Atomstreit mit Iran wird zum „Seekrieg“

Politik / 22.07.2019 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Der unter britischer Flagge fahrenden Tanker Stena Impero befindet sich nun im Hafen von Bandar Abbas. AFP / TASNIM NEWS

Konflikt zwischen USA und Verbündeten mit Teheran: Mittlerweile gibt es eine zweite Front am Golf.

Heinz Gstrein

teheran Nach Kaperung eines britischen Öltankers durch iranische Revolutionsgarden braut sich an der Straße von Hormus ernste Gefahr für den Weltfrieden zusammen. Die gewundene Meerenge am Ausgang des Golfs zum Indischen Ozean ist ein global besonders neuralgischer Punkt: Durch dieses Nadelöhr geht aus Saudi-Arabien, Iran, Kuwait und anderen an Erdöl und Ergas mächtigen Kleinstaaten ein Drittel des vom Rest der Welt benötigten Nachschubs an Energie. Dort war an der Piratenküste, den heutigen Vereinigten Arabischen Emiraten, die Seeräuberei seit eh und je zuhause.

Mit ihren Methoden führen auch jetzt die Elitetruppen der Islamischen Republik mit Schnellbooten und Hubschraubern das Entern von Schiffen weiter, die im Dienst des „großen Teufels“ USA und seiner Verbündeten stehen. Den Anfang hatte schon Mitte Juni der Sprengsatzangriff auf einen norwegischen Tanker gemacht. Die alte Golfschutzmacht Großbritannien zögerte zunächst, blockierte aber vor Kurzem zur Vergeltung ein iranisches Ölschiff bei Gibraltar. Mit dem Vorwand, dass es das unter Boykott stehende syrische Regime beliefern wolle. Im Gegenzug zwang nun Teheran die unter britischer Flagge noch leer in den Golf einlaufende „Stena Impero“ in seinen Hafen Bandar Abbas.

Sorgen um Erdöl

Damit verlagert sich der Atomstreit von US-Präsident Donald Trump und seinen verbal widerstrebenden, doch gefügigen Nato-Partnern mit den persischen Ajatollahs auf diese zweite Front am Golf. Es wäre für Iran doch zu gefährlich gewesen, das neuerliche Anreichern von Uran allein als Druckmittel auf den Westen einzusetzen. Auch ist dort die wirkliche Angst vor der laut beschworenen iranischen Nuklearmacht doch geringer als die Sorgen um Erdölverknappung und – teuerung. So sind jetzt Washington und vor allem London mit Verschärfung der Wirtschaftssanktionen am Zug. Diese treffen Irans Bevölkerung immer empfindlicher und verstärken das Unbehagen mit der Herrschaft der schiitischen Klerisei. Ein Gradmesser dafür sind die schon zahlreichen, besonders jugendlichen Arbeitslosen aus der Islamischen Republik, die sogar im unsicheren, doch wirtschaftlich blühenden irakischen Kurdistan Zuflucht suchen.

In Teheran ist man daher hellhörig für die vom britischen Außenminister Jeremy Hunt am Sonntag angedrohten „ernsten Konsequenzen“. Er wolle aber darüber noch einmal mit seinem iranischen Amtskollegen Mohammad Javad Zarif sprechen. Der versucht  an diesem Wochenende in Caracas das machtlos gewordene „blockfreie Lager“ zu mobilisieren, Venezolaner und andere Lateinamerikaner gegen die USA aufzubieten.

Die Entsendung amerikanischer Truppen nach Saudi-Arabien erinnert an die bedächtige, aber zielstrebige Vorbereitung der Feldzüge gegen den Irak Saddam Husseins von 1991 und 2003.

Das um seine Neutralität bemühte Sultanat Oman rief daher am Sonntag eindringlich zu einer politischen Lösung des Konfliktes mit Iran auf. Seine Halbinsel Musandam ragt genau in die Eng- und Knickstelle des Golfausgangs hinein, würde daher in einen bewaffneten Konflikt zwangsläufig hineingezogen.