Unzertrennlich und stark – Walter Müller pflegt seine Frau trotz eigener Krankheit

Brigitta Müller sitzt aufgrund von Spätfolgen einer Kinderlähmung im Rollstuhl – ihr Mann beweist dabei, was Liebe wirklich bedeutet.
Bürs Vor knapp zehn Jahren überstand Walter Müller zweimal Krebs, aktuell hat er Arthrose und sollte sich laut Orthopäden einer Knieoperation unterziehen. „Das mache ich aber erst, wenn ich wirklich Schmerzen habe, weil ich ansonsten drei Monate ausfallen würde und mich nicht um meine Frau kümmern könnte“, sagt der 83-jährige Bürser, der seine Frau Brigitta Müller (94) seit Jahren pflegt.

Gesundheitliche Einschränkungen
Im Alter von sechs Jahren erkrankte Brigitta Müller an der Kinderlähmung Poliomyelitis. „Es war im August, ein Monat vor Schulbeginn“, erinnert sie sich. „Ein halbes Jahr lang war ich vom Becken abwärts gelähmt und konnte auch nicht selbstständig essen.“ Ein Jahr später konnte sie dann die Schule besuchen, doch sie musste mit einem Leiterwagen in die Schule gebracht und von den Lehrern in die Klasse getragen werden.
Nach einem weiteren Schuljahr war Brigitta Müller wieder selbstständig. Zurückgeblieben war lediglich ein schmerzloses Hinken. Sie konnte wieder alles machen, von Wandern bis hin zu Tanzen in der Trachtengruppe Bludenz. Dort lernte sie auch Walter Müller kennen, den sie bald darauf heiratete. Erst danach zeigte sich wieder eine Einschränkung infolge der Infektionskrankheit: Wegen der körperlichen Belastung wurde ihr von mehr als zwei Kindern abgeraten. Sie bekam also genau zwei und hat heute sieben Urenkel.

„Mit etwa 55 Jahren begann sie stärker zu hinken und benötigte einen Gehstock, zehn Jahre später einen Rollator und mit circa 80 Jahren schließlich einen Rollstuhl“, erzählt Walter Müller. Er erinnert sich an Zeiten, in denen sie auch noch mit dem Rollstuhl gereist sind, zum Beispiel nach Portugal oder an die Nordsee. „Freunde dachten, das sei zu mühsam, aber davon ließ ich mich nicht beirren.“ Er übernahm zunehmend Aufgaben für seine Frau, die sie nicht mehr erledigen konnte, und engagierte sich außerdem jahrelang als ehrenamtlicher Obmann des Krankenpflegevereins Bürs.

An erster Stelle
Heute übernimmt Walter Müller bis auf die Morgenwäsche alle pflegerischen Tätigkeiten für seine Frau: von der Körperpflege und dem Umziehen bis hin zur Unterstützung bei der Fortbewegung. Fast jeden Nachmittag geht er mit ihr im Rollstuhl spazieren und anschließend auf einen Cappuccino ins Café. Aufgrund eines neuen Autos für den Rollstuhltransport können die beiden nun auch wieder Ausflüge unternehmen, zum Beispiel an den Bodensee.

Dass nicht immer alles leicht ist, lässt sich dem Rentner kaum entlocken. Das Schwierigste sei das Heraus- und Hineinhieven in den Rollstuhl, und bis vor zwei Monaten musste er jede Nacht mindestens zweimal aufstehen, um seine Frau zu unterstützen. „Ich war müde und nahe am Burnout, aber jetzt, mit ein paar Anpassungen, geht es wieder gut“, schildert der ehemalige Unternehmer. Mehr Unterstützung bei der Pflege möchte er nur, wenn es unbedingt sein muss. Schlussendlich gibt auch seine Frau ihm viel: „Es ist schön, mit ihr zu reden und dass wir uns haben. Sie kommt für mich an erster Stelle.“

Für sein hingebungsvolles Engagement wurde Walter Müller mit dem Vorarlberger Pflegeaward 2026 in der Kategorie „Pflegende Angehörige und Betreuung daheim“ ausgezeichnet.