Briefwählen liegt voll im Trend

Am 29. September können Wahlberechtigte ihre Stimme erneut per Briefwahl abgeben.
Dornbirn. „Ich verstehe, dass viele Österreicher der Politik überdrüssig sind. Aber solange Menschen in einigen Ländern dieser Welt dafür kämpfen und sterben, frei wählen zu dürfen, kann ich nicht auf mein Wahlrecht verzichten“, sagt Johanna Köb. Gewählt hat sie schon. Per Briefwahl. Und damit liegt sie voll im Trend. Die 28-Jährige ist viel unterwegs. Eine richtige Globetrotterin. Doch das hält Johanna Köb nicht davon ab, ihr Kreuz auf ihrem Stimmzettel zu setzen: „Ich habe bereits zwei oder drei Mal per Briefwahl gewählt. Es ist überhaupt nicht kompliziert zu beantragen und funktioniert reibungslos“, sagt die politikinteressierte junge Frau und fügt hinzu: „Wählen ist mir wichtig.“ Auslandsösterreicher haben das Recht zur Wahl-Teilnahme, sofern sie in die Wählerevidenz einer österreichischen Gemeinde eingetragen sind.
Die gebürtige Dornbirnerin ist in Wien aufgewachsen. Ein Praktikum führte Johanna Köb 2004 nach der Matura zur US-Congress-Wahlkampagne von Blair Mathies. In dessen Wahlkampfbüro arbeitete sie beim Wahlkampf der Demokraten mit, was sie sehr beeindruckte. Aufgrund ihres Studiums der „International Affairs“ an der Hochschule St. Gallen unternahm sie einige Auslandsaufenthalte unter anderem in Mexiko und in den USA. Die Masterarbeit in Ressourcenpolitik schrieb sie in Medford bei Boston. In der Vergangenheit verband sie ihre „leider seltener gewordenen Heimatbesuche auch mit einem Wahlgang“. Seit zwei Jahren lebt und arbeitet sie in Zürich. Politik und Weltgeschehen verfolgt sie aufmerksam – besonders in Österreich. „Bekannte, die ebenfalls im Ausland leben, informiere ich via Mail oder Facebook über ihre Wahlmöglichkeiten“, sagt sie.
Den Wahlzettel per Briefwahl nach Hause geschickt zu bekommen, sich am Esstisch oder im Wohnzimmer Gedanken zu machen und bewusst das Kreuz zu setzen, davon machen immer mehr Österreicher Gebrauch – in Österreich und weltweit. Die neue Briefwahl (seit 2007) hat zu einem Rekord bei den Wahlkarten geführt. Fast zehn Prozent der 6,3 Millionen Wahlberechtigten in Österreich – genau 9,27 Prozent – wollen ihre Stimme per Wahlkarte abgeben. 586.759 Wahlkarten wurden heuer beantragt, so Robert Stein, Leiter der Wahlabteilung im Innenministerium. Das sind um 40 Prozent mehr als 2006.
Bei der Nationalratswahl am 29. September können die Wahlberechtigten ihre Stimme erneut per Briefwahl abgeben – und zwar nicht nur im Inland, sondern auch Auslandsösterreicher. Voraussetzung ist die Eintragung in die Wählerevidenz. Derzeit sind 42.534 „Pass-Österreicher“ in dieser Liste registriert. Der Auslandsösterreicher-Weltbund geht davon aus, dass rund 280.000 im Ausland lebende Österreicher wahlberechtigt wären.
500.000 Auslandsösterreicher
Dass diese Wählergruppe ein wichtiges Zünglein an der „Wahl-Waage“ sein können, zeigte sich schon bei früheren Wahlen. Nicht umsonst hat sich NEOS-Vorsitzender Matthias Strolz für die mittelfristige Etablierung eines eigenen Wahlkreises für die rund 500.000 Auslandsösterreicher ausgesprochen: „Die Welt ist unser zehntes Bundesland.“
Stichwort
Briefwahl
Wer sein Wahllokal nicht aufsuchen kann, hat die Möglichkeit, unter Angabe des Verhinderungsgrundes bei seiner Wohnortgemeinde eine Wahlkarte zu beantragen: Schriftlich bis kommenden Mittwoch oder mündlich bis Freitag, 12 Uhr. Die ausgefüllte Wahlkarte muss dann bis Sonntag, 17 Uhr, bei der zuständigen Wahlbehörde eingelangt sein.