“Die Bodensee-Querung war das Härteste, was ich jemals gemacht habe”

Der Dornbirner Extremschwimmer Bernhard Hengl durchschwimmt in wenigen Tagen den Lago Maggiore. Mit seiner Aktion möchte er Menschen mit Neurofibromatose unterstützen.
Dornbirn/Vöcklamarkt Seit seiner Kindheit ist das Wasser sein Element. Bernhard Hengl (heute 43) kam mit acht Jahren zum Schwimmverein und mit zehn Jahren zum Wasserballverein. “Den leitete mein Vater.” Hengl war als Wasserballer erfolgreich. Er brachte es bis zum Kapitän des österreichischen Wasserball-Nationalteams. Außerdem gewann er mit seiner Mannschaft mehrfach die Bundesliga.

Im Jahr 2016 traf den Dornbirner, der mit seiner Frau Elena und seinen fünf Kindern in Oberösterreich (Vöcklamarkt) lebt, ein Schicksalsschlag. “Ich erkrankte an Lymphdrüsenkrebs und musste mich einer harten Chemotherapie unterziehen.” Trotzdem blieb er optimistisch. “Ich habe nicht daran gedacht, dass ich an der Krankheit sterben könnte. Nur einmal zweifelte ich eine halbe Stunde lang.”
Während der achtmonatigen Krebstherapie verlor der begeisterte Wasserballer sein Ziel nicht aus den Augen. “Ich wollte wieder gesund werden und mit meiner Mannschaft den zehnten Bundesligatitel gewinnen.” Das gelang ihm schließlich auch im Jahr 2017. Danach beendete der Manager eines großen Logistikunternehmens schweren Herzens seine Karriere als Wasserballer. “Der Sport ließ sich nicht mehr mit meiner Familie und meinem Job vereinbaren.”

Das Ende seiner aktiven Sportlerlaufbahn katapultierte ihn in eine Identitätskrise. “Sieben Jahre lang war ich auf der Suche nach mir selbst.” Um die innere Leere zu überwinden, probierte er sportlich alles Mögliche aus. Unter anderem versuchte sich Hengl im Trailmarathon. “Am Gipfel erkannte ich, dass ich kein Läufer bin, sondern ein Schwimmer. Dort oben kam mir erstmals die verrückte Idee, den Bodensee zu durchschwimmen. Das hatte bisher noch kein Österreicher geschafft.”
Jetzt hatte Hengl wieder ein Ziel, ein außergewöhnliches Ziel. Ihm war es ein Anliegen, zu zeigen, dass man selbst nach schweren Lebensphasen über sich hinauswachsen kann. “Außerdem möchte ich Menschen, die an der seltenen Tumorerkrankung Neurofibromatose leiden, eine Stimme geben, mit meinen Aktionen auf sie aufmerksam machen und Spenden für sie sammeln.”

Hengl weitete sein ehrgeiziges Vorhaben aus. Nun hatte er sich zum Ziel gesetzt, die sieben Alpenseen Bodensee, Attersee, Wörthersee, Gardasee, Vierwaldstättersee, Genfersee und den Lago Maggiore schwimmend zu durchqueren – ohne Pause und ohne Neoprenanzug.
Im Vorjahr begann seine “Alpine Seven”-Challenge mit der Durchquerung des Attersees. “Das war die Hölle, weil ich Schmerzen an den Ellenbogen und an den Schultern hatte.” Trotzdem: Ans Aufgeben dachte er nie. Danach folgte der Bodensee. “Nach acht Kilometern bekam ich eine Panikattacke.” Er überwand sie durch ein Lied, das ihm seine Begleiter im Boot vorspielten. Der 43-Jährige meisterte die Seequerung der Länge nach und schrieb damit österreichische Schwimmgeschichte. “Aber es war das Härteste, was ich je gemacht habe.” Auch den Wörthersee bezwang der Extremschwimmer im Vorjahr, obwohl er wegen einer Magen-Darm-Erkrankung geschwächt war.

In wenigen Tagen wird Bernhard Hengl den rund 66 km langen Lago Maggiore schwimmend durchqueren. “Das wird eine große Herausforderung. Diese Etappe zählt zu den anspruchsvollsten der gesamten Challenge. Ich hoffe, dass ich sie in 20 Stunden schaffe. Wenn die Strömung gegen mich ist, dann habe ich aber ein gewaltiges Problem.” Im Juli und im September folgen der Vierwaldstättersee und der Gardasee, der Genfersee ist im nächsten Jahr geplant.
Hengl, der bei der “Alpine Seven”-Challenge schier Unmögliches vollbringt, hat zu sich gefunden und – neben seiner Familie und seinem Beruf – einen weiteren Sinn in seinem Leben entdeckt. “Ich möchte Menschen inspirieren und sie dazu ermutigen, ihre selbstgesteckten Ziele zu erreichen.”
Spendenkonto: NF Kinder, Neurofibromatoseforschung, Allgemeine Sparkasse OÖ, IBAN: AT33 2032 0321 0028 0208; BIC: ASPKAT2LXXX; Verwendungszweck: The Alpine Seven