Für den Lecher Skilehrer Christian Elsensohn geht es nicht um Nostalgie – er will seine Gäste sicher durchs Madloch bringen

02.03.2026 • 14:22 Uhr
Für den Lecher Skilehrer Christian Elsensohn geht es nicht um Nostalgie - er will seine Gäste sicher durchs Madloch bringen
Christian Elsensohn ist Lecher und leitet die Skischule Lech. VN/DJSOHM

Das Madloch am Arlberg soll entschärft werden. Mehr Sicherheit für Gäste – oder Verlust eines legendären Anspruchs? Skilehrer und Stammgäste sind gespalten.

Darum geht’s:

  • Madloch-Route soll an acht Stellen angepasst werden.
  • Experten sehen Sicherheitsverbesserung durch Geländeänderungen.
  • Diskussion über Verlust von Anspruch und Ursprünglichkeit.

Zürs Ein kurzer Blick nach unten, dann schiebt sich der erste Schwung in die schmale Passage. “Hier passieren die meisten Unfälle”, weiss Skilehrer Christian Elsensohn. Wer hier zögert oder blockiert, riskiert einen Sturz. Das Madloch am Arlberg ist keine gemütliche Familienabfahrt – es ist eine Route mit Charakter. Genau dieser Charakter steht nun zur Diskussion.

Für den Lecher Skilehrer Christian Elsensohn geht es nicht um Nostalgie - er will seine Gäste sicher durchs Madloch bringen
Schuss fahren ist hier angesagt – oder danach trippeln. FOTO/Privat

An acht Stellen zwischen Madloch-Joch und Zug soll das Gelände angepasst werden. Kuppen werden abgetragen, Felsen versetzt, Abschnitte verbreitert. Die Skiroute 170, Teil des Weißen Rings, gilt als anspruchsvoll – und als unfallträchtig an bestimmten Schlüsselstellen.

Sicherheit als oberstes Gebot

Christian Elsensohn, Leiter der Skischule Lech, kennt diese neuralgischen Punkte genau. “Wir erleben, dass es ein paar Schlüsselstellen gibt, und dort passieren halt häufig Unfälle”, sagt er. Für ihn ist klar: Wenn man diese Passagen gut herrichtet, könne man die Route sicherer machen, ohne ihren Reiz zu verlieren. “Für die Sicherheit unserer Skischüler ist das auf alle Fälle eine Verbesserung.”

Gerade weniger geübte Gäste wollten den Weißen Ring fahren, weil er zum Arlberg-Urlaub dazugehöre. “Das Madloch ist oft Gesprächsthema am Mittagstisch”, erzählt Elsensohn. Seine Skilehrer prüfen täglich die Bedingungen – eisig, bucklig, gut präpariert – und entscheiden dann, ob sie mit Gästen einfahren. “Wir wollen niemanden überfordern.” Eine breitere, entschärfte Passage könne helfen, kritische Situationen zu vermeiden. Doch nicht alle begrüßen die Veränderungen.

Durch den Ausbau geht Ursprünglichkeit verloren

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Christian Reuter aus Karlsruhe erholt sich, bevor er ins Madloch fährt, in Zürs. VN/DJSOHM

Jürgen Reuter aus Karlsruhe fährt das Madloch seit einem halben Jahrhundert. “Es wurde immer wieder vereinfacht”, sagt der 69-Jährige. Früher sei die Route eine Mutprobe gewesen. “Wenn du da um 14 Uhr gestartet bist, war es nicht sicher, ob du die Runde noch schaffst.” Engstellen seien gesprengt, Passagen verbreitert worden. Für ihn ist der aktuelle Umbau eine Fortsetzung dieser Entwicklung. “Das halten wir nicht mehr auf”, sagt er – ohne Begeisterung.

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Daniel Kiechle aus München fährt seit 25 Jahren Ski am Arlberg. VN/DJSHOM

Daniel Kiechle aus München sieht die wirtschaftliche Dimension. Das Madloch sei ein “extrem wichtiges Verbindungsstück” zwischen St. Anton und Lech. Durch den Ausbau der Lifte kämen mehr Menschen auf die Strecke. “Da wird es eine wirtschaftliche Veranlassung geben.” Gleichzeitig gehe ein Stück Ursprünglichkeit verloren. “Anspruch und Natur – das war früher anders.” Es sei eine Abwägung zwischen Umweltschutz, Fahrspaß und Wirtschaftlichkeit.

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Christian Kern findet den Ausbau unnötig. VN/DJSOHM

Noch klarer positioniert sich Christian Kern vom Bodensee. “Das braucht es eigentlich gar nicht”, sagt er. Für ihn sollte das Madloch ein Naturpfad bleiben, eine Route, die Verantwortung einfordert. “Warum soll man die Massen jetzt auch noch runterführen?” Das Besondere liege gerade im Anspruch. “Für gute Skifahrer ist das etwas Spezielles – und das soll es bleiben.”

Zwischen Sicherheitsgewinn und Identitätsverlust spannt sich damit eine Grundsatzfrage auf: Soll eine legendäre Route möglichst vielen zugänglich gemacht werden – oder gerade nicht? Das Madloch zwingt zur Entscheidung – nicht nur in der Engstelle, sondern auch in der Haltung.