Kunst als Kraftwerk der Wahrnehmung

Werke von Maria Anwander, Veronika Dirnhofer, Melanie Ebenhoch, Hubert Lampert, Johannes Ludescher, Carmen Pfanner und Ruth Schnell.
Schruns Mit „Filter 2.0“ knüpft das Kunstforum Montafon im Sommer 2026 an eine Ausstellungsidee an, die bereits 2016 unter dem Titel „Filter“ nach den Bedingungen des Sehens, Sammelns und Auswählens fragte. Damals stand die Sammlung des Landes Vorarlberg im Mittelpunkt, diesmal öffnet die illwerke vkw AG ihre Kunstsammlung. Zu sehen sind Werke von Maria Anwander, Veronika Dirnhofer, Melanie Ebenhoch, Hubert Lampert, Johannes Ludescher, Carmen Pfanner und Ruth Schnell. Die Schau, die am Samstag, den 20. Juni um 19 Uhr eröffnet wird, setzt ältere Ankäufe in Beziehung zu aktuellen Arbeiten und macht sichtbar, wie sich künstlerische Fragestellungen über Jahre verändern.

Thematische Gruppenausstellungen gehören seit langem zum Profil des Kunstforums Montafon. Nach Projekten wie „Der weiße Tod. Lawinen“, „Wasser.Kaft“ oder „Krieg und/oder Freiden?“ richtet „Filter 2.0“ den Blick auf Mechanismen, durch die Kunst wahrgenommen, gesammelt und weitergetragen wird. Zugleich stellt die Ausstellung eine Verbindung her: Ein Energieunternehmen und zeitgenössische Kunst mögen unterschiedlichen Welten angehören, doch beide schöpfen ihre Kraft aus der Region und stehen in einem Verhältnis zu Landschaft, Ressourcen und Veränderung.
Kunst, Wirtschaft und regionale Identität
Dass illwerke vkw Kunst sammelt, erscheint nicht bloß als Mäzenatentum. Es geht um ein Bewusstsein dafür, dass ästhetische Erfahrungen Werte schaffen und Haltungen sichtbar machen. Die Sammlung erzählt von künstlerischen Positionen und von einem Umfeld, in dem Kunst, Wirtschaft und regionale Identität miteinander in Beziehung treten. Roland Haas greift damit einen lange gehegten Wunsch auf, Verena Kaspar-Eisert war als Co-Kuratorin und Beraterin beteiligt.

Maria Anwander befragt gesellschaftliche Ordnungen, Konventionen und institutionelle Hierarchien. Ihr Blick gilt oft dem Kunstbetrieb selbst, seinen Regeln und Machtverhältnissen. Veronika Dirnhofer führt ihre Malerei je geregelter ihr die Welt erscheint, immer stärker in die Abstraktion.
Melanie Ebenhoch arbeitet an der Schnittstelle von Malerei, Skulptur und Installation. Sie greift Motive aus Film, Psychoanalyse, Architektur und Kunstgeschichte auf und nutzt Täuschungen und Irritationen, um Wahrnehmung fragwürdig werden zu lassen. Ihre Arbeiten untersuchen, was unter der sichtbaren Oberfläche liegt.

Hubert Lampert blickt auf mehr als vier Jahrzehnte künstlerischen Schaffens zurück. Der gelernte Werkzeugmacher und Prototypenbauer entwickelte Mobiles, Klangmaschinen, Codes und Arbeiten im öffentlichen Raum. Seine Werke sind durchdacht und von spielerischem Erfindungsreichtum getragen. „Jedes Ding hat drei Seiten“, sagt Lampert, und tatsächlich fordert seine Kunst dazu auf, Dinge umzudrehen.
Johannes Ludescher widmet sich seit Jahren den Findlingen. Seine scheinbaren Steine sind Vergrößerungen kleiner Gebirgssteine, konstruiert aus Zweigen und naturalistisch bemaltem Aquarellpapier. Aus dem Vorgefundenen entwickelt er eine Kunst der Beharrlichkeit. Carmen Pfanner denkt ihre textilen Arbeiten vom Begriff des Aggregats her. Die Transformation von Energie im Kraftwerk wird bei ihr zum Bild für Kunst. Ihre Werke verbinden technische Perfektion mit einem Befreiungsakt.

Ruth Schnell bringt zwei Werkgruppen zusammen, zwischen denen fast drei Jahrzehnte liegen: Projektskizzen aus den 1990er-Jahren und neue Arbeiten von 2025. Wiederkehrend geht es um die Übersetzung von Körper, Bild, Raum und technischen Systemen. In den neuen KI-gestützten Drahtkörpern verschmelzen Friedenstaube und Kampfdrohne oder Brot und Waffe.
FILTER 2.0
Maria Anwander | Veronika Dirnhofer | Melanie Ebenhoch | Hubert Lampert | Johannes Ludescher | Carmen Pfanner | Ruth Schnell
Eröffnung: Samstag, 20. Juni, 19 Uhr
Mittwoch, 24. Juni, 14 –16.30: kunstKINDERkunst-Workshop mit Helene und Franz Rüdisser
Samstag, 27. Juni, 18 Uhr: Führung mit Kurator Roland Haas
Donnerstag, 9. Juli, 20 Uhr: “Die Suche nach der eigenen Farbe”, Lesung mit Brigitte Herrmann, Moderation: Sabine Grohs
Samstag, 25. Juli, 17.30 Uhr: „Volksmusik neu gehört“, Konzert mit dem Schraml-Trio
Ausstellungsdauer: 21. Juni bis 7. August 2026
Öffnungszeiten: Mittwoch bis Freitag und Sonntag 16 – 18 Uhr, Eintritt frei