Hier ist bereits die nächste Generation am Werk

Jeder vierte Betrieb vor Übergabe: Sebastian Metzler und Felix Loacker zeigen, wie unterschiedlich Nachfolge aussehen kann.
Götzis Sebastian Metzler (35) ist im Bregenzerwälder Familienunternehmen Mevo Metzler groß geworden und übernahm als einer der Söhne auch eine leitende Funktion. Heute führt er die Geschicke eines anderen Betriebs: Pfanner Schutzbekleidung in Koblach. Felix Loacker (38) hat aus dem ursprünglichen Einzelhandelsgeschäft seiner Eltern mit Alpin Loacker eine auf den Onlinehandel fokussierte Marke für Outdoor-Ausrüstung aufgebaut.

52.500 Betriebe vor Übergabe
Zwei unterschiedliche Wege, die zeigen, wie individuell Unternehmensnachfolgen sein können. Gleichzeitig bleibt der Bedarf an Nachfolgern hoch. Denn bis zum Jahr 2034 stehen laut Daten der Wirtschaftskammer 52.500 Arbeitgeberbetriebe in Österreich und damit fast jeder vierte vor der Übergabe. Nur bei 55 Prozent gibt es auch einen Nachfolger aus der Familie.

Um stärker auf die Möglichkeiten der Unternehmensnachfolge aufmerksam zu machen, haben Unternehmensberater Peter Flatscher (veicus) und die Vorarlberger Sparkassen die Nachfolgeinitiative “Chef gesucht” ins Leben gerufen. Die Sparkassen bringen ihr Finanzierungs-Know-how ein, veicus begleitet die Nachfolgeprozesse strategisch und organisatorisch. Ob familienintern oder durch den Einstieg von außen: Eine Übernahme sei eine attraktive Alternative zur Neugründung und biete die Chance, einen Betrieb zu führen, ohne bei null anfangen zu müssen, sagt Peter Flatscher.

Vom Laden zum Onlineshop
Felix Loacker übernahm zunächst das Geschäft seiner Eltern in Götzis, schloss es später aber und konzentrierte sich auf den Onlinehandel. “Ich habe dort einfach mehr Zukunft gesehen.” Heute versendet Alpin Loacker rund 365.000 Artikel pro Jahr. Im Februar kam durch einen Asset Deal ein weiteres Unternehmen hinzu: Er kaufte die Barfußschuhmarke Feelgrounds.

Strukturiert und positiv
Auch Sebastian Metzler arbeitete zunächst im Familienbetrieb. “Hier bin ich groß geworden.” Aufgrund gewisser äußerer Umstände schlug er schließlich einen anderen Weg ein. “Nicht im negativen Sinn, sondern sehr strukturiert und positiv.” So ergab es sich, dass er Geschäftsführer eines anderen Familienunternehmens wurde: Pfanner Schutzbekleidung. Im vergangenen Jahr begleitete er auch den Verkaufsprozess an den Finanzinvestor GENUI.

Als damals 34-Jähriger in ein bestehendes Unternehmen einzutreten, sei durchaus “spannend” gewesen. “Man verändert gewachsene Strukturen und gestaltet Prozesse neu. Deshalb muss man auch einen Raum für Fehler schaffen”, sagt Metzler.
“Übernahmen können viele Facetten haben, auch rechts und links vom Standard”, betonen Peter Flatscher und Drazan Tadic, der bei den Sparkassen die Expertenstelle für Nachfolge leitet. Oft sei es ein Marathon, den passenden Übernehmer mit einem Übergeber zusammenzubringen. Für den Standort Vorarlberg sei aber entscheidend, dass bestehende Betriebe einen Nachfolger finden. “Sonst gehen Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Know-how verloren.”

Felix Loacker hat für das kommende Jahr jedenfalls große Pläne. Trotz des Online-Schwerpunkts soll im Jänner in Weiler ein stationärer Shop eröffnen, in dem sowohl die Schuhe von Feelgrounds als auch die Eigenmarken verkauft werden. “Die Kunden wollen die Produkte anschauen und angreifen.” Außerdem ist ein eigenes Lager in den USA geplant.

Wachstum auf der Agenda
Sebastian Metzler will bei Pfanner und Protos das internationale Wachstum weiter vorantreiben. Dass die Unternehmen inzwischen in Private-Equity-Hand sind, sieht er durchaus positiv. “Sie haben andere Ansätze und Ziele, aber dafür auch mehr Kapital und dadurch mehr Chancen auf Wachstum.”