“Bin diesem Land verbunden”

Politik / 03.04.2019 • 21:48 Uhr
Interview mit US-Botschafter Trevor TrainaInterview mit US-Botschafter Trevor Traina
Interview mit US-Botschafter Trevor TrainaInterview mit US-Botschafter Trevor Traina

US-Botschafter Traina sieht in Handelsbeziehungen großes Potenzial.

bregenz Die Bregenzer Festspiele sind einer der Gründe, wieso US-Botschafter Trevor Traina nach Vorarlberg kommen wollte. Im VN-Interview spricht der Diplomat auch über den Nutzen des Besuchs von Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) im Weißen Haus.

 

Ihr Großvater Wiley T. Buchanan war in den 70er-Jahren US-Botschafter in Österreich. Wie nahe stehen Sie unserem Land?

traina Ich fühle mich Österreich sehr verbunden. Es war das erste Land, das ich jemals besucht habe. Hier habe ich die Bedeutung von Diplomatie kennengelernt. Außerdem ist mein Onkel Österreicher, mein Bruder hat eine Österreicherin geheiratet. Für mich war es klar, dass ich hierher zurückkehren möchte.

 

Was war das Erste, das Sie mit Vorarlberg verbunden haben?

traina Schnee und Berge. Meine Frau liebt Lech. Und natürlich wusste ich von den Bregenzer Festspielen, diese sind weltbekannt, und einer der Gründe, wieso ich Vorarlberg besuchen wollte.

 

Vorarlberg befindet sich in der Nähe zum Flughafen in Zürich, einem Drehkreuz, das uns mit vielen US-Städten verbindet. Welche Möglichkeit sehen Sie, die Handelsbeziehungen zu vertiefen?

traina Viele Menschen erkennen nicht, dass die Vereinigten Staaten nach Deutschland mehr österreichische Produkte kaufen als jedes andere Land auf der Welt. Ich
weiß, dass die USA geografisch
weit entfernt sind. Aber der US-Markt ist der größte auf der Welt, und Österreich ist eine Export­nation. Der gegenseitige Handel wächst zweistellig. Österreich könnte zehn Mal mehr Produkte in die USA exportieren, als es derzeit tut.

 

Präsident Donald Trump hat Kanzler Kurz im Weißen Haus empfangen. Sie meinten, Trump habe mit Kurz gesprochen, als spräche er mit Europa. Kann ein kleines Land wie Österreich für Europa sprechen?

Traina Es handelt sich um ein starkes Signal an den Bundeskanzler und an Österreich. Immer sagen mir die Österreicher, das Land sei klein. Dabei ist es ein mittelgroßes europäisches Land, da gibt es viel kleinere. Österreich ist auch eine gut etablierte Demokratie, und aus meiner Sicht ein Schlüssel zu Mittel- und Südosteuropa.

 

Wie weit sind die Pläne einer österreichischen Handelsdelegation gediehen?

Traina Mit Wirtschaftskammer-Präsident Harald Mahrer arbeiten wir an der wohl größten Delegation von österreichischen Unternehmern, welche die USA jemals besucht haben. Wir hoffen, dass wir dafür viele Top-Unternehmer gewinnen können, auch aus Vorarlberg. 

 

Der Handelsstreit zwischen den Vereinigten Staaten und der EU ist noch nicht gelöst. Trübt das die Aussichten?

traina Ich liebe es, Botschafter in Österreich zu sein. Unsere Handelsbeziehungen sind stark und positiv. Mit der EU sieht es derzeit anders aus. Es ist aber eine falsche Annahme, dass sich die USA ein Regime von hohen Zöllen wünschen. Der Regierung wäre es am liebsten, wenn es gar keine Zölle gäbe. Sie waren aber ein nötiges Mittel, um die Konversation in Gang zu setzen.

 

Sollte Präsident Trump zusätzliche Zölle auf europäische Autos erheben, würde das auch österreichische Zulieferer treffen.

Traina Kanzler Kurz hat im Gespräch mit dem Präsidenten darauf hingewiesen. Doch wenn Sie die Sache breiter sehen: Jedes Café in Manhattan serviert Grünen Veltliner. Österreichische Produkte verschiedenster Kategorien verkaufen sich gut in den USA.

 

Wie kann sich das transatlantische Verhältnis verbessern?

traina Die Schlagzeilen sind oft negativer als die Realität. Ich habe beispielsweise viele Leute sagen gehört, dass die USA die Nato hinter sich lassen wollen. Das ist von der Wahrheit weit entfernt. Wenn Sie sich die letzten zwei Jahre anschauen: Erstens hat Amerika das Militärbudget stark erhöht. Zweitens hat es die Zahl der in Deutschland stationierten US-Soldaten verdoppelt. Außerdem wurde auf dem letzten Nato-Treffen die stärkste Deklaration seit Jahren verabschiedet. Die meisten Nato-Länder versuchen, zwei Prozent ihres BIP für Verteidigung auszugeben oder haben sich dazu verpflichtet. Das sind positive Ergebnisse.

 

Der Präsident hat auch schon gesagt, dass die Nato obsolet ist.

traina Ich glaube, dass der Präsident alle Mittel nutzen wollte, um an die Verpflichtungen der Nato-Mitglieder zu erinnern. Wenn Sie sich die Fakten anschauen, ist die Entwicklung sehr positiv.

Die USA wollen die Nato nicht hinter sich lassen, sagt Botschafter Traina. VN/Steurer
Die USA wollen die Nato nicht hinter sich lassen, sagt Botschafter Traina. VN/Steurer
Dass die USA die Nato hinter sich lassen wollen, sei weit von der Realität entfernt, sagt Botschafter Traina. VN/Steurer
Dass die USA die Nato hinter sich lassen wollen, sei weit von der Realität entfernt, sagt Botschafter Traina. VN/Steurer

Zur Person

Trevor Traina

geb. 1968 in San Francisco, ist seit 2018 US-Botschafter in Österreich. Der Kalifornier, der u.a. in Princeton und Oxford studierte, hat mehrere Tech-Unternehmen mitbegründet. CompareNet wurde 1999 von Microsoft gekauft. Zuletzt gründete Traina die Plattform IfOnly.