Gerüchte um Ablöse von Pamela Rendi-Wagner: Martin Staudinger will sich nicht äußern

06.06.2019 • 09:32 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
APA

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda hat in einer internen Mail an Parteifunktionäre die Gerüchte über eine mögliche Ablöse von Parteichefin Pamela Rendi-Wagner als „haltlose Spekulation“ zurückgewiesen.

Wien SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda hat in einem internen Mail an Parteifunktionäre die Gerüchte um eine mögliche Ablöse von Parteivorsitzender Pamela Rendi-Wagner als „haltlose Spekulationen“ zurückgewiesen. Für den späten Nachmittag ist laut APA-Informationen in der SPÖ eine Sitzung der Parteigranden angesetzt. Als Thema wird offiziell die Vorbereitung der Nationalratswahl genannt.

In dem der APA vorliegenden Mail an die Parteifunktionäre erklärt Drozda: „Die Gerüchte und Spekulationen um Gerhard Zeiler entbehren jeglicher Grundlage. “ Erst gestern habe der frühere Bundeskanzler Franz Vranitzky Rendi-Wagner in einem persönlichen Gespräch Unterstützung zugesichert. Zuletzt war kolportiert worden, dass der Medienmanager zur Übernahme der Parteiführung bereit sei, sein Sprecher dementierte aber angebliche Gespräche darüber. Vranitzky hatte sich vor der Wahl von Christian Kern für Zeiler als Parteichef stark gemacht.

„Gerüchte bewusst platziert“

„Diese Gerüchte werden vom politischen Gegner bewusst platziert, um uns als Partei zu schaden und von den Ereignissen der letzten Woche abzulenken“, schreibt Drozda. Und weiter: „Wir dürfen uns durch solche Zurufe von außen nicht irritieren lassen. Die bevorstehende Wahlauseinandersetzung wird eine sehr intensive werden. Umso wichtiger ist es, fokussiert auf den Herbst hinzuarbeiten und uns auf unsere Stärken zu konzentrieren.“

Der Bundesgeschäftsführer hält auch ausdrücklich fest, dass Rendi-Wagner sowohl im Bundesparteipräsidium als auch im Bundesparteivorstand mit jeweils 100 Prozent zur Spitzenkandidatin für die Nationalratswahl designiert worden ist.

Treffen der SPÖ-Spitzenvertreter am Mittwoch

Spitzenvertreter der SPÖ trafen sich bereits am Mittwoch zu einem Krisengespräch in Wien. Laut APA-Informationen ging es angesichts der schlechten Umfrageergebnisse für die Sozialdemokraten um die strategische Aufstellung und Ausrichtung der Partei vor der Nationalratswahl im September.

Neben Parteichefin Rendi-Wagner und Bundesgeschäftsführer Drozda sollen eine handverlesene Zahl an Spitzenrepräsentanten an dem Treffen teilgenommen haben. Ob es auch konkret um die Frage der Spitzenkandidatur ging, war nicht in Erfahrung zu bringen.

Nach dem mageren Abschneiden bei der EU-Wahl und den alarmierenden Umfragedaten, die die SPÖ derzeit bei 20 bis 23 Prozent und mit großem Rückstand zur ÖVP sowie teilweise sogar hinter der FPÖ sehen, wird die Lage der Partei von führenden Funktionären als schlecht beurteilt. Alles sei deshalb offen, heißt es Partei-intern. Sollte es doch noch zu einem Wechsel an der Parteispitze kommen, was von Drozda am Donnerstag als „haltlose Spekulation“ bezeichnet wurde, dann müsse es rasch in den nächsten Tagen über die Bühne gehen.

Donnerstagnachmittag weitere Sitzung

Als Minimalvariante kursiert auch eine neue Struktur in der Bundesgeschäftsführung, mit einer wahlkampferprobten Person neben Drozda oder gleich ganz ohne den in der SPÖ nicht ganz umstrittenen Bundesgeschäftsführer. In der Parteizentrale bezeichnet man solche Informationen allerdings als vom politischen Gegner gestreute Gerüchte. Für den späten Donnerstagnachmittag wurde jedenfalls neuerlich eine Sitzung mit führenden Parteivertretern angesetzt. Offizielles Thema: Vorbereitung der Nationalratswahl.

Staudinger will sich an Debatte nicht beteiligen

Der Vorarlberger SPÖ-Landeschef Martin Staudinger will sich an der Personaldebatte um Rendi-Wagner nicht beteiligen. Das Ganze sei offenbar ein Versuch, „anderer Bundesländervorsitzender, in den Medien vorzukommen – das brauch‘ ich nicht. Ich muss in Vorarlberg gewinnen“, so Staudinger am Donnerstag.

Auf die Frage, ob Gerhard Zeiler eine Alternative wäre, wiederholte Staudinger, an medialen Spekulationen wolle er sich nicht beteiligen. Die Chancen der SPÖ bei der Nationalratswahl seien gut, wenn man jetzt die „Wahlbewegung“ starte und die Diskussionen „vor allem über die Medien“ beende. Schließlich stünden die anderen Parteien vor größeren Problemen. Auf die Frage, warum die SPÖ etwa bei der EU-Wahl nicht mehr Kapital aus der Situation schlagen konnte, meinte Staudinger: „Genau wegen dieser Diskussionen“. APA