So wahrscheinlich ist die Rückkehr des Bodenseefelchens

Nur noch fünf aktive Berufsfischer am Bodensee in Vorarlberg. Gedämpfte Hoffnungen für dieses Fangjahr.
Fußach, Bregenz Wenn Franz Blum jr. (45) über seine Arbeit als Fischer spricht, kommt er bald zum Kormoran und damit in Rage. “Schon jetzt beobachte ich wieder rund 500 Vögel bei uns am Ufer. Die fressen massenhaft Fische. Und viele, die sie nicht erwischen, fliehen vor ihnen in kleine Kanäle, wo sie an Sauerstoffmangel zugrunde gehen. Die Kormorane sind verantwortlich für den Tod vieler Giebel. Sie fressen auch Zander und viele Jungfische, die noch nicht gelaicht haben.” Vehement fordert Blum noch härtere Maßnahmen gegen die Kormorane, von denen schon jetzt jährlich mehrere hundert am Vorarlberger Ufer geschossen werden.

Zehn Tonnen Rotaugen
Nach dem dreijährigen Fangverbot für Felchen, konzentriert sich Blum auf jene wirtschaftlich nutzbaren Fischarten, die der See beherbergt: Hecht, Zander, Wels, Kretzer. Sie alle haben verschiedene Schonzeiten. Und da ist vor allem auch noch das Rotauge. “Zehn, der 25 Tonnen Ertrag des letzten Fangjahres, waren Rotaugen”, untermauert Nikolaus Schotzko (58), Fischereibeauftragter des Landes, die neuen Zahlenverhältnisse der gefangenen Fischarten im See. Dass das Felchen den Petrijüngern am See auch bald wieder in die Netze geht, sieht Schotzko als sehr wahrscheinlich.

“Das Fangverbot und vor allem der deutlich reduzierte Bestand an Stichlingen, welche die Eier und Larven der Felchen fressen und damit dem Brotfisch des Sees arg zusetzten, haben ihre Wirkung nicht verfehlt. Der Bestand hat sich merklich erholt, auch wenn wir aufgrund der fehlenden Larven und Eier bei den ausgewachsenen Fischen noch eine Lücke von ein paar Jahren verzeichnen werden.” Gebannt sei die generelle Gefahr durch Stichlinge jedoch nicht. “Sie haben sich zwischenzeitlich wieder vermehrt. Auch wenn auf niedrigem Niveau.”

“Aus dem Ruder gelaufen”
In puncto Kormoran liegt Schotzko mit Franz Blum auf einer Linie. “Da ist was aus dem Ruder gelaufen. Wir bräuchten ein wirksames bodenseeweites Management. Es nützt wenig, wenn wir bei uns regulieren, während an anderen Orten am Bodensee die Population wächst. Kormorane sind mobil.” 6000 der Vögel gibt es derzeit am See, 1200 sind Brutpaare, 50 davon brüten am Vorarlberger Ufer. Kormorane haben im vergangenen Fangjahr 500 Tonnen Fisch aus dem See geholt, die Fischer lediglich 120 Tonnen.
Immerhin: Das Besprühen von Kormoraneier auf den Bäumen der Brutkolonien mittels Drohnen scheint erste Erfolge zu zeitigen. Die aufgebrachte Flüssigkeit enthält eine Substanz, welche die Kormoran-Eier unfruchtbar macht.

Planktonfresser in Gefahr
Nicht aufzuhalten ist laut Schotzko auch die weitere Zunahme von Quagga-Muscheln im See. Diese filtern das Wasser, machen das Bodenseewasser glasklar, entziehen den Plankton-Fressern jedoch immer stärker ihr Nahrungsgrundlage. “Für alle Plankton fressenden Lebewesen im See, wie etwa das Felchen, wird das in den kommenden Jahren markante Auswirkungen haben”, zeichnet der Experte ein düsteres Szenario.

Doch auch eine erfreuliche, zumindest kurzfristige, Zukunftsperspektive kann Schotzko bieten. “Das Felchen könnte in eingeschränkter Form bereits im nächsten Jahr wieder gefangen werden.” Die Freunde des vorzüglichen Speisefisches wird’s freuen.