tritt demnach nur zweitweise auf und zeigt sich etwa bei echter Gefahr. Problematisch wird es, wenn die Angst lange anhält, ohne objektive Bedrohung auftritt und den Alltag beeinträchtigt. In solchen Fällen treten zudem häufig körperliche Symptome wie Kopf- oder Bauchschmerzen auf.

Vortrag
Tina In-Albon ist Expertin für Ängste bei Kindern und Jugendlichen.

Kinder stärken

Eine einzige Ursache für kindliche Phobien gibt es nicht. „Viele Komponenten spielen eine Rolle, aber die kennen wir noch nicht“, räumte Tina In-Albon ein. Was die Entwicklung von Ängsten beeinflussen kann, sind das Temperament des Kindes, elterliche Gewohnheiten oder negative Erlebnisse. Wie viel von was hineinspielt, liegt im Dunkeln. Sicher ist hingegen: Eine Therapie muss an jedem einzelnen Aspekt ansetzen. Als wirksamste Möglichkeit, der Angst die Stirn zu bieten, nannte In-Albon die Verhaltenstherapie. Dazu gehört unter anderem, Kindern Selbstwirksamkeit zu vermitteln und sie darin zu bestärken, dass man lernen kann, mit Ängsten umzugehen. Generell gelte es, so die Botschaft an die Erwachsenen, die Aufmerksamkeit auf das Positive zu lenken, auch Kleinigkeiten wertzuschätzen und selbst ein gutes Vorbild zu sein. Mit Hauruck geht aber gar nichts. Die Fesseln der Angst lassen sich nur in kleinen Schritten und mit vielem Üben abstreifen.

Info: Der Vortrag kann auch in der Mediathek des Vorarlberger Kindedorfs nachgehört werden.