Architektur als Zeichen der Zugehörigkeit

11.08.2026 • 11:18 Uhr
Architektur als Zeichen der Zugehörigkeit
Darko Todorovic

VN-Kommentar von Verena Konrad.

Wenn über eine neue Moschee gesprochen wird, rückt die Architektur oft erstaunlich schnell in den Hintergrund. Dabei liegt genau dort eine große Chance. Denn bevor ein Gebäude zum Symbol für etwas werden kann, ist es Teil der Stadt. Es prägt einen Ort, schafft Beziehungen zum öffentlichen Raum und wird Teil des Alltags vieler Menschen.

Die Position des Dornbirner Bürgermeisters Markus Fäßler ist bemerkenswert. Es trennt zwei Fragen, die in öffentlichen Debatten oft vorschnell vermischt werden. Die eine betrifft die Religionsfreiheit. Dass eine muslimische Glaubensgemeinschaft ihren Glauben leben und dafür angemessene Räume schaffen können soll, ist durch unsere Verfassung geschützt und sollte nicht zur Disposition stehen. Die andere Frage betrifft die Architektur und den Städtebau. Wie sich ein Bauwerk in seine Umgebung einfügt, welche Qualität es entwickelt und welchen Beitrag es zum öffentlichen Raum leistet, ist die legitime Aufgabe der Stadtplanung und muss damit im Interesse der Stadt liegen. Dass der vorliegende Entwurf überarbeitet, ein Architekturwettbewerb durchgeführt und die städtebaulichen Fragen sorgfältig geprüft werden sollen, ist Ausdruck dieses Qualitätsanspruchs.

Gerade darin liegt eine große Chance für alle Beteiligten. Architektur ist weit mehr als eine Hülle für eine Nutzung. Sie macht sichtbar, wie sich eine Gemeinschaft versteht und wie sie sich in die Stadt einbringen möchte. Gute Architektur schafft Identität – nach innen ebenso wie nach außen. Sie stiftet Würde, Offenheit und Qualität.

Vorarlberg kennt dafür bereits ein eindrucksvolles Beispiel. Der Islamische Friedhof in Altach wird seit seiner Entstehung vor etwas mehr als zehn Jahren international beachtet, weil es gelungen ist, religiöse Tradition und zeitgenössische Architektur in einer außergewöhnlichen Qualität zusammenzuführen. Das Projekt hat gezeigt, wie Architektur Brücken bauen kann –indem sie einem wichtigen gesellschaftlichen Anliegen eine selbstverständliche und hochwertige Form gibt. Der Friedhof wurde zu einem wichtigen Teil der Vorarlberger Baukultur, wichtiger aber noch: er wurde zu einem sichtbaren Zeichen für gelungene Integration und zu einem Vorbild für Prozesse, denn der Weg dorthin hat viele offene Themen gewürdigt und Menschen im Dialog zusammengeführt. Dieser Prozess wirkt bis heute sozialpolitisch nach.

Vielleicht liegt darin die wichtigste Erkenntnis für das Projekt in Dornbirn. Eine Moschee muss sich nicht rechtfertigen. Wohl aber darf von einem Gebäude dieser Bedeutung und Größenordnung erwartet werden, dass es einen überzeugenden Beitrag zur Stadt leistet. Das ist kein Sondermaßstab, sondern Ausdruck von Wertschätzung – gegenüber der Stadt ebenso wie gegenüber der Gemeinschaft, die dieses Haus errichten und nutzen wird.