Der Spardruck belastet alle

Unmut bei Eltern wegen höherer Selbstbehalte für Kinder-Therapien. Auch lange Wartezeiten sind ein Problem. Standort der aks-Kinderdienste in Dornbirn rückte ins Zentrum.
Dornbirn Schwungvoll lässt sich Noah in den grünen Sitzsack plumpsen. Carmen sieht ihrem Sohn lächelnd zu. Sie wirkt erleichtert. Eineinhalb Jahre musste sie warten, ehe der quirlige Bub bei den aks Kinderdiensten einen Platz für eine Ergotherapie bekam. Als es so weit war, wurde der Standort in Lustenau, wo die Familie wohnt, geschlossen. Jetzt heißt es für Mutter und Kind nach Dornbirn pendeln. Carmen nimmt es gelassen. Sie ist froh, dass es mit einem Therapieplatz endlich funktioniert hat. Doch nicht nur die Wartezeiten sind ein Problem. Der von 10 auf 20 Prozent gestiegene Selbstbehalt macht Eltern ebenfalls zu schaffen. „Manche kürzen die Therapiezeiten für die Kinder, weil es sich finanziell nicht mehr ausgeht“, berichtet Logopädin Julia Pfanner von teils schwierigen Situationen. „Wir sind trotz Spardruck bemüht, unsere Arbeit ohne qualitative Einschränkungen zu machen“, unterstreicht Stellenleiter Zvonimir Zupcic.

Ins Zentrum übersiedelt
Dieser Tage gab es aber auch Grund zu feiern. Der neue Standort in der Kreuzgasse 2 in Dornbirn wurde offiziell eröffnet. Die Entscheidung, mit den Kinderdiensten und der Neurologischen Reha von der Färbergasse ins Zentrum der Stadt zu übersiedeln, fiel schon vor längerer Zeit. „Mit dem Umzug rücken die aks-Leistungen näher ins Zentrum und die Klienten profitieren von einer deutlich besseren Erreichbarkeit“, erklärt aks-Geschäftsführer Martin Berthold. Zudem sind die verschiedenen Fachbereiche unter einem Dach gebündelt, was kurze Wege zwischen Diagnostik, Therapie und Beratung ermöglicht. Der großzügig gestaltete Bereich im Erdgeschoss ist gemietet. Die Stadt kam der Gesundheitseinrichtung mit attraktiven Konditionen entgegen.

Hoher Therapiebedarf
Auch die Leistungen der einmal in Lustenau angesiedelten Kinderdienste fanden in Dornbirn eine neue Heimat. Alexandra Kremer bedauert die Schließung: „Wir waren schon traurig, denn wir waren ein gutes Team.“ Es habe auch die Eltern tief getroffen. Doch jetzt schaut sie nach vorne und fühlt sich als Teil einer großen Gemeinschaft gestärkt. Am Standort in Dornbirn arbeiten 20 Therapeutinnen und Therapeuten sowie eine Ärztin. Es braucht alle. „Seit es Lustenau nicht mehr gibt, werden die Zuweisungen mehr“, bestätigt Zvonimir Zupcic einen ungebrochen hohen Therapiebedarf. Zudem würden die Fälle komplexer und Kinder oft eine Betreuung durch mehrere Fachbereiche benötigen. Das wiederum geht ins Geld. Erst recht nach Verdoppelung des Selbstbehalts, die nach einer Übergangsphase seit 1. März gilt. „Ihren Umut darüber laden die Eltern häufig bei uns ab“, zeigt der Stellenleiter wohl Verständnis, aber: „Es sind nicht unsere, sondern politische Entscheidungen.“

Herausfordernde Planung
Als Folge dieser Maßnahme reduzieren manche Eltern die Therapieeinheiten, die im 15-Minuten-Takt verrechnet werden, beispielsweise von 60 auf 45 oder 30 Minuten, auch, weil nach einer Stunde jede weitere Minute finanziell ins Gewicht fällt. Es gibt zwar Möglichkeiten der Befreiung vom Selbstbehalt, aber da heißt es Unterlagen beibringen. Die Therapeuten wiederum stehen vor der Herausforderung, immer noch effizienter agieren zu müssen. „Wo führt das hin?“, fragt sich Zvonimir Zupcic. „Hoffentlich nicht dazu, dass sich Eltern gegen eine Therapie für ihre Kinder entscheiden“, wünscht sich Noahs Mutter.

