Franz von Assisi: Der Narr Gottes

03.04.2026 • 08:00 Uhr
Franz von Assisi: Der Narr Gottes
Markus Hofer präsentiert mit Freude sein neues Buch über Franziskus. Beate Rhomberg

Vor 800 Jahren starb der heilige Franziskus. Der Theologe und Kunsthistoriker Markus Hofer aus Götzis schrieb ein Buch über ihn. Hofer ging konsequent auf die Suche nach der historischen Person. Auf dieser Basis hat er dessen radikales Leben neu erzählt.

Götzis Franziskus wurde im Jahr 1181 in Assisi (Italien) geboren. Er war der erstgeborene Sohn eines neureichen Tuchhändlers. Der Vater wollte, dass er einmal in seine Fußstapfen tritt. Doch Franziskus träumte davon, Ritter zu werden. “Das war sein größter Traum”, weiß Buchautor Markus Hofer (68). Im Alter von 19 Jahren beteiligte er sich an einem kleinen Kreuzzug in Süditalien. “Er trug die schönste Rüstung.” Eines Nachts hatte er einen außergewöhnlichen Traum. “Eine Stimme fragte ihn: Wem dienst du?” Als er aufwachte, war ihm schlagartig klar, dass das Rittertum nichts für ihn ist. Daraufhin ritt er schnurstracks nach Hause zurück. “Franziskus war ein Mensch, der gut in sich hineinhörte. Er hat immer nach seiner inneren Stimme gehandelt. Er war ein Tatmensch, kein Grübler und kein Philosoph.”

Franz von Assisi: Der Narr Gottes
Ein Bildnis vom heiligen Franziskus.

Nach einer bewegten Jugend begann sich Franziskus mit 20 Jahren allmählich zu wandeln. Die Begegnung mit einem Aussätzigen wurde für ihn zu einem Schlüsselerlebnis. Danach war er ein anderer. Franziskus, der sich bis dahin vor den Leprakranken gegraust hatte und immer einen weiten Bogen um sie gemacht hatte, stieg vom Pferd, gab dem Aussätzigen ein Almosen und umarmte ihn. “Über die Folgen dieser Umarmung sagt er: ‚Was mir bitter war, wurde mir süß.‘” Franziskus ließ sich vom Leid dieses ausgestoßenen, entstellten Menschen berühren. Er wusste, dass ihm in diesem Kranken Gott begegnet war. Danach kehrte er der bürgerlichen Existenz den Rücken. Er gab alle Sicherheiten auf und beschloss, in absoluter Armut und als Wanderprediger und Gelegenheitsarbeiter zu leben. “In fast beklemmender Radikalität setzte er ein Leben in Armut nach dem Evangelium um”, so Hofer.

In der Stadt wurde er als Bettler verlacht und verhöhnt, aber er faszinierte auch sehr. Denn er bettelte in großer Fröhlichkeit. Auch sein ekstatisches Beten beeindruckte seine Mitmenschen. “Manchmal hat er sich in eine Einsiedelei zurückgezogen, um mit Gott allein zu sein und die halbe Nacht im Gebet zu verbringen.” Andere Männer schlossen sich dem Bettelmönch an, der alle Geschöpfe Gottes liebte und sie Bruder und Schwester nannte. Bald schon waren sie zwölf Brüder.

Franz von Assisi: Der Narr Gottes
Markus Hofer ist Autor zahlreicher Bücher. Mit Franziskus beschäftigt er sich schon seit vielen Jahren.

Im Jahr 1209 gingen sie zum Papst. Franziskus wollte, dass seine Bewegung als Orden anerkannt wird. “Gegenüber kirchlichen Autoritäten und seinen Brüdern betonte er: ‚Ich bin ein neuer Narr Gottes auf dieser Welt.‘” Der Papst anerkannte die Gemeinschaft und gab dem Orden den Namen Mindere Brüder. Dieser verbreitete sich schnell über halb Europa. “Ein bisschen wuchs es ihm schon über den Kopf. Denn Manager war Franziskus keiner. Er wollte keine Regeln aufstellen, die gemeinsame Begeisterung sollte reichen”, berichtet der Buchautor.

Im Jahr 1219 reiste Franziskus nach Ägypten, um in den Kreuzzügen zu vermitteln und den Sultan zu bekehren. “Es gelang ihm unter großer Gefahr, über die Front zum Sultan zu kommen.” Aber Franziskus scheiterte in seinem Unterfangen und musste unverrichteter Dinge heimreisen. “Daheim in seinem Orden ging es drunter und drüber. Wieder zu Hause überraschte er alle. Er legte die Leitung seiner Gemeinschaft zurück. Die spirituelle Autorität blieb er aber trotzdem.”

Franziskus, der aus Ägypten Malaria und eine schwere Augenkrankheit mitgebracht hatte, zog sich in seinen letzten vier Lebensjahren in eine Einsiedelei zurück. “Er starb am 3. Oktober 1226 in Assisi nackt auf dem nackten Boden. Zwei Jahre später wurde er von der Kirche heiliggesprochen”, so Hofer abschließend.

Buchtipp: Markus Hofer: Franz von Assisi. Ein radikales Leben neu erzählt. Tyrolia Verlag, 184 Seiten.