“Made in Montafon” statt in Asien: Diese Firma setzt auf wachsenden Zweirad-Markt

Vorarlberger Automotive-Zulieferer erweitert sein Portfolio – neben Systemlösungen für die Automobilindustrie werden jetzt auch Hightech-Rahmen für Bikes gefertigt.
Vandans Im Jahr 1997 gründeten Illwerke und der Schlinser Spezialist für fest verschweißbare Rohrleitungsverbindungen Erne Fittings ein Joint Venture namens ELB Form, das gleich mehrere Zwecke verfolgte und in das die beiden Firmen wie auch die Landespolitik große Hoffnungen setzten. Mit dem Know-how von Erne in Sachen Rohrleitungsverbindungen sah man auch als Automobilzulieferer große Chancen, zum anderen sollten neue Arbeitsplätze im Montafon geschaffen werden, “da bei den Illwerken durch die Zusammenführung mit der VKW ein sozialverträglicher Abbau von Arbeitsplätzen vorgenommen werden musste”, so der damalige Vorstand von Illwerke VKW.

Grosso modo ist das gelungen, auch wenn die Firma, die 2007 ganz ins Eigentum der Firma Erne gelangte, als die Illwerke ihren 49-Prozent-Anteil abgegeben hatten, über die Jahre immer wieder zu kämpfen hatte. Heute zählt das Vandanser Unternehmen, nun ein zentraler Teil der Remus-Gruppe, zur Technologiespitze in ihrer Nische, beliefert Lastkraftwagen-Weltkonzerne wie MAN und Scania, aber auch Pkw-Hersteller wie Porsche, Bentley, Mercedes-Benz, um nur einige zu nennen. Und seit Kurzem Fahrradrahmen.

Was für Laien einfach klingt, ist es beileibe nicht. Denn erstens ist aus Marktsicht die Herstellung von Fahrradrahmen zu rund 95 Prozent in asiatischer Hand und zweitens braucht es dafür mehr Fertigkeiten, als nur Rohre zusammenschweißen, wie ein Lokalaugenschein in Vandans zeigt. “Das sind komplexe Baugruppen, so ein Rahmen hat unzählige Teile”, erklärt der COO von WE Form, Markus Reiner. Auftakt für den Bau von E-Bike-Rahmen war ein kleiner Auftrag des Herstellers Sol Motors für deren “Leichtkraftrad”, schildert Reiner: “Da haben wir beschlossen, das Thema intensiv anzugehen.” In rund eineinhalb Jahren wurde für den deutschen Premium-E-Bike-Hersteller “Velo de Ville” ein erster Rahmen entwickelt, der umfangreiche Maschinenpark aufgebaut und die Produktion industrialisiert. “Inzwischen bieten wir nicht nur ein Modell an, sondern haben zwei Modelle in mehreren Varianten für Velo de Ville im Programm”, erklärt Mathias Harrasser, der Project Management und Vertrieb verantwortet.

Ein großer Vorteil der Montafoner im neuen Geschäftsfeld, das in den kommenden Jahren stark wachsen soll, sei, dass die Produktions- und Lieferkette vollständig im eigenen Werk abgebildet werden könne, so COO Reiner. “Wir sind Entwicklungspartner und bereits bei der Designfindung dabei”, das helfe, dass die Produktion auch wirtschaftlich darstellbar sei. Rund 30.000 Rahmen, die im sogenannten Hydroforming-Verfahren hergestellt werden und “eine bisher unerreichte Designfreiheit bei maximaler Stabilität für die Integration von Akkus und Motoren bieten”, sind momentan geplant, künftig wolle man rund ein Viertel des Produktionsvolumens mit den Rahmen erzielen. Die Rückmeldungen seien sehr positiv. Nicht nur das Label “Made in Austria” sei für Kunden attraktiv. “Mit WE Frame können wir außerdem eine radikal nachhaltige Alternative bieten”, erklärt Harrasser: “Eine CO₂-Bilanz von weniger als 20 Kilogramm pro Rahmen, eine CO₂-neutrale Produktion sowie recyceltes Aluminium als Rohstoff.”

“Das ist auch für junge Menschen interessant, die einen Beruf mit Zukunft suchen”, kommt Human Resources Manager Wolfgang Krenn wieder auf die Anfänge des Unternehmens in den 1990er-Jahren zurück, nämlich Arbeitsplätze – derzeit sind es 150 in Vandans – und eine Lehrlingsausbildung als Prozess- bzw. Elektrotechniker im Montafon anzubieten. Die Fahrräder mit dem Rahmen “made in Montafon” gibt es übrigens auch im Land bei zahlreichen Bike-Händlern.
