“Ein wichtiger Schritt für die Menschheit” – Rankweiler NASA-Ingenieur über historische Artemis-Mission

Der Moment, als die “Orion”-Kapsel der Artemis-II-Mission im Pazifik aufsetzte, war besonders für Kevin Garzon Galindo. Der Rankweiler arbeitet bei der NASA in Kalifornien und erlebte mehr als nur eine erfolgreiche Mission.
Darum geht’s:
- Artemis II war ein historischer Raumfahrt-Moment.
- Vorarlberger Ingenieur der NASA betont internationale Zusammenarbeit.
- Österreichische und Europäische Technik leisteten entscheidende Beiträge.
Schwarzach, Mountain View Als die “Orion”-Kapsel am Freitag auf die geplante Minute genau im Pazifik aufsetzte, war es mehr als nur eine Bilderbuch-Landung. Es war ein Moment, der Raumfahrtgeschichte schrieb. Ein Vorarlberger war bei diesem Meilenstein der Raumfahrt nah dabei.
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Kevin Garzon Galindo (32) aus Rankweil arbeitet seit 2019 als Ingenieur bei der US-Raumfahrtbehörde NASA im Silicon Valley. An der erfolgreichen Artemis-II-Mission, bei der erstmals seit über 50 Jahren wieder Menschen in Richtung Mond geflogen sind, hat er zwar nicht direkt mitgearbeitet, doch der Moment fühlt sich für ihn besonders an. “Artemis II ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg, Menschen wieder über die Erdumlaufbahn hinaus in den Weltraum zu bringen.”


Die Crew, bestehend aus den US-Amerikanern Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und dem Kanadier Jeremy Hansen, umrundete in der zehntägigen Mission den Mond, entfernte sich 406.773 Kilometer von der Erde, sah die Rückseite des Erdtrabanten, erlebte eine Sonnenfinsternis im All und legte mehr als 2,3 Millionen Kilometer bei rund 40.000 km/h zurück. Für die NASA ist die Mission eine Generalprobe für künftige Mondlandungen und langfristig sogar für Flüge zum Mars.

Technik aus Österreich
Für Kevin Garzon Galindo steht dabei vor allem eines im Mittelpunkt: die Zusammenarbeit. “Die Mission steht für jahrelange Arbeit vieler Teams weltweit und unterstreicht die Bedeutung internationaler Kooperationen, auch mit zentralen Beiträgen aus Europa.” Für ihn sei sie ein Beweis dafür, “was wir gemeinsam erreichen können”.

Dabei spielte auch österreichische Technik eine Rolle: So lieferte Magna aus Graz Hochdruckleitungen für das Trägersystem, während das Wiener Unternehmen TTTech die sicherheitskritische Datenkommunikation an Bord absicherte. Zudem war das von der Europäischen Raumfahrtagentur ESA in Bremen entwickelte Servicemodul im Einsatz, das die Kapsel mit Energie, Luft und Wasser versorgte und ihren Antrieb sicherstellte.


Futuristische Luftverkehrssysteme
Die Begeisterung rund um die Mondumrundung sei spürbar gewesen, nicht nur in den USA. “Es ist schön zu sehen, dass viele Menschen diese Mission verfolgen und als nächsten großen Schritt für die Menschheit sehen.”

Gerade in einer digital vernetzten Welt eröffne das neue Einblicke: “Man sieht die Technologie, die Menschen dahinter, deren Anstrengungen und versteht besser, warum wir das tun.” Persönlich hoffe er, dass dadurch mehr junge Menschen für MINT-Fächer begeistert werden und sich für Bereiche interessieren, die eine routinemäßige Raumfahrt künftig möglich machen.

Der 32-Jährige selbst arbeitet derzeit an futuristischen Luftverkehrssystemen in großen Höhen, etwa an solarbetriebenen Drohnen und Technik für Hyperschallflugzeuge. Mit der Mondmission ist er zwar nicht direkt befasst, doch ganz fern ist sie auch nicht. “Jeder Raketenstart beeinflusst den Luftverkehr, was auch für meine Forschung relevant ist.”

“Demütiger Moment”
Erst in diesem Moment wurde ihm klar, wie greifbar Geschichte im Alltag bei der NASA sein kann. “Als ich nach dem Start am Abend aus dem Gebäude ging, hatte ich plötzlich das Gefühl, Teil von etwas Größerem zu sein.” In unmittelbarer Umgebung hätten Teams an Simulationen, Aerodynamik oder Hitzeschutz für den Wiedereintritt gearbeitet, während die Astronauten im All unterwegs waren. “Das war ein sehr demütigender Moment.”

Für Garzon ist klar: Artemis II ist nur der Anfang. “Missionen wie diese legen die Grundlage dafür, dass wir künftig noch weiter in den Weltraum vorstoßen.” Die NASA kündigte jedenfalls für das Jahr 2028 mit Artemis IV eine bemannte Mondlandung an.
Der Mensch am Mond
Erste Mondlandung: Am 20. Juli 1969 betrat Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Apollo-Programm: Zwischen 1969 und 1972 brachten die USA insgesamt zwölf Astronauten auf den Mond, bis heute als einziges Land.
Letzter Besuch: Mit der Mission “Apollo 17” verließ Eugene Cernan im Dezember 1972 als bislang letzter Mensch den Mond.
Artemis-Programm: Mehr als 50 Jahre später will die NASA wieder Menschen zum Mond bringen – mit internationaler Beteiligung.
Nächster Schritt: Nach der erfolgreichen Umrundung bei “Artemis II” ist eine neue Mondlandung derzeit frühestens für 2028 geplant.