Eurovision Song Contest in Israel: Nur Festraketen über Tel Aviv

Politik / 12.05.2019 • 17:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Song-Contest-Siegerin 2018, Netta Barzilai, als Skulptur in Tel Aviv. reutERS

Konzessionen an Hamas, um Song Contest zu schützen.

Heinz Gstrein

tel aviv In Israels nach wie vor heimlicher Hauptstadt Tel Aviv geht von Dienstag bis Samstag der 64. Song Contest der Eurovision über die Bühne. Seine Gefährdung durch den jüngsten Hagel von Palästinenserraketen aus Gaza konnte inzwischen mit einer der allerdings schon so vielen Feuereinstellungen gebannt werden. So ist zu hoffen, dass sich am Himmel nur Festivalraketen und keine Sprengkörper zeigen werden. Doch bleibt eine gewisse Unsicherheit, die jüngste Radikalisierung des Iran könnte zu Störversuchen des Freudentaumels führen.

Israel hatte sich 1973 als erstes geographisch außereuropäisches Land auf Grund seiner kulturellen Identität die Beteiligung am Song Contest gesichert. 1998 schickte es mit „Dana International“ lang vor Österreichs Conchita eine(n) transsexuelle(n) Künstler(in) zu dem Preissingen. Die Israelis tragen den Song Contest nach der 46jährigen Erfolgsgeschichte ihrer Teilnahme zum dritten Mal auch aus. Dabei stünde ihnen nach den Siegessongs von 1978, 1979 und 1998 eigentlich schon eine vierte Austragung zu. Doch haben sie 1980 freiwillig darauf verzichtet, weil das vorgesehene Datum auf ihren Gedenktag für alle Gefallenen und Opfer des Terrorismus fiel.

Saddams Rache

Erstmals Tote hat es auch bei diesen – hoffentlich – letzten Raketensalven aus Gaza gegeben. Israels bisher, zum Beispiel noch im Beschießungssommer 2014, lückenlos funktionierender Abwehrschirm erwies sich zum ersten Mal als nicht mehr ganz so sicher. Aufgebaut hatten ihn die Israelis, als Saddam Hussein nach seinem Überfall auf Kuwait mit „Meteoriten auf den Judenstaat“ Rache für den gegen ihn geführten ersten Golfkrieg von 1991 zu nehmen versuchte.

Dieses Himmelsschild wurde laufend verbessert, hat sich aber nun als ungenügend erwiesen. Experten halten dafür den Einsatz der neuesten, von der Islamischen Republik Iran gelieferten Lenkwaffen verantwortlich. Das machte sogar einen Falken wie Benjamin Netanyahu unmittelbar vor dem Song Contest durch die Hamas erpressbar. Er sah sich genötigt, ein Vermittlungsangebot aus Ägypten anzunehmen und den Gaza-Palästinensern Zugeständnisse zu machen: Eine neue Öffnung der Grenze und die Ausweitung der Fischfangzone vor der Küste.

Eigentlich wollte Hamas eine völlige Aufhebung der schon zehnjährigen Blockade des Gazastreifens erzwingen. Nach vertraulichen, doch zuverlässigen Informationen beinhaltet die neueste Waffenstillstandsvereinbarung auch eine Klausel, die Gaza ein Ende seiner Absperrung in Aussicht stellt: Für den Fall tatsächlicher Waffenruhe durch die Hamas und den Islamischen Dschihad während des Lieder-Wettstreits in Tel Aviv.