Länder einigen sich auf Rauchverbot für Junge

Politik / 31.03.2017 • 22:03 Uhr
Jugendliche unter 18 Jahren dürfen in Zukunft nicht mehr zum Glimmstängel greifen. Foto: dpa
Jugendliche unter 18 Jahren dürfen in Zukunft nicht mehr zum Glimmstängel greifen. Foto: dpa

Jugendreferenten beschließen neues Alterslimit: Erst ab 18 darf gequalmt werden.

krems. Derzeit ist Österreich neben Belgien und Luxemburg das einzige europäische Land, das Rauchen ab 16 Jahren erlaubt. Damit soll bald Schluss sein. Die zuständigen Jugendreferenten der Bundesländer haben sich am Freitag im niederösterreichischen Krems darauf geeinigt, dass Jugendliche unter 18 in Zukunft nicht mehr rauchen dürfen. Damit tragen sie eine entsprechende Initiative von Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) mit. Nun müssen noch die neun Landtage einen entsprechenden Beschluss fällen. Bereits ab Mitte 2018 soll das Verbot gelten.

Mehr Prävention

„Diese gemeinsame Entscheidung war ein wichtiger Schritt“, sagt Vorarlbergs Jugendreferent, Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP), im VN-Gespräch. Immerhin seien sich die Experten über den Nutzen des Verbots einig. „Man muss sich nur die Zahlen ansehen. Wenn bei den 15-Jährigen rund 30 Prozent rauchen, ist das ein viel zu hoher Wert.“ Die Anhebung des Schutzalters, ab dem man Zigaretten kaufen und rauchen darf, sei in Krems auf große Zustimmung gestoßen, berichtete auch der niederösterreichische Landesrat Karl Wilfing (ÖVP) in einer Pressekonferenz. Österreich habe zwar schon sehr viele Verbote, dieses sei aber „absolut sinnvoll“.

Gleichzeitig braucht es mehr Prävention, meint Wallner. Darüber habe in Krems ebenfalls Einigkeit geherrscht. Nun gehe es darum, auszuloten, welche begleitenden Maßnahmen sinnvoll wären. Karmasin erklärte, der Bund werde ein Maßnahmenpaket für die wirksame Prävention erarbeiten.

Die Familienministerin bezeichnete den Beschluss vom Freitag als einen Meilenstein in der gesundheitspolitischen Jugendpolitik. „Es hätte nicht besser laufen können.“  Ebenfalls erfreut zeigte sich Gesundheitsministerin Pamela Rendi-Wagner (SPÖ). Österreich sei beim Einstiegsalter leider immer noch Spitzenreiter, sagte sie zur APA.

Auch Primar Reinhard Haller, Leiter des Suchtkrankenhauses Maria Ebene, ist vom Sinn des Verbots überzeugt. Rauchen vor dem 18. Lebensjahr greife massiv in die körperliche und psychische Entwicklung ein, erklärt der Psychiater, Psychotherapeut und Neurologe. „Je früher das Rauchen beginnt, desto länger wird der Suchtprozess dauern und desto schwieriger ist der Ausstieg.“ Gelinge es, die kritische Einstiegsphase vom zwölften bis zum 18. Lebensjahr zu überstehen, sei es viel unwahrscheinlicher, dass jemals zum Glimmstängel gegriffen wird.

Mehr Annäherung

Die Referenten haben darüber hinaus beschlossen, an der Harmonisierung der Jugendschutzbestimmungen zu arbeiten. Wallner kann sich diesbezüglich eine Bund-Länder-Vereinbarung vorstellen. Er sieht bei den Ausgehzeiten oder dem Thema Alkohol Annäherungspotenzial. So dürfen Jugendliche beispielsweise in Vorarlberg alkoholische Getränke ab 16 Jahren konsumieren, gebrannten Alkohol gibt es aber erst ab 18. In anderen Bundesländern, wie etwa Niederösterreich, fallen diese zwei Stufen weg. Ab 16 Jahren sind alle alkoholischen Getränke, auch Gebranntes, erlaubt. „Es muss klar sein, dass man sich hier am strengeren Standard orientiert“, betont Wallner. Unter dem Vorsitz von Niederösterreich wird nun eine Arbeitsgruppe zur Harmonisierung der Jugendschutzbestimmungen eingerichtet. Ergebnisse sollen bei der nächsten Jugendreferentenkonferenz in einem Jahr in Tirol vorliegen.

Diese Entscheidung in Krems war ein wichtiger Schritt.

Markus Wallner