Ein paar Monate ganz nah bei den Kindern

03.11.2026 • 10:00 Uhr
Ein paar Monate ganz nah bei den Kindern
Sebastian Vith war gerne in Karenz. Dadurch wurde die Beziehung zu den Kindern enger.
VN/Stiplovsek

Sebastian Vith hat zwei Kinder. Bei jedem ging der Dornbirner für einige Monate in Karenz.

Dornbirn Sebastian Vith (38) und seine Frau entschieden sich in ihren Dreißigern für Kinder. “Wir beschlossen, dass wir uns die Karenz teilen.” Als das erste Kind, eine Tochter, acht Monate alt war, ging der studierte Betriebswirt und Soziologe für sieben Monate in Elternkarenz. Seinem Arbeitgeber, dem Landesrechnungshof, teilte er es einige Monate vorher mit. “Dort war man im ersten Moment überrascht, aber danach gab es viel Unterstützung vom Arbeitgeber.” Auch bei seinem heute 16 Monate alten Sohn nahm Vith fünf Monate Elternzeit. Der Beruf ging ihm in der Karenz nicht ab. Sein Alltag war mit Kindern und Haushalt ausgefüllt.

Die berufliche Auszeit der Kinder wegen, so sagt er, habe viele schöne Seiten gehabt. “Du erlebst die Entwicklung der Kinder hautnah mit. Der erste Zahn, die ersten Worte, die ersten Schritte. Es ist schön, all das miterleben zu dürfen und dabei zusehen zu können, wie sie anfangen, die Welt zu erkunden.” In Sachen Freude konnte Vith viel von seinen Kindern lernen. “Kleine Kinder strahlen eine Grundfreude aus. Sie leben einem die Freude am Leben vor, sei es beim Himbeerpflücken oder beim Ballspielen.”

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Dieses Foto entstand im Urlaub in Straßburg.

Durch die Zeit, die er mit den Kindern verbrachte, ergab sich eine tiefe Beziehung zu ihnen. “Ich lernte sie besser kennen.” Auch feste Rituale stärkten die Verbindung zum Nachwuchs. “Ich habe meiner Tochter jeden Abend eine Gutenachtgeschichte vorgelesen und mit meinem Sohn regelmäßig Bilderbücher angeschaut.”

Aber das Zusammensein mit den Kindern hatte auch herausfordernde Seiten. “Es lief nicht immer glatt.” Er war gefordert, wenn sie krank waren oder wenn es ihm selbst nicht gut ging. “Einmal musste ich wegen einer Schleimbeutelentzündung am Ellenbogen einen Gips am Arm tragen. Mit nur einer Hand ist man stark eingeschränkt. Da mussten mir meine Frau und die Großeltern helfen.”

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Als Vater war Sebastian Vith auf dem Spielplatz eher die Ausnahme.

Der Gesundheit wegen und um zu verhindern, dass ihm zu Hause die Decke auf den Kopf fällt, unternahm er viel mit den Kindern im Freien. “Wir sind oft auf den Spielplatz gegangen.” Dort war er als Vater eher die Ausnahme. “Ich bin mit Müttern ins Gespräch gekommen. Sie hatten mir gegenüber keine Vorbehalte. Niemand wunderte sich über mich.” Um den Kopf freizubekommen, gönnte sich Vith einmal in der Woche eine Stunde Sport. “Dann sprang meine Frau für mich ein.”

Vith hat großen Respekt vor Müttern. Denn: “Kinder zu haben ist ein Vollzeitjob – mit Überstunden und Nachtschichten.” Trotzdem hat er die Elternzeit nicht bereut. “Ich habe sie positiv erlebt und durfte sehr viele bereichernde Erfahrungen machen. Die Zeit ist wie im Flug vergangen.” Gegen Ende der Karenz kam bei ihm aber Vorfreude auf. “Ich freute mich auf meine Arbeit. Denn ich mache sie gerne. Sie ist sehr abwechslungsreich.” Vith prüft, wie die Abteilungen der Landesverwaltung öffentliche Mittel verwenden. Wegen der Kinder aber haben er und seine Frau ihre Arbeitszeit von 100 auf 75 Prozent reduziert. “Wir sind froh, dass wir beide in Teilzeit arbeiten können. Das gibt uns mehr Zeit für unseren Nachwuchs.”

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Nur einmal in der Woche gönnte sich Sebastian Vith in der Karenzzeit eine Stunde Sport.