“Gealtbittelwäsch” fällt ins Wasser – selbst die Geister frieren

Seit über 100 Jahren waschen die “weißen Geister” am Aschermittwoch ihre Geldbeutel in der Oberstadt im Montfortbrunnen. Dieses Jahr bleibt die Geldtasche trocken.
Darum geht’s:
- Tradition “Gealtbittelwäsch” abgesagt wegen schlechten Wetters
- Seit 1922 marschieren weiße Geister durch Bregenzer Oberstadt
- Veranstaltung zeigt gelebtes Brauchtum und verbindet Generationen
BREGENZ Die weißen Leintücher hängen bereit, die Tschakos aus Papier sind gebastelt, die Stadtmusik hätte sich warmgespielt – und doch bleibt es heuer still am Ehre-Guta-Platz. Die traditionelle “Gealtbittelwäsch” in der Bregenzer Oberstadt fällt ins Wasser.
Seit 1922 ziehen am Aschermittwoch die sogenannten “weißen Geister” durch die engen Gassen der Oberstadt. Mit musikalischer Begleitung – früher mit der Handorgel, seit den 1950er-Jahren mit einer Abordnung der Stadtmusik – marschieren sie zum Montfortbrunnen, um dort symbolisch ihre Geldbeutel zu waschen. Ein Brauch mit Augenzwinkern: Nach der närrischen Zeit, in der das Geld oft lockerer sitzt, soll der “Gealtbittel” im Brunnenbad wieder gefüllt werden.
Tradition macht Pause
Heuer jedoch macht das Wetter den Veranstaltern einen Strich durch die Rechnung. “Es tut uns sehr leid”, sagt Johann Düringer von der Arbeitsgemeinschaft Oberstadt. “Wir haben natürlich alles vorbereitet – Aufbau, Organisation, Abstimmungen mit der Stadtmusik. Aber am Ende müssen wir Verantwortung übernehmen.” Gerade gegenüber den Musikanten, deren Instrumente empfindlich sind, wolle man kein Risiko eingehen.
Für die Oberstädter ist die “Gealtbittelwäsch” mehr als ein närrischer Nachklang. Sie ist gelebte Geschichte. Entstanden sei der Brauch, erzählt Düringer, als ein gewisser Karl Mehrwert aus dem Schwabenland in die Oberstadt zog. Rund um das damalige Gasthaus Ehre-Guta sei die Idee entstanden, am Aschermittwoch nachts – “natürlich mit Tschako und Leintuch” – durch die Stadt zu ziehen. Aus einer spontanen Aktion wurde eine Tradition.

Seit 1950 organisiert die Arbeitsgemeinschaft das Spektakel. Kinder, Vereinsmitglieder und andere Oberstädtler schlüpfen in die Rolle der “Geister”, begleitet von Musik und der Verlesung der Entstehungsgeschichte sowie humorvollen Einlagen aus früheren Zeiten. Ein Stück lebendiges Brauchtum, das Generationen verbindet.
Keine Wäsche, kein Geld?
Und was bedeutet der Ausfall für das Geld? “Man wird nicht gleich das ganze Jahr pleite sein”, sagt Düringer mit einem Lächeln. “Es ist eben eine Unterbrechung. Nächstes Jahr machen wir weiter – in alter Manier, so wie gehabt.”
Die weißen Geister werden also wiederkommen. Vielleicht mit umso mehr Schwung. Denn eines zeigt die kurzfristige Absage deutlich: Auch Traditionen brauchen manchmal eine Pause, um weiterleben zu können.