Zwischen Schmerz und Zuversicht: Reha mit Herz im Montafon

In der Reha-Klinik Montafon arbeiten Christian Bereuter (69) und Sabine Raggl (56) täglich an ihrer Genesung – unterstützt von Ärzten und Therapeuten, getragen von eigener Motivation.
SCHRUNS Um halb sechs klingelt für Sabine Raggl der Wecker. Während draußen das Tal langsam erwacht, beginnt für die 56-Jährige aus Bürs ein dicht getakteter Reha-Tag. “Ich habe vor knapp drei Wochen eine neue Hüfte bekommen”, erzählt sie. Zwei Jahre lang habe sie mit Schmerzen gelebt, dann stand fest: Es geht nicht mehr ohne Operation.


Zum ersten Mal ist sie nun in der Reha-Klinik Montafon – obwohl sie aus der Region stammt. “Der geregelte Ablauf, fixe Essenszeiten – und dass immer jemand für dich da ist. Das war schon am Anfang ganz ungewohnt”, sagt sie. Inzwischen gebe ihr genau diese Struktur Halt.

“Kraftmäßig habe ich einen Fortschritt gemerkt”
Christian Bereuter aus Feldkirch ist seit fünf Wochen in der Klinik. Der 69-Jährige hat vor zwei Jahren einen Bandscheibenvorfall erlitten, der operiert werden musste. Dabei wurde ein Teil seiner Wirbelsäule versteift.

“Kraftmäßig habe ich einen Fortschritt gemerkt. Die Schmerzen sind immer noch da, aber es ist schon gut”, sagt er.
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Sein Tag beginnt um halb sieben, danach folgen Therapien im Stundentakt: Physiotherapie, Elektrotherapie, Schwimmen, Heilgymnastik sowie Ausdauer- und Krafttraining. “Krafttraining, deshalb, weil man dadurch die Muskulatur aufbauen kann”, sagt er über seine bevorzugte Einheit. Anstrengend sei es. Aber: “Was ich mitnehme, ist die positive Energie und die Motivation, dass ich daheim weitermache mit den Übungen”.

Was beide verbindet, ist der Austausch untereinander. “Man motiviert sich gegenseitig. Interessanterweise hört man niemanden jammern”, sagt Bereuter. Auch Raggl berichtet von neuen Bekanntschaften, ausgetauschten Telefonnummern – und vor allem vom Gefühl, nicht allein zu sein.

Vier Fachbereiche unter einem Dach
Insgesamt 215 Patientinnen und Patienten werden in der Reha-Klinik Montafon zeitgleich betreut – verteilt auf vier Fachbereiche, erklärt Primaria Daniela Penz-Wallnöfer. Orthopädie, psychische Gesundheit, Neurologie und Kardiologie. Sie leitet die neurologische Abteilung mit rund 50 Patienten.

Das Spektrum reicht von Schlaganfällen über Parkinson bis hin zu Erkrankungen des peripheren Nervensystems. “Wir betreuen neurologisch das gesamte Spektrum”, sagt sie.

Entscheidend sei jedoch nicht allein die medizinische Kompetenz. “Ganz wichtig und im Vordergrund steht die Motivation der Patienten”, betont Penz-Wallnöfer. Ärzte und Therapeuten könnten begleiten und unterstützen – “den Weg der Regenerierung und des Gesundheitsprozesses muss jeder Patient selber erarbeiten”. Realistische Ziele und ein gut abgestimmtes Team seien dabei wesentlich.
Wenn Worte wieder möglich werden
Logopäde Philipp Wimmer begleitet Patienten mit Sprach-, Sprech-, Stimm- und Schluckstörungen. “Mein Job ist die Diagnostik, Anamnese und Therapieplanung”, erklärt er.

Seine Arbeit beschreibt er als “ganz nah, also hands on”. Es gehe darum, Patienten zu fordern, ohne sie zu überfordern. Fortschritte, auch kleine, seien oft entscheidend.
“Wir fangen viel auf”
Sabine Heel leitet die Patientenadministration und das Beschwerdemanagement mit zehn Mitarbeitern. “Bei uns beginnt der Aufenthalt bereits mit dem ersten Telefonat zur Terminvergabe”, sagt sie. Ihr Team ist Anlaufstelle für organisatorische Fragen – vom Check-in bis zum Therapieplan.

Was berührt sie besonders? “Wenn sie mit der Krücke oder im Rollstuhl zu uns kommen – und am Ende ihres Aufenthalts nur noch mit einer Krücke oder sogar wieder selbstständig hinausgehen.” Dann zeige sich, wie viel möglich sei.
