21 Gemeinden, 2900 Grundstücke: 400-Millionen-Stromleitung geht jetzt ins Großverfahren

18.08.2026 • 16:30 Uhr
Durch Vorarlberg laufen gesamt zwei Transitleitungen: erstens die 220-Kilovolt-Leitung von Bürs nach Hohenweiler und weiter nach Herbertingen und zweitens die 380-Kilovolt-Leitung ebenfalls von Bürs zur Staatsgrenze und weiter nach Dellmensingen. <span class="copyright">VN/Stiplovsek</span>
Durch Vorarlberg laufen insgesamt zwei Transitleitungen: einerseits die 220-Kilovolt-Leitung von Bürs nach Hohenweiler und weiter nach Herbertingen und andererseits die 380-Kilovolt-Leitung ebenfalls von Bürs zur Staatsgrenze und weiter nach Dellmensingen. VN/Stiplovsek

Die Generalerneuerung der 100 Jahre alten 220-kV-Leitung, der sogenannten Herbertinger-Leitung, von Bürs nach Hohenweiler wird konkret. 259 Masten sollen ersetzt werden, nun startet das behördliche Großverfahren. Betroffen sind rund 1900 Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer.

Schwarzach Seit Jahren planen die illwerke vkw die Generalerneuerung einer der wichtigsten Stromtransitleitungen Vorarlbergs. Nun geht das 400-Millionen-Euro-Projekt in die nächste entscheidende Phase: Die Bezirkshauptmannschaft Bregenz hat das Großverfahren für die Erneuerung der 220-kV-Leitung von Bürs nach Hohenweiler kundgemacht. Damit beginnt die formelle Prüfung des Mammutprojekts.

Die Leitung ist 70,9 Kilometer lang, wurde zwischen 1924 und 1928 errichtet und führt heute durch 21 Gemeinden. Insgesamt stehen 259 Masten entlang der Trasse, betroffen sind laut illwerke vkw rund 2900 Grundstücke und rund 1900 Grundeigentümerinnen und Grundeigentümer. Jeder Mast soll im Zuge der Erneuerung abgebaut werden. Die Fundamente werden entfernt und neu errichtet, anschließend kommen neue Stahlgittermasten und neue Leiterseile.

21 Gemeinden, 2900 Grundstücke: 400-Millionen-Stromleitung geht jetzt ins Großverfahren
Nach fast 100 Jahren hat die Leitung das Ende ihrer technischen Lebensdauer erreicht. Die Masten, wie dieser über Wolfurt, sollen erneuert und erhöht werden. VN/Prock

An der grundsätzlichen Trasse soll sich nichts ändern. Gleichzeitig wird die Leitung an vielen Stellen deutlich höher. Nach den ursprünglichen Planungen sollen die neuen Masten deutlich höher ausfallen: Statt durchschnittlich rund 43 Metern könnten sie künftig bis zu 51 Meter hoch sein. Grund dafür sind unter anderem die höhere Stromtragfähigkeit und größere Abstände der Leiterseile zum Boden.

“Schlagader” Richtung Deutschland

Die illwerke vkw begründen die Investition mit dem Alter der Leitung und ihrer Bedeutung für das europäische Stromsystem. Die sogenannte Herbertinger-Leitung, benannt nach dem deutschen Zielort, verbindet die Kraftwerksgruppe Obere Ill-Lünersee mit dem deutschen Stromnetz.

Das Archivbild der illwerke vkw zeigt die Bauarbeiten zur Hochspannungsleitung von Bürs nach Hohenweiler im Jahr 1928. <span class="copyright">illwerke vkw</span>
Das Archivbild zeigt die Bauarbeiten zur Hochspannungsleitung von Bürs nach Hohenweiler im Jahr 1928. illwerke vkw

Über sie wird Strom in Richtung Deutschland transportiert und umgekehrt. “Sie hat daher eine große Bedeutung für das europäische Verbundnetz, für das Gelingen der Energiewende und für den Netzwiederaufbau im Falle eines Blackouts”, erklärt Pressesprecher Andreas Neuhauser von den illwerke vkw auf VN-Anfrage. Die neue Leitung soll nicht nur leistungsfähiger, sondern auch ausfallsicherer werden.

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Zudem sollen neue Viererbündel-Leiterseile unter anderem das bisher bekannte Knistergeräusch reduzieren. Eine Verkabelung im Boden wurde laut illwerke vkw geprüft, aber als nicht machbar verworfen.

Kritik aus Lochau

Das Projekt ist allerdings nicht unumstritten. Bereits im vergangenen Jahr sorgte vor allem die Frage nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung für einen Rechtsstreit. Eine Gruppe aus Lochau bekämpfte den UVP-Feststellungsbescheid, wonach für die Erneuerung keine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig sei – die VN berichteten. Die Kritiker argumentieren unter anderem, dass die vollständige Entfernung der bestehenden Fundamente und der Neubau der Masten einem Neubau gleichkämen.

Insgesamt stehen auf der 70,9 Kilometer langen Strecke zwischen Bürs und Hohenweiler 259 Hochspannungsmasten. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Insgesamt stehen auf der 70,9 Kilometer langen Strecke zwischen Bürs und Hohenweiler 259 Hochspannungsmasten. Die 21 Standortgemeinden sind Bürs, Bludenz, Nüziders, Nenzing, Frastanz, Göfis, Feldkirch, Rankweil, Meiningen, Koblach, Mäder, Altach, Hohenems, Dornbirn, Lustenau, Wolfurt, Kennelbach, Bregenz, Lochau, Hörbranz und Hohenweiler.VN/Paulitsch

Besonders in Lochau sorgt die Trasse für Diskussionen, weil die Leitung dort teilweise sehr nahe an Wohngebieten verläuft. Die Projektgegner, die im Jänner eine Petition einbrachten, forderten deshalb, Alternativen ernsthaft zu prüfen, etwa eine Verlegung in den Pfändertunnel.

Jetzt beginnt die Einspruchsfrist

Mit der Kundmachung wird das Projekt nun behördlich konkret. Die Unterlagen können von 19. August bis 30. September 2026 von den Parteien und sonstigen Beteiligten eingesehen werden. In diesem Zeitraum können auch schriftliche Einwendungen eingebracht werden. Das Verfahren betrifft unter anderem das Starkstromwegegesetz, das Wasserrecht, das Forstrecht sowie Naturschutz und Landschaftsentwicklung. Zuständig für die Bündelung des Verfahrens ist die Bezirkshauptmannschaft Bregenz.

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Die mündlichen Verhandlungen sind für 3. und 4. November 2026 im Vinomnasaal in Rankweil angesetzt. Der frühestmögliche Baubeginn ist nach aktuellem Stand 2029. “Die Bauzeit wird voraussichtlich mindestens zwei Jahre betragen”, sagt Neuhauser. Eine Fertigstellung wäre damit frühestens 2030 möglich.

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