Vom Alkoholrausch zum Wunder der Heilung

19.05.2026 • 15:49 Uhr
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Anna griff viele Jahre zur Flasche. Inzwischen ist sie seit mehr als fünf Jahren trocken.

Anna trank sich beinahe zu Tode. Als sie nach vielen Jahren erkannte, dass sie ein Alkoholproblem hat, ging sie zu den Anonymen Alkoholikern. Das war ihre Rettung.

Schwarzach Anna (Name geändert) hatte eine unbeschwerte Kindheit und warmherzige Eltern. Trotzdem plagte sie innerlich ein Zerrissenheitsgefühl. “Ich war nervös, ruhelos und scheu.” Als Hauptschülerin entdeckte Anna den Alkohol für sich. “Der Alkohol half mir, das Leben zu meistern. Berauscht fühlte ich mich nicht mehr so zerrissen.” Mit vierzehn trank sie an Silvester mit einem Kollegen um die Wette. Beide landeten mit einer Alkoholvergiftung im Spital.

Obwohl Anna Probleme mit dem Alkohol hatte, legte sie die Matura ab. Danach arbeitete sie erfolgreich als Bilanzbuchhalterin. “Ich habe viele Jahre lang einen Top-Job gemacht.” Anfangs hatte sie den Alkohol noch halbwegs im Griff. “Bis zum 30. Lebensjahr beherrschte ich die Sucht.” Aber dann entglitt ihr die Kontrolle. “Ich konnte nicht mehr kontrollieren, wann ich trinke und wie viel ich trinke.” Es gab Abende, da becherte sie im Wirtshaus acht große Bier oder zehn Gläser Wein. Das blieb nicht ohne Folgen. Immer wieder musste sie sich krankschreiben lassen.

Völliger Kontrollverlust

Mit 33 Jahren war sie an einem absoluten Tiefpunkt. “Alles brach weg. Meine Beziehung ging in die Brüche, ich verlor mein Heim und meinen Job.” Anna griff nun noch häufiger zur Flasche. “Ich trank, um das Gefühl der Ruhelosigkeit zu betäuben.” Als Alkoholikerin sah sie sich trotzdem nicht. “Ich schaute nicht hin und war nicht ehrlich zu mir.”

Sie geriet immer tiefer in eine Abwärtsspirale. “Es kam zum völligen Kontrollverlust und zu Blackouts. Ich wusste nicht mehr, wo ich bin und wie ich heimgekommen war.” Mehrere Male überkamen sie in der Nacht Panikattacken. “Ich wachte auf und dachte, mein Herz bleibt stehen. Ich hatte Todesangst und so viel Alkohol im Körper, dass ich fast starb.” Nach jeder Attacke schwor sie sich: “Ich trinke nie wieder so viel.” Aber es blieb nur beim Vorsatz.

“Allein hätte ich es nicht geschafft, vom Alkohol loszukommen. Ich wäre untergegangen.”

Anna

Doch erstmals gestand sie sich ihr Alkoholproblem ein. “Zu einem Freund sagte ich: ‚Ich glaube, ich trinke zu viel. Ich muss zu den Anonymen Alkoholikern (AA) gehen.‘” Bei ihrem ersten AA-Meeting wusste sie nach zwei Minuten, “dass ich eine Alkoholikerin bin”. Dieses Treffen mit den Anonymen Alkoholikern fand am 16. März 2021 statt. Seit diesem Tag hat Anna keinen Tropfen Alkohol mehr angerührt. Ein Jahr lang ging sie sechs Mal in der Woche zu AA-Meetings. “Allein hätte ich es nicht geschafft, vom Alkohol loszukommen. Ich wäre untergegangen.” Im Zuge der AA-Treffen hatte sich Anna einer höheren Macht ergeben. “Ich vertraute darauf, dass Gott mir hilft und die geistige Gesundheit wiedergibt.”

Die heute 43-Jährige empfindet es als Wunder, dass sie ihre Alkoholsucht überwinden konnte. Seit sie abstinent lebt und Spiritualität in ihr Leben gekommen ist, hat sich ihr Leben zum Guten gewendet. Anna ist wieder gesund und voller Tatendrang. Zurzeit sucht sie nach einem Job. “Am liebsten würde ich mit suchtkranken Menschen arbeiten.”