Ein paar Decks tiefer
Als die Costa Concordia 2012 vor der Küste der Toskana auf Grund lief, waren alle Zutaten für den Medienhype vorhanden: Der Luxusliner stand für die prosperierende Kreuzfahrtindustrie, ein Kapitän, der sein Schiff im Stich ließ, die geheimnisumwitterte Geliebte. Nur die Eisberge fehlten, aber etwas Titanic schwang doch mit. „Costa Concordia“ – inzwischen ist der Name eine Marke. Wer ihn hört, hat die Geschichte im Augenblick präsent. Verfilmungen sind bestimmt schon im Schwange.
Lampedusa hat im Vergleich dazu ganz schlechte Karten. Nach Lampedusa sind Schiffe unterwegs wie jener Kutter, der seit dem Wochenende an der Mole von La Valetta vertäut liegt. Eine Nussschale, verglichen mit der Costa. 750 Menschen waren an Bord. Keine Drinks im Abendrot, sondern Messerstiche im Schiffsbauch. Ertrinkende Kinder, erstickte Alte. Die übliche Katastrophe. In kleineren Ausmaßen schafft sie es längst nicht mehr in die Weltpresse.
Ein Jahr nach dem Unglück der Costa Concordia hat Deutschland sein Seehandelsrecht reformiert, um Passagiere künftig schneller zu entschädigen. Der Umgang mit Flüchtlingen indessen harrt weiter eines Auswegs aus der kollektiven Ratlosigkeit.
thomas.matt@vorarlbergernachrichten, 05572/501-724
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