“In England kennt dich niemand” – Warum Käse Moosbrugger dort Gold holte

Stefan und Elias Moosbrugger (v. l. n. r.) VN/DJSOHM
30 Jahre nach der Firmengründung gewinnt Stefan Fessler mit Blüten und Käse Gold. Dabei ist sein Geheimnis nicht das Rezept.
MÄDER Als bei der International Cheese & Dairy Expo in England der Name von Käse Moosbrugger fällt, hält Stefan Fessler für einen Moment den Atem an. Mehr als 4000 Käsespezialitäten aus aller Welt wurden für den renommierten Wettbewerb eingereicht. Ausgezeichnet wird schließlich der “Blossom Magic” – ein mit Blüten veredelter Schnittkäse aus dem Bregenzerwald. Gold in der Kategorie “Mountain Cheese”. Für Fessler ist die Medaille weit mehr als eine schöne Trophäe. Sie ist die Bestätigung von 30 Jahren Leidenschaft.

“Ehrfurcht, Stolz – und einfach Freude”, beschreibt der Geschäftsführer den Moment der Preisverleihung. Am 1. Juli 2026 hat er sein 30-jähriges Firmenjubiläum gefeiert. Dass kurz darauf eine internationale Auszeichnung folgt, empfindet er als besonderes Geschenk. “Im Ausland bist du ein No-Name. Dort entscheidet wirklich nur das Produkt”, sagt Fessler. Genau deshalb misst er dieser Goldmedaille einen besonders hohen Stellenwert bei.
30 Jahre und einen tollen Namen
Dass Käse Moosbrugger heute auf Verpackungen in Frankreich, Kanada, Finnland oder künftig verstärkt auch in England zu finden ist, war vor drei Jahrzehnten kaum vorstellbar. Als Stefan Fessler am 1. Juli 1996 den Schritt in die Selbstständigkeit wagte, entschied er sich bewusst gegen seinen eigenen Nachnamen. “Fessler klingt nicht besonders bregenzerwälderisch”, erzählt er schmunzelnd. Den Namen Moosbrugger übernahm er mit Zustimmung seines damaligen Schwiegervaters, dessen Familie eng mit der Vorarlberger Käsetradition verbunden war. “Ich habe mir gedacht: Käse Moosbrugger – das klingt einfach richtig.”

Jedes Land hat einen anderen Geschmack
Produziert wird der prämierte Käse nicht direkt im eigenen Haus. Die Stärke des Unternehmens liegt in der Veredelung. Gemeinsam mit ausgewählten Sennereien entwickelt Fessler den Käse nach den Wünschen seiner Kunden. Fettgehalt, Reifegrad, Lochung oder Würze werden individuell festgelegt, anschließend werden die Laibe mit Kräutern, Blüten oder Gewürzen verfeinert. So entstehen Spezialitäten wie Zirbenkäse, Lavendelkäse, Brennnesselkäse oder Aniskäse – abgestimmt auf die Vorlieben der jeweiligen Märkte.

“Wir überlegen immer zuerst: Was schmeckt den Menschen in diesem Land?”, erklärt Fessler. Während in Frankreich Anis und Lavendel gefragt sind, überzeugte in England der “Blossom Magic” mit seiner essbaren Blütenrinde. “Wir passen uns den Kunden an, nicht umgekehrt.”
Die Goldmedaille soll nun vor allem den Markteintritt in Großbritannien erleichtern. Dort arbeitet Käse Moosbrugger mit einem Generalimporteur zusammen, der den ausgezeichneten Käse bei großen Handelsketten platzieren möchte. “Für unseren Partner ist diese Auszeichnung ein Türöffner”, sagt Fessler. “Für mich ein Beweis dafür, dass Vorarlberger Käse auch international ganz vorne mitspielen kann.”
Der Laden in Mäder ist das Testlabor
Trotz des Erfolgs bleibt der Unternehmer bodenständig. Im Käseladen in Mäder werden laufend neue Sorten getestet. Kunden dürfen probieren und geben direkt Rückmeldung. “Das ist unser Testlabor. Dort sehen wir sofort, was funktioniert und was nicht.”

Wenn Fessler auf seine 30 Jahre zurückblickt, spricht er nicht zuerst über Medaillen oder Exporterfolge. Er erinnert sich vielmehr an schwierige Zeiten, an Jahre mit hohen Schulden und an Rückschläge. “Viele sehen heute nur den Erfolg”, sagt er. “Aber man muss auch wieder aufstehen, wenn man am Boden liegt.”
Genau darin sieht der Käsehändler den Schlüssel seines Erfolgs. Nicht Glück allein, nicht Talent und auch nicht eine einzelne Goldmedaille hätten das Unternehmen dorthin gebracht, wo es heute steht. “Durchhalten ist das Geheimnis”, sagt Stefan Fessler.