“Viele unterschätzen das, dabei kann es entscheidend sein” – und dann zählt jede Minute

Aufblasbare Flamingos, SUP-Boards und Schlauchboote boomen – doch was harmlos wirkt, kann schnell gefährlich werden.
Darum geht’s:
- Trend zu aufblasbaren Wassergeräten erhöht das Unfallrisiko.
- Wind verursacht unkontrolliertes Abtreiben von Wassergeräten.
- Leash und Schwimmweste erhöhen Sicherheit auf dem Wasser.
Bregenz Sie sind bunt, leicht und überall zu sehen: Stand-up-Paddle-Boards, Schlauchboote oder aufblasbare Flamingos gehören längst zum Sommer auf Vorarlbergs Gewässern. Was für viele nach unbeschwertem Freizeitvergnügen aussieht, beschäftigt jedoch zunehmend die Wasserrettung. Denn mit dem Trend steigen auch die Risiken – oft unterschätzt von jenen, die sich ins Wasser wagen.
Die aufblasbare Gefahr
“Alles, was aufblasbar ist, kann kaputtgehen”, sagt Daniel Plaichner, Landeseinsatzleiter der Wasserrettung Vorarlberg. Was banal klingt, kann im Ernstfall dramatische Folgen haben. Verliert ein Gerät Luft, verschwindet der Auftrieb und damit die vermeintliche Sicherheit. Besonders kritisch ist das für Nichtschwimmer, die sich auf Luftmatratzen oder ähnliche Hilfsmittel verlassen.

Ein weiteres Problem ist der Wind. Selbst bei scheinbar ruhigen Bedingungen reichen kurze Böen, um leichte Geräte rasch abzutreiben. “Das geht schneller, als man nachschwimmen kann”, erklärt Plaichner. Wer sich dann im Wasser befindet und den Kontakt verliert, steht plötzlich vor einer ernsten Situation.

SUPs müssen zunehmend sicher sein
Gerade Stand-up-Paddler sind hier gefordert: Ohne Sicherung kann das Board nach einem Sturz innerhalb von Sekunden außer Reichweite sein.
Die Lösung ist einfach – wird aber oft ignoriert: die sogenannte Leash. Eine Verbindungsleine zwischen Fuß und Board sorgt dafür, dass das Sportgerät in unmittelbarer Nähe bleibt. “Viele unterschätzen das, dabei kann es entscheidend sein”, so Plaichner. Auch das Tragen einer Schwimmweste sei keine Frage der Routine, sondern der Sicherheit – insbesondere für Kinder, aber auch für Erwachsene.
Hinzu kommt, dass viele die Distanzen falsch einschätzen. Was vom Ufer aus überschaubar wirkt, wird im Wasser schnell zur Herausforderung. “Mit den Händen zurückrudern ist extrem anstrengend”, sagt Plaichner. Wer weiter draußen unterwegs ist, merkt rasch, wie groß die Entfernung tatsächlich ist.

Flüsse oder Sandbänke können sehr trügerisch sein
Besondere Vorsicht gilt in Fließgewässern. Während Seen oft als ruhig wahrgenommen werden, sind Flüsse dynamisch und schwer berechenbar. In Vorarlberg kommt hinzu, dass viele Gewässer durch Kraftwerke reguliert werden. “Der Wasserstand kann schnell und geräuschlos steigen”, warnt Plaichner. Immer wieder geraten Menschen dadurch in gefährliche Situationen – etwa wenn sie auf Sandbänken rasten und plötzlich vom Wasser eingeschlossen werden.
Auch die Strömung wird häufig unterschätzt. “Sobald man stürzt, hat das Wasser eine enorme Kraft”, erklärt Plaichner. Selbst geübte Schwimmer hätten dann Schwierigkeiten, wieder aufzustehen oder Halt zu finden. Verwirbelungen, Steine oder Hindernisse erhöhen zusätzlich das Risiko.

Neben Ausrüstung und Gewässer spielt auch das Wetter eine zentrale Rolle. Viele Einsätze entstehen, weil Veränderungen zu spät erkannt werden. “Die meisten Probleme draußen haben mit aufkommendem Wind zu tun”, sagt Plaichner. Sturmwarnungen sollten deshalb unbedingt ernst genommen werden – auch wenn es zunächst noch ruhig erscheint.
Der Wunsch, den Sommertag auszukosten, führt oft dazu, Warnzeichen zu ignorieren. “Man glaubt, es geht sich noch aus”, so Plaichner. Doch genau diese Fehleinschätzung kann gefährlich werden.
10 Sicherheitstipps für Wassersport mit Freizeitgeräten
- Schwimmweste tragen
Für Kinder Pflicht, für Erwachsene dringend empfohlen – sie verschafft im Ernstfall Zeit. - Leash beim Stand-up-Paddling nutzen
Die Verbindungsleine hält das Board in Reichweite und verhindert, dass es abtreibt. - Geräte regelmäßig prüfen
Aufblasbare Geräte können beschädigt werden – vor jeder Nutzung kontrollieren. - Wind und Wetter beobachten
Schon kleine Böen können gefährlich werden. Sturmwarnungen unbedingt ernst nehmen. - Nie ohne Verbindung zum Gerät ins Wasser gehen
Wer sich abkühlt, sollte immer Kontakt zum Board oder Boot halten. - Distanzen realistisch einschätzen
Wege wirken vom Ufer kürzer – im Wasser sind sie oft deutlich anstrengender. - Ruhige Gewässer für Anfänger wählen
Seen oder geschützte Bereiche sind sicherer als Flüsse oder stark befahrene Zonen. - Fließgewässer meiden oder besonders vorsichtig sein
Strömung, steigender Wasserstand und Hindernisse machen Flüsse unberechenbar. - Auf Sonnenschutz und Kreislauf achten
Hitze, Anstrengung und plötzliche Abkühlung belasten den Körper stärker, als gedacht. - Warnsignale ernst nehmen und rechtzeitig umkehren
Nicht darauf vertrauen, “dass es sich noch ausgeht” – früh reagieren kann entscheidend sein.