Berlinale-Höhenflug, doch zu Hause droht der Stillstand

11.02.2026 • 15:30 Uhr
Berlinale-Höhenflug, doch zu Hause droht der Stillstand
Schauspielerin Susi Stach, Regisseur Markus Schleinzer, Regisseurin Ruth Beckermann und Alexander Dumreicher-Ivanceanu. APA/GEORG HOCHMUTH

Trotz internationaler Präsenz und Publikumserfolgen warnt die Branche vor einem Produktionsstopp.

Berlin Mit zwölf österreichischen Filmen, darunter zwei im Wettbewerb, bei der Berlinale 2026 erlebt der heimische Film derzeit einen außergewöhnlichen internationalen Erfolg. Gleichzeitig sorgt „Aufputzt is’” als erfolgreichster österreichischer Kinofilm der vergangenen 25 Jahre für Euphorie im Inland. Für die Branche ist jedoch klar: Diese Erfolge sind kein Zufall, sondern das Resultat gezielter Fördermaßnahmen der vergangenen Jahre, insbesondere durch den Österreichischen Filminstitut (ÖFI). Nun steht dieses System angesichts drohender Budgetkürzungen und fehlender Planungssicherheit auf dem Spiel.

Filmproduktionen benötigen lange Vorlaufzeiten von bis zu zwei Jahren. Kurzfristige politische Entscheidungen reichen daher nicht aus, um Kontinuität zu sichern. Alexander Dumreicher-Ivanceanu, Produzent und Obmann des Fachverbands der Film- und Musikwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich, spricht von einem „Schicksalsjahr“: Ob sich die aktuellen Erfolge wiederholen lassen, entscheide sich jetzt. Ohne verlässliche Finanzierung drohe ein massiver Einbruch.

Auch Filmschaffende schlagen Alarm. So berichtet Schauspielerin Susi Stach, dass sie 2025 ihr erfolgreichstes Jahr erlebt habe, für 2026 jedoch noch keinen einzigen bestätigten Drehtag habe. Vielen Kolleginnen und Kollegen gehe es ähnlich. Tausende Arbeitsplätze vor und hinter der Kamera seien gefährdet.

Die Branche präsentiert daher zwei konkrete Lösungsvorschläge: eine Investitionsverpflichtung für Streamingdienste und einen solidarischen Investitionsbeitrag (Levy). Vergleichbare Modelle existieren bereits in mehreren europäischen Ländern. Frankreich gilt mit einer Investitionsquote von bis zu 25 Prozent als Vorreiter. In der Schweiz ist seit 2024 die „Lex Netflix” in Kraft und auch in den Niederlanden wurde eine verbindliche Quote beschlossen. Auch Deutschland hat zuletzt Fortschritte bei einer entsprechenden Regelung erzielt. Studien zeigen, dass Länder mit solchen Verpflichtungen ein stärkeres Wachstum nationaler Filmproduktionen und ein größeres Publikum verzeichnen.

Die österreichische Filmwirtschaft schlägt ein Modell mit einer Gesamtinvestitionsverpflichtung von 25 Prozent vor: 18 Prozent direkte Investitionen in heimische Produktionen sowie sieben Prozent als Investitionsbeitrag. Die Regelung soll für alle Streaminganbieter:innen gelten, unabhängig vom Geschäftsmodell, um Gleichbehandlung und ein ausreichendes Finanzierungsvolumen sicherzustellen.