Vorarlberger Gemeinden beim Glyphosat-Verzicht im Spitzenfeld

Politik / 25.04.2019 • 18:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Glyphosat wird als teilweise krebserregend eingestuft. Deswegen protestieren Aktivisten regelmäßig dagegen, wie hier etwa bei einer Demo gegen Hersteller Monsanto. VN/Steurer

Über ein Drittel der Kommunen setzt bei der Pflege von öffentlichen Plätzen auf andere Methoden.

sulzberg, götzis Glyphosat ist höchst umstritten. Die Internationale Agentur für Krebsforschung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft den EU-weit bis 2022 zugelassenen Unkrautvernichter als wahrscheinlich krebserregend ein. Umweltorganisationen pochen daher auf einen Ausstieg Österreichs. „Bis es aber so weit ist, dürfen sich auch die Bürgermeister nicht aus der Verantwortung stehlen“, sagt Sebastian Theissing-Matei, Glyphosat-Experte bei Greenpeace. Sie seien angehalten, den Glyphosat-Einsatz im öffentlichen Raum umgehend zu beenden. Vorarlbergs Gemeinden zählen diesbezüglich zu den Musterschülern in Österreich. Das zeigt ein aktuelles Ranking der Umweltschützer: 35 Kommunen (36 Prozent) verzichten bei der Pflege von öffentlichen Parks, Spielplätzen und Friedhöfen komplett auf Glyphosat.

Niederösterreich hat Nase vorn

Vorarlberg befindet sich mit den Kärntner Gemeinden im Ranking gemeinsam auf dem zweiten Platz. Davor liegt nur Niederösterreich: Dort verwenden 61 Prozent der Kommunen kein Glyphosat. Österreichweit beträgt dieser Wert 33 Prozent. Das sind 701 der 2095 Kommunen. „Viele dieser Gemeinden entfernen unerwünschten Bewuchs jetzt nicht mehr mit giftigen Chemikalien, sondern stattdessen mechanisch oder etwa mit modernen Heißdampfverfahren, bei denen die Pflanzen mit Hitze bekämpft werden“, sagt Theissing-Matei.

Seit dem Vorjahr setzt auch die Bregenzerwälder Gemeinde Sulzberg kein Glyphosat mehr ein. Wie Bürgermeister Helmut Blank im VN-Gespräch erläutert, haben die Bürger diesen Prozess ins Rollen gebracht. „Sie haben uns direkt darauf angesprochen. Daraufhin haben wir den Diskussionsprozess begonnen.“ Der Beschluss in der Gemeindevertretung erfolgte einstimmig. Blank betont: „Wir ziehen das in unserem Wirkungsbereich konsequent durch.“ Die unerwünschten Pflanzen werden vor allem mechanisch entfernt. „Wir Vorderwälder Gemeinden erwägen derzeit auch die natürliche Unkrautvernichtung mit heißem Dampf. Da gibt es bereits sehr gute Geräte.“

„Wir Vorderwälder Gemeinden erwägen derzeit auch die natürliche Unkrautvernichtung mit Dampf.“

Helmut Blank, Bürgermeister Sulzberg

Auch Götzis zählt in Sachen Glyphosatverzicht zu den Vorreitern. „Wir verwenden das schon lange nicht mehr“, erläutert Konrad Ortner, Amtsleiter der Marktgemeinde. Dies sei mitunter aber eine große Herausforderung, insbesondere bei großen Flächen wie Friedhöfen. „Der Verzicht bedeutet einen Mehraufwand für die Mitarbeiter.“ Immerhin sei nun vieles händisch zu machen.

Verbot für Privatpersonen

Greenpeace sieht Umweltministerin Elisabeth Köstinger in der Pflicht, einen Plan für ein österreichweites Glyphosat-Verbot vorzulegen. Kärnten ist als erstes vorgeprescht: Dort beschloss der Landtag Ende März ein Verbot für private Anwender. Vorarlberg zieht nach. Am Mittwoch haben die Landesparteien einen einstimmigen Beschluss im Rechtsausschuss des Landtags getroffen. Den entsprechenden Antrag hatte die SPÖ eingebracht. Den Grünen ist das nicht genug: Sie fordern, dass auch die Landwirtschaft künftig komplett auf Glyphosat verzichtet.