Wilfried Lutz: Geselligkeit, Gesang und Gummistiefel

Nach vielen Entbehrungen in jungen Jahren genoss Wilfried Lutz auch die Schokoladenseiten des Lebens.
Von Melanie Knünz
Feldkirch Wilfried Lutz wurde als jüngstes von fünf Kindern am 1. Mai 1929 in Nenzing geboren. Dass das Leben nicht immer ein Zuckerschlecken ist, lernte er früh. Neben der Schule wurde im elterlichen Baugeschäft und in der Landwirtschaft hart gearbeitet. So mähte er mit seinem Bruder Josef jeden Sommer barfuß die steilen Hänge auf Panül und Güfel und brachte das Heu auf Heuschlitten und Karren ins Tal.

Die Kindheit: kein Zuckerschlecken
Als das elterliche Haus umgebaut wurde, quartierte ihn – fünfjährig – seine Mutter zusammen mit seiner 13-jährigen Schwester Grete in eine einfache Hütte in den Nenzinger Himmel aus. Nach einsamen drei Wochen mussten sie zu Fuß den Schotterweg von Gamperdond nach Nenzing gehen – barfuß versteht sich, Schuhe gab es keine. Von den Blasen an den Füßen erzählte Wilfried oft.
Seine Schullaufbahn führte ihn ans Gymnasium Feldkirch und von dort in die HTL Innsbruck. Beruflich startete seine Karriere bei der Straßenplanung im Amt der Vorarlberger Landesregierung als Vermessungstechniker und führte ihn über das Landeshochbauamt ins Bauamt der Stadt Feldkirch, wo er bis zu seiner Pensionierung blieb.
Die Schokoseiten des Lebens
Doch das Leben zeigte auch seine Schokoladenseiten: Er lernte Erna kennen, heiratete sie 1959 und zog mit ihr ins gemeinsame Eigenheim nach Feldkirch-Levis. Besondere Momente waren für ihn die Geburten seiner Kinder Ulrike, Herwig und Jürgen – und später die seiner Enkelkinder Tobias, Dominik, Fabian, Manuel, Florian und Jonas, die ihrem Opa nur allzu gerne halfen, wenn das Handy nicht tat, wie ihm geheißen.
Die junge Familie unternahm gerne Ausflüge und ging auf Reisen. Unvergessen blieb der erste Italien-Urlaub. Aus Gewohnheit wurden Gummistiefel für alle eingepackt: Was in den Ferien im Nenzinger Himmel von Nutzen war, würde wohl auch in Italien gebraucht werden.

Die Berge waren für Wilfried Lutz immer eine Energiequelle. Egal ob auf hohe Gipfel wie Piz Buin, Zimba, Panüler oder bei gemütlichen Wanderungen – allein war er nie unterwegs. Davon sprach er bis zuletzt: „Ich würde noch gerne in die Berge gehen. Jetzt schau ich sie lieber von unten an.“
Die Berge als Kraftort, die Musik als wahre Leidenschaft
Wilfried Lutz war seit 1962 aktives Mitglied bzw. später Ehrenmitglied der Feldkircher Liedertafel. Zudem war er 34 Jahre Fähnrich, der auch mit seiner schönen Stimme überraschte. Noch an Weihnachten 2025 sang er gefühlvoll alle Strophen von „Stille Nacht“.
Neben der Musik frönte Wilfried Lutz dem Jassen und organisierte bis zu seinem 85. Geburtstag alle Ausflüge des Feldkircher 1929er-Jahrgangs. „Also Doppelstöcker bruchand mir koan meh für üsre Usflüg“, witzelte er, als er die letzten Ausflüge plante.

Schwer traf ihn der Tod von Erna, die nach langer, schwerer Krankheit 2012 starb. Bis zuletzt hatte er sie liebevoll gepflegt. Ein weiterer Schicksalsschlag war der Unfalltod seines Sohnes Herwig vor einem Jahr.
Was Wilfried Lutz über alle Tiefpunkte im Leben hinweghalf, war sein Humor. Immer einen lustigen, freundlichen Schmäh auf den Lippen, verbrachte er seine verbleibende Zeit am liebsten mit Blick auf die Berge – bis er am 28. Februar seine Augen schloss.
Begleitet durch: Bestattung Gohm
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