Pflegekräftemangel steigt in Vorarlberg am stärksten an

Politik / 25.03.2019 • 06:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der Bedarf an Pflegekräften wird von derzeit 63.000 bis 2030 auf 87.500 steigen. Bis 2050 sind laut Wifo sogar um 80.000 mehr erforderlich. APA

Österreichweit sind bis 2030 über 24.500 zusätzliche Kräfte nötig. In Vorarlberg braucht es um über 50 Prozent mehr als jetzt.

Birgit Entner-Gerhold

Wien Die Vorarlberger Pflegeheime kämpfen mit zunehmendem Fachkräftemangel. Sie stehen in Konkurrenz mit dem Spitalsbereich, der mit höheren Gehältern punkten kann. Es bestehe Handlungsbedarf, sagt die zuständige Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne) den VN. Die Langzeitpflege müsse attraktiver werden; unter anderem durch Förderungen und neue Ausbildungsangebote.

80.000 zusätzliche Pflegekräfte

Es ist aber nicht nur die Langzeitpflege, die um ihre Pflegekräfte kämpft. Der Bedarf nimmt in allen Bereichen zu, unabhängig von der schon bestehenden Personallücke. Das geht aus einem Bericht des Wirtschaftsforschungsinstituts hervor. Demnach wird es bis 2030 um 39 Prozent mehr Pflegekräfte als 2016 brauchen. Der Bedarf wird von 63.000 um 24.500 auf 87.500 steigen. Bis 2050 seien sogar um 80.000 oder 127 Prozent mehr Pflegekräfte erforderlich. Besonders viele würden in Vorarlberg fehlen, erklären die Wifo-Experten Ulrike Famira-Mühlberger und Matthias Firgo. Hier seien im Jahr 2030 um 52 Prozent mehr Pflegekräfte nötig, bis 2050 um 154 Prozent mehr.

Die Prognosen basieren auf Daten der Statistik Austria und der aktuellen Nachfrage nach Pflegedienstleistungen. Die Schätzung umfasst sowohl den Bereich der mobilen Pflege, für jene, die zu Hause gepflegt werden, als auch den stationären Bereich (Pflegeheime). Dabei wird von gleichbleibenden Personalschlüsseln ausgegangen, die bereits existierende Personallücke könne nicht abgebildet werden.

Der wesentliche Grund für die Erhöhung des Personalbedarfs ist die demografische Entwicklung. Während im Jahr 2017 knapp fünf Prozent der Österreicher 80 Jahre oder älter waren, wird im Jahr 2050  schon mehr als jeder Zehnte über 80 Jahre alt sein. Durch die Alterung der Gesellschaft geht gleichzeitig die Zahl an potenziellen Pflegepersonen im privaten Umfeld zurück.

Um den steigenden Pflegebedarf decken zu können, empfiehlt das Wifo, die Attraktivität der Pflegeberufe zu steigern. Dabei gehe es nicht nur um höhere Einkommen. Maßnahmen wären auch bei den Arbeitsbedingungen nötig. Zudem brauche es bessere Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, Lehrberufe im Bereich der Pflege sowie die Förderung der Höherqualifizierung von Personal.

Herausforderung Langzeitpflege

Landesrätin Wiesflecker sieht besonders im Bereich der stationären Langzeitpflege Herausforderungen. „Hier beträgt die durchschnittliche Organisationszugehörigkeit sechs Jahre.“ In der ambulanten Langzeitpflege liege sie bei acht und im Spitalsbereich bei 12,6 Jahren.

Grundsätzlich hält Wiesflecker fest, dass es einen guten Mix an Fachkräften brauche. Maßnahmen will sie auf allen Ebenen setzen. In der Langzeitpflege ortet sie unter anderem auf Ebene des Führungspersonals Handlungsbedarf. Die FH Dornbirn werde ab 2020 daher einen Spezialisierungslehrgang für Führungsaufgaben anbieten. Für das Fachpersonal mit dreijähriger Ausbildung würden Praktikumsplätze bei der Hauskrankenpflege und im Pflegeheim gefördert, um zu einer Laufbahn in der Langzeitpflege zu motivieren. In den Pflegeheimen seien heuer Zulagen für Fachsozialarbeiter und für die neuen Pflegefachassistenzen vorgesehen.

Unbestritten ist, dass Pflegekräfte gute Arbeitsverhältnisse brauchen. Ordentliche Abschlüsse der Kollektivvertragsverhandlungen sind laut Wiesflecker Voraussetzung, wenn es um die Indexierung der Gehälter geht, um Freizeitoptionen, Sabbatical-Regeln oder einen früheren Zugang zu einer zusätzlichen Urlaubswoche. VN-ebi

Pflegekräftemangel

24.500 zusätzliche Stellen (18.000 Vollzeitäquivalente/VZÄ) werden bis 2030 benötigt. Bis 2050 schätzt das Wifo den Mehrbedarf auf knapp 80.000 Kräfte (58.000 VZÄ). 2016 gab es laut dem Bericht 63.000 Pflegekräfte (45.000 VZÄ).   

436.000 Personen waren im Jahr 2017 80 Jahre oder älter. Laut Wifo-Prognose werden es 2030 636.000 sein, 2050 übersteigt die Zahl der Älteren die Millionengrenze.